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In Berlin: Alle Neune mit Thielemann am Pult

Artikel vom 08.12.2010 - 19.23 Uhr

In Berlin: Alle Neune mit Thielemann am Pult

Heroisch, zwingend, dramatisch: Der Stardirigent beeindruckt in der Bundeshauptstadt an vier Tagen mit seinem Beethoven-Zyklus.
Gänsehautgrummeln nicht nur im Finale der Fünften: Christian Thielemann und seine Wiener Philharmoniker in Berlin. 	(Foto: Ali S
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Gänsehautgrummeln nicht nur im Finale der Fünften: Christian Thielemann und seine Wiener Philharmoniker in Berlin. (Foto: Ali Schafler)
Es sollte das Klassikereignis des Jahres werden, und das wurde es: Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker präsentierten ihren Beethoven-Zyklus - alle neun Sinfonien in vier Tagen - in Berlin. Trotz klirrender Kälte draußen war die seit Monaten ausverkaufte Philharmonie bis auf den letzten Platz besetzt, wurden noch zusätzlich Stühle aufgestellt, versammelten sich im Publikum auch die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident - ein Staatsbesuch wie selten an diesem Ort.

Schließlich gibt es auch nicht viele Gelegenheiten, diesen mittlerweile auch bei C Major Entertainment auf DVD erschienenen Zyklus live zu erleben. Berlin ist die zweite Station nach Paris, weiter angedacht sind nur noch Aufführungen in Japan (2013) und Moskau.

Manch einer mag vielleicht seine Zweifel gehabt haben, ob es gelingen kann, sich wieder verstärkt an Furtwängler oder Karajan zu orientieren, wie Thielemann es sich bewusst vorgenommen hat, nachdem in jüngeren Zeiten Originalklangexperte Roger Norrington oder Paavo Järvi andere Richtungen einschlugen. Doch solche Bedenken waren in Windeseile zerstreut, ohne die eine gegen die andere Interpretation ausspielen zu wollen. Man ist vielmehr dankbar, dass der Zeitgeistverweigerer Thielemann keinen Moden, sondern eigenen Überzeugungen folgt. Und es macht Staunen, dass doch verschiedene Lesarten nebeneinander ihre Berechtigung haben.

Von wegen ein romantischer Klang sei dicklich und klebrig: Die Wiener betören vielmehr mit einem unnachahmlich edlen, schlanken, eingedunkelten und bei all diesen Qualitäten auch stets transparenten Klang. Spielen die Streicher eine einfache Melodie, dann besitzt sie allemal die angemessene Schlichtheit.

Ansonsten haben diese Wiedergaben alles, was Beethovens Sinfonik ausmacht: das Heroische, Dramatische in den Kopfsätzen, Graziles in den Scherzos und Menuetten, Innigkeit und Zartheit im Lyrischen.

Bei den Finalsätzen, vor allem in der Eroica und in der Fünften, fühlt man sich unweigerlich an den jungen Feuerkopf Celibidache erinnert, so kraftvoll, leidenschaftlich und vor allem überraschend schnell geht Thielemann sie an.



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Artikel vom 08.12.2010 - 19.23 Uhr
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