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Report: «Alle schlagen auf uns ein»

Artikel vom 07.02.2012 - 13.53 Uhr

Report: «Alle schlagen auf uns ein»

Athen (dpa) - Die Geduld der internationalen Geldgeber ist am Ende. Sie verlangen von den Griechen endlich größere Sparanstrengungen. Doch viele wissen keinen Ausweg mehr.
Griechenland in der Krise
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Ein Demonstrant mit einer griechischen Flagge am Rande einer Demonstration in Athen. Foto: Pantelis Saitas/Archiv
© dpa
Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit machen sich breit. «Die schlagen alle auf uns ein. Das ist leicht, wenn der andere am Boden liegt», sagt Andreas Siontis, ein Psychiater aus der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki.

Während in den Regierungspalästen und den Büros der politischen Entscheidungsträger über Lohnreduzierungen und Entlassungen Hunderttausender gerichtet wird, spielen sich auf den Straßen der Armenviertel Athens Szenen ab, die an die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Verarmte Rentner sammeln nach Schluss der Wochenmärkte weggeworfenes Restgemüse und Obst. 250 000 Menschen sind auf die Mahlzeitenhilfe der Kirche und Hilfsorganisationen angewiesen. Hunderte besuchen humanitäre Ärzteorganisationen, um untersucht zu werden und um Medikamente zu bekommen, weil sie lange Zeit arbeitslos und nicht mehr versichert sind.

Inzwischen soll es mehr als 20 000 Obdachlose geben. Noch vor wenigen Jahren war diese Form der Armut in Griechenland praktisch unbekannt. Ein Drittel davon sollen Medienschätzungen zufolge wegen der Krise das Dach über dem Kopf verloren haben.

Fast jeder zweite junge Mensch ist arbeitslos. Großeltern, Eltern und Kinder ziehen zusammen, damit sie finanziell über die Runden kommen. Mindestens 20 Prozent weniger Lohn verlangt die Troika aus Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB), und zwar für den gesamten privaten Sektor, denn sie sehen das Lohnniveau im Vergleich zu anderen Ländern als zu hoch an.

Fast jeder zweite Wohnblock in den Arbeitervierteln Athens und Piräus, wie Patissia, Kypseli, Agios Panteleimon, Keratsini, Drapetsona und Sepolia hat dieses Jahr kein Heizöl gekauft, weil es zu teuer ist. Die Menschen versuchen, sich mit Heizlüftern zu wärmen, die sie aber nur wenige Stunden laufen lassenn. Aus der Not heraus verbrennen jene, die einen Kamin oder Öfen haben, Holz um sich zu wärmen. Das macht die Luft in der Hauptstadt inzwischen noch stickiger. Ärzte warnen vor Gesundheitsgefahren für die Einwohner der 4,5-Millionen-Metropole.

Von einigen Politikern und «Alleswissern» wird bereits der Untergang Griechenlands prophezeit. Das «was wir bislang an Verarmung gesehen haben, noch nicht das Ende» sei, sagen viele Griechen. Der Chef des Arbeitsinstituts der griechischen Gewerkschaft GSEE, Savvas Robolis, klagt, die Geldgeber wollten das Einkommen der Griechen auf Werte vor 20, wenn nicht 40 Jahren runterdrücken.



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Artikel vom 07.02.2012 - 13.53 Uhr
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Leserkommentare
(08.02.2012 12:53)
Zierenberg
Im Schwarzen Loch!
Zuerst muss dieses verkleinert werden, z.B. durch Abschaffung von ungerechten Privilegien und grenzenlosem Schuldenmachen. Danach erst verliert die Frage nach den verbliebenen Milliarden zunehmend an Bedeutung.
(08.02.2012 08:05)
bla
Wo sind die Milliarden?
Ich kann die unzufriedenen Menschen in Griechenland verstehen.
Da werden alle drei Monate mehrere Milliarden Euro überwiesen und die Bevölkerung hungert trotzdem.
Hauptsache der Premierminister hat eine schöne Krawatte um!
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