Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Politik »

Verwirrung um Mursis angebliches Iran-Interview

Artikel vom 25.06.2012 - 22.28 Uhr

Verwirrung um Mursis angebliches Iran-Interview

Kairo/Teheran (dpa) - Ein angebliches Interview des gewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi mit der iranischen Nachrichtenagentur Fars hat am Montag für Verwirrung gesorgt.
Mohammed Mursi
Lupe - Artikelbild vergrössern
Ägyptens neuer Präsident: Mohammed Mursi. Foto: str/ Archiv
© dpa
In dem angeblichen Gespräch mit Mursi, das am Morgen veröffentlicht worden war, soll der islamistische Politiker gesagt haben, dass Ägypten eine Annäherung an den Iran suche und den Friedensvertrag mit Israel «revidieren» wolle. Fast zwölf Stunden später ließ er es über einen Sprecher dementieren. «Der Präsident hat dieser Agentur kein Interview gegeben, und das, was darin veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage», sagte dieser der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur MENA.

Der 60-jährige Kandidat der konservativ-religiösen Muslimbruderschaft hatte sich in der Stichwahl um die Präsidentschaft gegen den Ex-Ministerpräsidenten Ahmed Schafik durchgesetzt. Das Ergebnis war am Sonntag verkündet worden. Nach bisherigen Ankündigungen des herrschenden Militärrats soll Mursi am 30. Juni in sein Amt eingeführt werden. Er tritt die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten Langzeitpräsidenten Husni Mubarak an.

Das Interview mit der regimenahen iranischen Agentur war nach deren Angaben noch vor der Verkündung des Wahlergebnisses geführt worden. Die Ausweitung der beiderseitigen Beziehungen werde «ein wirksames strategisches Gleichgewicht in der Region» herstellen, soll er darin gesagt haben. Auch der Friedensvertrag mit Israel müsse «revidiert» werden. Mursi soll sich auch für das Rückkehrrecht der Palästinenser ausgesprochen haben, die in den Nahostkriegen fliehen mussten oder vertrieben wurden.

Israel fürchtet eine Verschlechterung des Verhältnisses zu Ägypten. Engere Beziehungen zwischen Kairo und Teheran wären für Israel eine strategische Katastrophe. Unter Mubarak war das Verhältnis der Führung in Kairo zum Iran eher frostig. Das Ajatollah-Regime hatte die diplomatischen Beziehungen 1979 wegen des Camp-David-Vertrags abgebrochen. Seit 15 Jahren strebt Teheran eine Aufwertung der Beziehungen an, stieß jedoch bei Mubarak auf taube Ohren.

In seiner ersten Ansprache am späten Sonntagabend als gewählter Präsident hatte Mursi erklärt: «Wir werden uns um sehr ausgewogene Beziehungen zu allen internationalen Faktoren bemühen.» Bestehende Verträge, darunter den Friedensvertrag mit Israel, werde Ägypten aber einhalten.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 25.06.2012 - 22.28 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Leserkommentare
(24.06.2012 19:39)
Lux
Ägypten
Wo bleibt der Jubel der "Generation facebook" nach diesem Wahlergebnis? Wo bleiben die deutschen Politiker mit ihren wohlpfeilen Reden vom ägyptischen Frühling? Beschämt haben sich die Lobhudler in ihre Quartiere begeben. Ja war denn Ägypten doch kein säkularer Staat? Nein, war er nie und wird er nun erstrecht nicht mehr werden. Islamisten und Demokratie geht nicht. Dieses Wahlergebnis hat den Nahen Osten noch unsicherer gemacht, als er ohnehin schon war. Werden sich die Muslimbrüder an die mit Israel geschlossenen Verträge halten. Und was wird, wenn nicht?
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang