Nato: Milliarden für Militär und Polizei Afghanistans
Brüssel (dpa) - Mit jährlichen Milliardensummen der internationalen Gemeinschaft sollen nach Ansicht der Nato zukünftig Armee und Polizei Afghanistans finanziert werden.
Nato-Generalsekretär Rasmussen: «Wir erwarten, dass die letzten Provinzen Mitte 2013 an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden». Foto: ISAF / Archiv
Das sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach Beratungen der Verteidigungsminister des Bündnisses am Freitag in Brüssel.
Er bestätigte Überlegungen in der Nato, die afghanischen Sicherheitskräfte zu verkleinern. «Es gibt noch keine Entscheidung über die längerfristige Stärke der Sicherheitskräfte und darüber, wer die Rechnung bezahlt», sagte Rasmussen. «Die Zukunft Afghanistans geht die gesamte internationale Gemeinschaft an», meinte er. «Und das gilt auch für die langfristig Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte.»
Derzeit verfügt Afghanistan über etwa 176 000 Soldaten und 143 000 Polizisten. Diese knapp 320 000 Mann waren in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand ausgebildet worden. Der französische Verteidigungsminister Gérard Longuet sagte, Frankreich und andere Verbündete - darunter auch die USA - hielten längerfristig eine Stärke von 230 000 Soldaten und Polizisten für «vernünftig». Dies bedeute aber, dass jährlich 1,1 Milliarden Dollar nötig seien. Longuet: «Das sind Beträge, die die internationale Solidarität nicht überfordern.»
Die Minister vereinbarten auch stärkere Anstrengungen, um das Einsickern radikalislamischer Talibankämpfer in die afghanischen Sicherheitskräfte zu verhindern. Im Januar waren vier französische Soldaten von einem Mann erschossen worden, der sich bei der afghanischen Armee hatte einstellen lassen. Künftig sollen beispielsweise anhand biometrischer Daten und Ausweis Kandidaten für einen Posten bei Armee und Polizei besser auf mögliche Vorstrafen geprüft werden.
Afghanistan solle ab 2013 schrittweise mit eigener Armee und Polizei die Sicherheitsverantwortung im ganzen Land von der derzeit 130 000 Soldaten zählenden internationalen Schutztruppe Isaf übernehmen, bekräftigte Rasmussen. Bis Ende 2014 werde die Isaf sich zunehmend auf eine Unterstützerrolle zurückziehen: «Das heißt Training und Hilfe. Und wenn nötig heißt das auch, dass wir an der Seite unserer afghanischen Partner kämpfen.»
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