(jms) Richard Ratka und Michael Roth sind sich einig. Die Trainer der beiden Handball-Bundesligisten GWD Minden und HSG Wetzlar sehen ihre Teams, die am Sonntagnachmittag um 17 Uhr in der Kampa-Halle in Minden aufeinandertreffen, sportlich auf Augenhöhe. »Wetzlar gehört sicher zu den Mannschaften, die wir schlagen können. Die HSG ist unsere Kragenweite«, sagt Mindens Trainer Ratka selbstbewusst, doch auch Wetzlars Übungsleiter Roth gibt sich vor dem Duell in Ostwestfalen ebenfalls kämpferisch und selbstsicher.
Michael Allendorf und die HSG Wetzlar wollen am Sonntag in Minden selbstbewusst auftreten und Punkte mitbringen. (Vogler)
»Wir fahren da hin, weil wir etwas holen wollen. Das machen wir zwar immer, doch in Minden sind die Chancen größer als bei den Topteams«, sagt Roth. In der Zweiklassengesellschaft Bundesliga ist das Spiel zwischen den »grauen Mäusen« aus Minden und Wetzlar auch ein Duell um die Spitzenposition der »armen Klubs«. So spricht der Sportliche Leiter der HSG, Rainer Dotzauer, von dem Wunsch, auf dem zwölften Tabellenplatz zu landen. Für Dotzauer ist dieser Platz die Topposition der finanziell schwächeren Klubs. Roth spricht sogar »von einer kleinen Deutschen Meisterschaft«, die die HSG mit dieser Endplatzierung erreichen würde. Klar, dass solche Spiele wie am Sonntag besonders wichtig für die HSG sind und den Charakter eines »Vier-Punkte-Spiels« haben. »Uns erwartet ein Gegner, der sehr hart spielt. Davon dürfen wir uns nicht aus dem Konzept bringen lassen«, sagt Roth, der bis auf Avishay Smoler und Sebastian Weber alle Spieler zur Verfügung hat. Auch Alois Mraz (Magen-und-Darm-Probleme) und der zuletzt angeschlagene Peter Jungwirth stehen wieder zur Verfügung. Hinter Daniel Valo, der sich im Training eine leichte Knieprellung zugezogen hat, steht aber noch ein kleines Fragezeichen.
Für den neuen Wetzlarer Coach ist es zunächst wichtig, dass seine Mannschaft aus den Fehlern lernt, die sie im letzten Spiel gegen den VfL Gummersbach bei der enttäuschenden 24:32-Niederlage gemacht hat: »Es war ja nicht alles schlecht in diesem Spiel. Im Gegenteil, denn unsere Abwehr stand im ersten Abschnitt sehr gut. Da haben wir gezeigt, dass wir auch gegen bessere Teams mithalten können. Doch die Erkenntnis war, dass wir uns selbst aus der Bahn geworfen haben und nicht der Gegner. Das ist ärgerlich.«
Nur zu gerne würde Ratka und sein Team die Mittelhessen erneut vom rechten Weg abbringen. Der Trainer, der keinerlei personelle Engpässe zu beklagen hat, hat Respekt vor der HSG: »Wetzlar spielt ein klares Konzept und hat uns gegenüber klare Vorteile. Denn die Mannschaft ist sehr gut eingespielt. Das fehlt uns noch ein bisschen. Aber wir haben auch eine gute Mannschaft, und wir wollen am Sonntag unsere Leistung bringen, um dieses so wichtige Spiel für uns zu entscheiden. Es wird nicht leicht.«
Zum Saisonstart musste Minden eine 21:26-Niederlage gegen die Berliner Füchse einstecken. In der letzten Woche gelang beim 24:24 in Düsseldorf immerhin ein Auswärtspunkt. In diesen Spielen agierte Minden vor allem in der Defensive sehr konzentriert und engagiert. Vor allem im Tor kann Ratka auf zwei Topleute bauen. Das bärenstarke Torhütergespann Svenn Erik Medhus und Nikolaos Katsigiannis ist ein starker Rückhalt. Der ehemalige Wetzlarer Linksaußen Aljoscha Schmidt dürfte dem HSG-Team noch in guter Erinnerung sein. Für die HSG-Defensive, die sich im ersten Abschnitt gegen Gummersbach aggressiv und kämpferisch präsentierte, dürfte der polnische Spielmacher Damian Wleklak eine große Herausforderung sein. Der schwedische Kreisläufer Anders Hendriksson muss ebenfalls in den Griff bekommen werden. »Die erste Sieben der Mindener ist stark. Es wird eine schwere Aufgabe. Wir müssen mit Selbstvertrauen dort auftreten und unsere Leistung vor allem im Angriff abrufen«, fordert Roth. Wetzlars Sven-Sören Christophersen hat frische Eindrücke vom kommenden Gegner zu bieten. Mit der DHB-Auswahl siegte Christophersen in einem Testspiel gegen Minden unter der Woche mit 33:30. Mit diesem Ergebnis zugunsten der HSG würde sich der 24-jährige Blondschopf sicher auch am Sonntagabend zufrieden geben.