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Trauer um Margarete Mitscherlich

Artikel vom 13.06.2012 - 16.58 Uhr

Trauer um Margarete Mitscherlich

Frankfurt/Main (dpa) - Trauer um Margarete Mitscherlich: Wissenschaftler und Wegbegleiter haben die große alte Dame der Psychoanalyse als herausragende Intellektuelle und Identifikationsfigur gewürdigt.
Margarete Mitscherlich
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Die Autorin und Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Foto: Rolf Vennenbernd
© dpa
Die Psychoanalytikerin war am Dienstag - wenige Wochen vor ihrem 95. Geburtstag - in einem Krankenhaus in Frankfurt am Main gestorben. Sie hat viele Jahre am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt gearbeitet. Gemeinsam mit ihrem 1982 gestorbenen Mann Alexander Mitscherlich analysierte sie in «Die Unfähigkeit zu trauern» (1967) die Nachkriegsgesellschaft.

Später wandte sich Mitscherlich der Frauenbewegung zu. In ihrem bedeutendsten eigenen Buch, «Die friedfertige Frau» (1985), legte sie dar, dass Frauen nicht von Natur aus weniger aggressiv sind, sondern ihr vermeintlich ausgleichendes Wesen nur erlernt haben. Noch im Herbst 2010 hatte die Medizinerin ein Buch mit dem Titel «Die Radikalität des Alters» geschrieben. Bis zuletzt hielt sie gelegentlich noch psychoanalytische Sitzungen ab, las zwei Tageszeitungen und den «Spiegel» und schrieb E-Mails.

Das Sigmund-Freud-Institut würdigte Mitscherlich als bedeutende Persönlichkeit mit imponierender intellektueller Wachheit. «Mit ihrem Tod verliert das Sigmund Freud-Institut eine wichtige Identifikationsfigur und ein überzeugendes Vorbild, wie Menschen in Würde altern können», heißt es auf der Homepage. Mitscherlich sei eine Frau mit tief empfundenem Engagement für die Welt und einer großen Lust am Denken gewesen, sagte der stellvertretende SFI-Direktor, Prof. Rolf Haubl. «Wer eine Aufgabe hat, der hält auch lange durch.»

Als Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin kam Margarete Nielsen am 17. Juli 1917 im Graasten (Dänemark) zur Welt. Ihr Abitur machte sie während der Nazi-Diktatur in Flensburg. Nach dem Medizin-Studium in München und Heidelberg arbeitete sie vorübergehend in der Schweiz, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte. 1955 heiratete das Paar und begründete eine jahrzehntelange Liebes- und Arbeitsbeziehung.

«Unser Land und unsere Gesellschaft verdankt ihr viel», sagte S. Fischer-Programmgeschäftsführer Jörg Bong am Mittwoch laut Mitteilung. «Über Jahrzehnte war sie nicht bloß eine der international herausragenden Wissenschaftlerinnen der Psychoanalyse, sondern vor allem auch eine der wichtigsten kritischen, engagierten Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland.»



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