Junge Deutsche Philharmonie und Carolin Widmann in der Alten Oper
Brahms’ (1833 - 1897) 3. Sinfonie F-Dur op. 90 ist ein Ausbund an Klangschönheit. Allein das erste Thema des Kopfsatzes und der hitverdächtige dritte Satz, das Poco allegretto, waren den Konzertbesuch wert. Das Ensemble, Stammgast in der Alten Oper, spielte sich in die Herzen des Publikums. Ohne Zugabe kam man nicht von der Bühne.
Der Grund ist schnell benannt. Die Brahms-Sinfonie steht zwar in strahlendem Dur, changiert aber permanent ins Moll mit der Folge, dass stets neue Spannungsbögen entstehen. Norrington, seines Zeichens Chefdirigent des Radio-Sinfonie-Orchesters Stuttgart, gelang es mit den jungen Musikern, den romantischen Geist des Werks auf frische Weise zu transportieren. Ein kleiner Trick half. Während in den Ecksätzen das komplette Ensemble ans Werk ging - unter anderem mit 16 ersten Geigen -, verringerte Norrington im dritten Satz den Klangkörper an den entscheidenden Stellen um die Hälfte und hob so den kammermusikalischen Charakter hervor.
Im Finale, dem mächtigen Allegro mit seinem sofort ins Ohr gehenden Unisono-Hauptthema, bestach die forsche Gangart. Energisch strebte die Philharmonie, deren rund 100 Mitglieder aus den 25 000 Musikstudenten des deutschsprachigen Raums rekrutiert werden, dem Ende entgegen.
Das aber kommt nicht eruptiv, sondern mündet nach einem mächtigen Fortissimo, das bei anderen Komponisten explosionsartig kulminiert wäre, in ein zartes Piano und einen Fade-out-Effekt, den Kritiker als resignativ bezeichnet haben. Doch Brahms wählt bei allen vier Sätzen der Sinfonie diese Form des Ausklangs. Nennen wir es transzendente Ruhepole. Unnötig zu sagen, dass der leise Schluss des Finalsatzes die Akkorde des Kopfsatzthemas aufgreift und verkündet: Alles ist gut. Am Ende. Manfred Merz
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