Vogelsbergkreis (ks). Mit der Umstellung auf das neue personenbezogene Müllgebührensystem melden viele Vogelsberger ihren Erst- oder Zweitwohnsitz ab. Das ergab eine stichprobenartige Rundfrage in Gemeinde- und Stadtverwaltungen.
Die neuen Mülltonnen kommen, die Einwohner gehen. . . (Foto: ks)
Dadurch gehen den Kommunen Einnahmen verloren, denn die von Land und Bund verteilten Schlüsselzuweisungen bemessen sich auch an der Einwohnerzahl. Alarm schlug dieser Tage der Alsfelder Bürgermeister Ralf A. Becker, denn in der Fachwerkstadt seien allein in jüngster Zeit 34 Hauptwohnsitze abgemeldet worden. Das sei sehr ärgerlich vor dem Hintergrund, »dass die Stadt jeden Euro braucht.« Unabhängig davon sei er »stinksauer, was derzeit passiert und was die Verwaltung erleiden muss,« meinte er im Hinblick auf die Systemumstellung beim Müll.
Becker sieht derzeit bei den Abmeldungen »alle Dämme brechen«. So wurden allein 162 Nebenwohnsitze abgemeldet. Viel wichtiger sind aber die Hauptwohnsitze, denn daran hängen auch die Umlagen, welche die Stadt erhebt und vor allem die finanziellen Zuweisungen, die sie erhält. Und das vor dem Hintergrund, dass Alsfeld ohnehin Jahr für Jahr an die 150 Einwohner verliert - durch Sterbefälle und Wegzug.
Bei der prekären Lage der städtischen Finanzen sei man aber auf jeden Euro angewiesen, so Becker, der sagte, jeden Tag träfen derzeit neue Abmeldungen von Einwohnern in der Verwaltung ein. Unter dem Strich verliert die Stadt im laufenden Jahr rund 650 000 Euro an Schlüsselzuweisungen, hat Becker ausgerechnet. Die gesamten Zuweisungen liegen in Alsfeld in diesem Jahr bei rund 2,8 Millionen Euro.
Becker macht aus seiner Wut über die seiner Meinung nach mit »heißer Nadel gestrickte« Umstellung des Müllsystems keinen Hehl: »Langsam halte ich es mit dem ZAV im Kopf nicht mehr aus.« So häuften sich bei der Verwaltung auch die Klagen über die großen Tonnen, für welche die Leute gerade in der Altstadt keinen Stellplatz haben »und die die älteren Leute gar nicht bewegen können, wenn sie voll sind.«
Becker geht davon aus, dass die von den »Müllrebellen« angestrengte Normenkontrollklage Erfolg hat und die Satzung des Verbands als rechtswidrig erklärt wird.
In anderen Gemeinden und Städten wurden ebenfalls Einwohnerrückgänge in Zusammenhang mit dem neuen Müllsystem registriert. In Gemünden werden pro Jahr zwar zwischen 20 und 30 Abgänge von Einwohnern registriert, jetzt sei es aber aber das Doppelte bis Dreifache bei Haupt- und Nebenwohnsitzen. Erst neulich kam die Einwohnerstatistik zur Sprache, danach hatte die Gemeinde Ende des vergangenen Jahres 2967 Einwohner im Vergleich zu 3033 Mitte des Jahres 2009. Im Jahr 2004 waren es noch 3260 Einwohner. Die Zahl der Zweitwohnsitze sei von 246 auf 240 zurückgegangen.
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