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Wertvolles Gas entsteht aus Feldfrüchten und Mist

Artikel vom 29.07.2010 - 17.57 Uhr

Wertvolles Gas entsteht aus Feldfrüchten und Mist

Vogelsbergkreis (rs). »Erneuerbare Energien sind das Thema schlechthin, und wir müssen es in Oberhessen transparenter machen, dass man da was unternehmen kann.« Zuversichtlich zeigte sich am Donnerstag Dipl. Ing. Frank J. Rispoli bei einer ganztägigen Veranstaltung zum Thema erneuerbare Energien und Biogaserzeugung.
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Das Bild zeigt die Dimension der Biogasanlage in Willingshausen. Man sieht Fermentierer und Gärproduktlager sowie die Einrichtungen, um die Anlage zu beschicken.
© rs
Der Schottener Umweltgutachter hatte dazu einleitende Vorträge in Antrifttal-Bernsburg organisiert, in Laufe des Tages wurden noch die Biogasanlage in Willingshausen (mit 1,7 Megawatt Leistung schon auf dem Weg zur industriellen Nutzung) sowie in Kirtorf-Wahlen (400 Kilowatt) besichtigt. Rispoli hatte die Veranstaltung zwar für alle Interessenten offen angeboten, aber das Angebot des Mitgliedes in der CDU-nahen Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) war nur von einem kleinen Kreis meist konservativer Funktionsträger wahrgenommen worden, darunter von CDU-Kreisvorsitzendem Ulrich Künz (Bürgermeister Kirtorf). Als Fachmann rund um die Landwirtschaft war noch Karl-Peter Mütze gekommen, der Leiter des Amtes für den ländlichen Raum beim Vogelsbergkreis.

In Hessen herrscht allgemeiner Nachholbedarf, was Biogasanlagen anlangt. Nach Angaben von Rispoli werden beispielsweise in Bayern 1691 Anlagen betrieben, in Hessen sind es gerade mal 96. Davon stehen wiederum nur drei Anlagen im Vogelsbergkreis. Rispoli wies auf die anderen herkömmlichen Energielieferanten hin und machte die damit einhergehenden Schwierigkeiten deutlich. So besteht beim Öl eine Abhängigkeit von den Lieferländern, und die Umweltproblematik wird bei dem Unfall mit einer Erdölplattform vor den USA aktuell deutlich, bei Gas nannte Rispoli ebenfalls die Abhängigkeit von Lieferländern als Hürde. Dem gegenüber seien die erneuerbaren Energien ein Wachstumsmarkt, der geeignet sei, die bislang aus der Atomkraft gewonnene Energie zu ersetzen. Den Primärverbrauch bundesweit decke die Atomkraft zu rund 11,5 Prozent, die erneuerbaren Energien noch zu 7,3 Prozent, ihr Anteil sei aber rasant im Steigen begriffen. Dies werde auch von der Bundesregierung unterstützt, denn Ziel sei ein Senken der Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990. Davon seien heute bereits 21,3 Prozent erreicht. Zudem solle nach Vorgaben aus Berlin der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch von heute 7,3 auf 50 Prozent im Jahr 2050 steigen. Allgemein werde zudem eine Erhöhung der Energieeffizienz um jährlich drei Prozent angestrebt, was gegenüber 1990 eine Verdopplung bis 2020 bedeute. In diese Rubrik fielen Maßnahmen wie Wärmedämmung und das Optimieren von Fahrzeugen sowie in der Industrie. Ziel des Bundesumweltministeriums sei, den Strom im Jahr 2020 bereits zu 38 Prozent aus erneuerbarer Energie zu beziehen und zu 100 Prozent im Jahr 2050.

Dass mit dem Erzeugen von erneuerbarer Energie auch ein gewisser Flächenverbrauch einhergeht und es zum Konflikt zwischen dem Nutzen von Pflanzen als Nahrung oder als Energieträger kommen kann, machte Karl-Peter Mütze deutlich. So seien im Vogelsberg viele Landwirte gegen diese Art der Nutzung. Allerdings sei auch festzustellen, dass die rund 52 Prozent Grünlandanteil an der gesamten Kreisfläche immer weniger genutzt würden, insbesondere der Bestand an Wiederkäuern gehe drastisch zurück. »Wir haben Gras ohne Ende«, konstatierte Mütze. Der Fachmann schätzte, rund ein Drittel der Grünlandfläche stünde für den Anbau erneuerbarer Energie zur Verfügung, mithin rund 10 000 Hektar. Als Schwachstelle machte Mütze die Finanzierung von solchen Großprojekten aus, die leicht mehrere Millionen Euro kosten können. Denn viele Banken seien skeptisch, ob sich solch ein Unterfangen tragen kann. So sei beispielsweise ein Projekt im Schlitzerland wegen Finanzierungsproblemen aufgegeben worden. Rispoli entgegnete, wenn das Nutzungskonzept stimme, machten auch die Banken mit, zudem gebe es Geldhäuser, die sich auf dieses Geschäftsfeld spezialisiert hätten.

Skepsis ließ CDU-Kreisvorsitzender Künz durchblicken, denn in Hessen sei der weitere Ausbau von Windenergieanlagen mit Grund in einer kontroversen Diskussion, es sei fraglich, ob die Alternative Biogas diese Lücke schließen könne, um das insgesamt hochgesteckte energiepolitische Ziel zu erreichen. Dass schon mittlere Kommunen einen Beitrag leisten könnten, machte Rispoli deutlich, denn Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis) decke beispielsweise einen großen Teil seines Energiebedarfes über erneuerbare Energien, derartiges sei für die Kreiskommunen Alsfeld, Lauterbach und Schotten ebenfalls denkbar. Dieses kleinräumige Agieren mache Sinn, denn wenn die Rohstoffe weiter als zehn Kilometer transportiert werden müssten, würde sich das Ganze nicht mehr rechnen.

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Artikel vom 29.07.2010 - 17.57 Uhr
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