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Facebook-Börsengang: Datenschutz contra Profit

Artikel vom 03.02.2012 - 18.08 Uhr

Facebook-Börsengang: Datenschutz contra Profit

Berlin (dpa) - Der anstehende Börsengang von Facebook macht Datenschützern Angst. «Es steht zu befürchten, dass der Fokus in Zukunft auf Gewinnmaximierung gerichtet wird», sagte Johannes Caspar, der als Datenschutzbeauftragter von Hamburg für das Online-Netzwerk zuständig ist.
Ilse Aigner
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Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht Facebook beim Datenschutz stärker in der Pflicht. Foto: Andreas Gebert
© dpa
Der Druck der Aktionäre werde wachsen und die Entscheidungen des Unternehmens möglicherweise zulasten des Datenschutzes beeinflussen, sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Facebook hatte am späten Mittwoch seinen Börsenprospekt vorgelegt und damit den ersten Schritt zum Gang aufs Parkett getan. Der Jubel an der Wall Street war riesig, locken doch gigantische Gewinne. In der allgemeinen Euphorie stiegen selbst die Aktien anderer Internetfirmen deutlich. In dem rund 200-seitigen Prospekt, das die Investoren mit dem Unternehmen vertraut machen soll, betont Facebook selbst, dass die Bindung der Nutzer an das Soziale Netzwerk wichtiger sei als «kurzfristige finanzielle Resultate».

Experten taxieren Facebooks Wert auf 100 Milliarden Dollar und sogar noch darüber hinaus. Das Unternehmen werde so hoch bewertet, weil es der Werbeindustrie die Chance gebe, Konsumenten sehr gezielt anzusprechen, sagte Datenschützer Caspar und warnte: «Das Geschäftsmodell lebt von den Daten der Nutzer.» Neuerungen wie die jüngst eingeführte Chronik stünden in diesem Kontext: Sie sollten Mitglieder dazu anregen, noch mehr von sich preiszugeben.

Schon seit längerem sieht sich Facebook der Kritik der Datenschützer ausgesetzt. Gründer und Chef Mark Zuckerberg sah sich genötigt, in einem Brief an die Investoren seine Position noch einmal klarzustellen: Facebook verfolge eine «soziale Mission» und wolle die Menschen stärker miteinander vernetzen. «Einfach gesagt: Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.» Caspar stellte aber in Frage, dass diese Grundsatzerklärung angesichts des Profitdrucks der Börse tatsächlich gelebt werden könne.

Wie sehnlich die Wall Street Facebooks Ankunft erwartet, zeigten die Kursausschläge anderer Internetfirmen. Der mit Facebook eng verbandelte Spieleentwickler Zynga legte zum Handelsschluss am Donnerstag um 17 Prozent zu und stieg bis zum Freitagmittag um weitere 13 Prozent. Das Schnäppchenportal Groupon, das berufliche Online-Netzwerk LinkedIn und das Internet-Radio Pandora profitieren ebenfalls. Die Unternehmen waren erst in den vergangenen Monaten an die Börse gegangen und gelten damit als Wegbereiter für Facebook.



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