Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Politik »

Wachsende Unterstützung für Beschneidungsgesetz

Artikel vom 16.07.2012 - 17.43 Uhr

Wachsende Unterstützung für Beschneidungsgesetz

Berlin (dpa) - Nach dem Proteststurm von Juden und Muslimen machen sich immer mehr führende Politiker für eine Legalisierung religiöser Beschneidungen stark.
Beschneidung
Lupe - Artikelbild vergrössern
Chirurgische Instrumente werden vor einer Beschneidungszeremonie zurechtgelegt. Foto: Bea Kallos / Archiv
© dpa
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) warb für ein entsprechendes Gesetz, und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe stellte bereits für Donnerstag eine Resolution des Bundestags in Aussicht, die dort auf eine breite Mehrheit hoffen darf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fand Zeitungsberichten zufolge ebenfalls klare Worte zum umstrittenen Kölner Urteil.

«Bild»-Zeitung und «Financial Times Deutschland» (Dienstag) zitierten die Kanzlerin unter Berufung auf CDU-Mitglieder mit den Worten: «Ich will nicht, dass Deutschland das einzige Land auf der Welt ist, in dem Juden nicht ihre Riten ausüben können. Wir machen uns ja sonst zur Komiker-Nation.» Das Kölner Landgericht hatte Beschneidungen kürzlich als Körperverletzung gewertet und damit über Deutschlands Grenzen hinaus für Empörung gesorgt. Sowohl im Judentum als auch im Islam ist die Beschneidung von Jungen ein wichtiges Ritual mit langer Tradition.

Schon in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung eine rechtliche Klarstellung angekündigt. Auch die für Familie und Jugend zuständige Ministerin Schröder betonte jetzt, eine verantwortungsvoll durchgeführte Beschneidung von Jungen müsse weiter erlaubt sein. «Jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland darf nicht unmöglich gemacht werden», erklärte ein Ministeriumssprecher.

Eine entsprechende Resolution wird der Bundestag wohl schon bei seiner Sondersitzung am kommenden Donnerstag mit großer Mehrheit beschließen. Wie die in Bielefeld erscheinende «Neue Westfälische» (Dienstag) berichtet, wollen die Fraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen einen gemeinsamen Antrag einbringen. Angesichts der tiefgreifenden Verunsicherung wäre eine solche Resolution ein gutes Signal, sagte Gröhe nach einer Sitzung des CDU-Vorstands. «Wir wollen jüdisches, wir wollen muslimisches Leben in der Bundesrepublik Deutschland und respektieren Jahrhunderte alte religiöse Traditionen.»

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 16.07.2012 - 17.43 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Leserkommentare
(17.07.2012 11:56)
HilmarHirnschrodt
Wenn, dann gleichberechtigt!
Wenn rituelle Beschneidung legalisiert werden soll, dann bitte auch konsequent aus Gleichberechtigungsgründen gleichermaßen für Mädchen und Jungen! Überall in Deutschland und Europa werden Fälle von Kindesmissbrauch aus früheren Zeiten aufgearbeitet und die Empörung ist mit Recht groß. Und ausgerechnet die vorsätzliche Körperverletzung - also systematischer Missbrauch an kleinen wehrlosen Knaben aus religiösen Gründen soll jetzt in Deutschland sogar ausdrücklich legalisiert werden. Was für eine verlogene Bigotterie ist das denn? Ein Jeder hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und es wird Zeit, dass dieses elementare Grundrecht endlich auch konsequent durchgesetzt wird. Es geht nicht an, dass bereits Kleinkinder aus religiösen Gründen körperlich verletzt und markiert werden, nur weil das deren Eltern oder irgendwelche Priester so wollen. Meines Erachtens sollten solche weitreichende religiös oder sonst wie nicht medizinisch begründete Eingriffe und Entscheidungen frühestens für Volljährige möglich sein. Die Eltern haben die Unversehrtheit ihrer Kinder zu schützen! Im Übrigen hat sich auch der deutsche Kinderschutzbund klar und eindeutig gegen die Legalisierung der Beschneidung aus religiösen Gründen ausgesprochen. Wer das Kindeswohl in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt, kann auch nur zu einer ablehnenden Haltung im Bezug auf rituelle Beschneidungen von Mädchen und Jungen kommen.
(16.07.2012 18:39)
Gandalf
Grundgesetz???!!!
Kennt diese Kanzlerin und die restlichen Kasper-Politiker nicht unser Grundgesetz????
Das Grundgesetz ist geschaffen worden um in Deutschland Recht und Ordnung herzustellen!!!
Wenn unsere Kasperle-Partei-Politiker für jeden noch so Lobbyisten das Grundgesetz ändern w0llen “dann Gnade uns Gott“.
Will diese Kanzlerin dann auch noch die Steinigung, das Hand-abhacken (zB. bei Diebstahl), Kinderehe ab 12 Jahre, Ehrenmorde, Christenmorde usw. usw..
Was für Grausamkeiten wurden schon unter dem Deckmantel einer Religion ausgeführt???
Die Kanzlerin sollte, wenn sie das Beschneidungs-Gesetz will, doch mit gutem Beispiel vorangehen und nicht das Grundgesetz nach gut Düngen ändern, wo kommen wir den da hin!!!
Armessss Deutschland, armessss Deutsche Volk!!!
Wo führen uns diese Kasperle- Politiker CDU/CSU/FDP usw. noch hin???
Außer in den Totalen Bankrott bei der EURO-Rettung!!!
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang