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Mehrere Anbieter für Windpark bleiben im Rennen

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Artikel vom 22.06.2012 - 18.38 Uhr

Mehrere Anbieter für Windpark bleiben im Rennen

Feldatal (jol). Die Gemeindevertretung bleibt einig: Mit mehreren Anbietern will man Verträge für den geplanten Windpark Köddingen-Stumpertenrod verhandeln. Dabei geht es um Einnahmen von über 400000 Euro pro Jahr

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Nahe Zeilbach wuchsen in den vergangenen Wochen Windanlagen in die Höhe, zwischen Köddingen und Stumpertenrod sollen weitere entstehen. (Archiv)
Feldatal (jol). Überraschende Einigkeit zeichnet sich im Feldataler Gemeindeparlament ab und das trotz hohen Streitpotentials, weil es um viel Geld, nämlich 400 000 Euro Einnahmen pro Jahr, geht. Die Gemeindevertretung beschloss am Donnerstag einstimmig das Vorgehen für den Windpark Eckmannshain. Vier Projektentwickler werden aufgefordert, einen städtebaulichen Vertrag aufzusetzen. Dann werden die vier (oder mehr) Angebote nebeneinander gelegt und der beste gewinnt. Ziel ist dabei, möglichst viel für die Gemeinde aus der Energie zu ziehen, »die jeden Tag über uns hinweg fegt«, wie es Hubert Klaus (SPD) ausdrückte. Eventuell wird eine außerplanmäßige Sitzung des Parlaments nötig, um zügig zu entscheiden, vor der Sitzung der Regionalversammlung im November.

Spannendster Punkt der Gemeindevertreter-Sitzung am Donnerstag im Gemeinschaftshaus Windhausen unter Leitung von Michael Schneider war zweifelsohne der zum Windpark. Zur Erinnerung: Die Gemeinde soll stärker von der Energiewende profitieren und höhere Einnahmen aus dem millionenteuren Windkraftanlagen im Gemeindebereich erzielen. Deshalb machen sich Bürgermeister Dietmar Schlosser und die Parlamentarier dafür stark, bis Herbst einen Windpark im Bereich zwischen Köddingen und Stumpertenrod zu ermöglichen. Hauptpunkt: Die neuen Anlagen mit Nabenhöhe um 130 Meter sollen auf Gemeindeland stehen, um die erklecklichen Pachteinnahmen zu kassieren. Pro Anlage sind da bis zu 50 000 Euro im Gespräch, bei acht Anlagen sind das 400000 Euro pro Jahr – Geld, das die arme Gemeinde gut gebrauchen kann, um das laufende Defizit auszugleichen. Zum Vergleich: Der Überziehungskredit (Kassenkredit) der Kommune ist zu 1,3 Millionen Euro ausgereizt.

Klar ist, je genauer der Vertrag mit dem Betreiber eines Windparks gestaltet ist, desto höher können die Einnahmen der Gemeinde ausfallen. So erinnerte Monika Becker (FWG) an die Debatte im Hauptausschuss, in der die CDU für das höchste Angebot eingetreten ist. Die Firma Inea will 22 Windkraftanlagen errichten und bietet fast 40000 Euro Pachtzins pro Gerät. Zudem, soll über einen Energieanbieter verbilligter Strom angeboten werde, das soll die Bürger über 20 Jahre um 10 Millionen entlasten. Die Energiegenossenschaft Vogelsberg EGV will nur acht Anlagen errichten, die dafür leistungsstärker sind. Dafür bleibt der Ertrag zum höheren Teil in der Region. Und Anbieter Luftstrom, hat auf Monika Becker ebenfalls einen »guten Eindruck gemacht«. Elisabeth Schott (FWG) sprach sich für das Angebot der EGV aus, weil da mit der HessenEnergie ein erfahrener Projektierer mitmische. Die Firma Inea habe noch keine Windparks in Deutschland und es sei nicht klar, ob es sich nur um ein »Lockangebot« handele und nachher deutlich weniger Anlagen errichtet werden. Die 3-MW-Anlagen der Genossenschaft sollen 50000 Euro Pachteinnahme pro Jahr bringen, das wären bei acht Stück stattliche 400 000 Euro allein durch Pacht.

Ralf Bunn (CDU) meinte, man könne über den Vertrag die Zahl der Anlagen regeln. Zudem sei die Einsparung von 10 Mio. Euro für die Bürger zu berücksichtigen. Das wies Monika Becker zurück, ihr sei nicht klar, weshalb ein Unternehmen »einfach so 10 Millionen verschenkt«. Die Strompreis-Ermäßigung werde zudem nur für zwei Ortsteile währt und es sei nicht günstig, sich 20 Jahre an einen Lieferanten zu binden.

Hubert Klaus (SPD) warb ebenso wie Karl-Friedrich Dörr (CDU) für das vom Bürgermeister vorgeschlagene Verfahren, mit den Bewerbern Verträge zu erarbeiten und sich dann im Vergleich der Angebote zu entscheiden. Klaus meinte, man verliere dadurch keine Zeit, weil die Verträge auf jeden Fall erstellt werden müssen. »Wir sind Gottseidank auf dem Weg, die Energie zu nutzen, die jeden Tag über uns hinweg fegt«. Arnold Hacke (SPD) ergänzte, dass die Gemeinde den größten Ertrag aus den Anlagen zieht, wenn sie diese selbst in Auftrag gibt und errichtet. Das geht aber aus Geldmangel nicht. Der zweitbeste Weg ist über die regionale Energiegenossenschaft, die ein Büro mit der Projektierung beauftragt. Variante 3 ist der Weg über einen Projektierer, der aber rund 350000 Euro für die Planungsarbeiten kassiert.



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Artikel vom 22.06.2012 - 18.38 Uhr
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Leserkommentare
(27.06.2012 13:53)
freno
Ruinen der Zukunft
Zusätzlich zur Verschandelung des Landschaftsbildes kommt noch, dass die Windenergie selbst einen völlig unzureichenden Beitrag zu einer stetigen Energieversorgung leistet. Das wäre nur der Fall, wenn gleichzeitig eine dazu passende Stromspeicherungs-Technologie (gerechtigkeitshalber auch vor Ort in Feldatal) und der erforderliche bundesweite Netzausbau realisiert würde. Da beides aber noch Lichtjahre entfernt ist, wird auch diese Goldgräberstimmung, so wie die vielen bekannten Einzelfälle aus der Vergangenheit, eines Tages in sich zusammenbrechen. Zurück bleiben Ruinen und der Rubel rollt nicht mehr weiter.
(26.06.2012 23:32)
Torsten Frank
Goldgräberstimmung
Angesicht der Aussicht durch die Windenergie Geld für die Gemeinde einzunehmen, herrscht Goldgräberstimmung in Feldatal. Es wird leider vergessen, dass auch Windkraftanlagen ihren Preis haben. Sollten die Anlagen so realisiert werden, wie geplant, ist dieses Gebiet das wohl am dichtesten mit Windanlagen bebaute Gebiet des gesamten Vogelberges. Leidtragend sind alle, die bisher auf das Standbein Tourismus gesetzt haben und die Besitzer von Wochenendgrundstücken in der Gegend. Wer möchte schon gerne sein Wochenende zwischen Industrieanlagen verbringen. Nicht der Anbieter ist der Beste, der am meisten zahlt, sondern der auch in seinem Konzept den schonenden Umgang mit der Resource Landschaft berücksichtigt. Dieser Gedanke geht leider völlig unter. Bürgerbeteiliung und Transparenz scheinen Fremdwörter zu sein.
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