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LTi 46ers lassen gegen Ulm große Chance liegen

Artikel vom 06.02.2012 - 12.00 Uhr

LTi 46ers lassen gegen Ulm große Chance liegen

Björn Harmsen war bedient. Restlos. Als einige sehr optimistische Fans der LTi Gießen 46ers in der letzten Minute angesichts eines Sieben-Punkte-Rückstands gegen Ratiopharm Ulm noch an ein Wunder glaubten, saß der Trainer mit überschlagenen Beinen regungslos auf seinem Stuhl, hatte die Arme verschränkt und starrte auf das Spielfeld.

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BIS ZUM SAISONENDE verlängert wird wohl der Vertrag von Gießens Flügelspieler Taj McCullough, dessen Probezeit am heutigen Montag ausläuft. Hier wird er von Ulms Michael Esterkamp bedrängt. (Foto: ras)
Auch eine Viertelstunde nach der letztlichen 70:76 (34:34)-Niederlage seiner Mannschaft gegen den Tabellenzweiten war Harmsens Ärger nicht ansatzweise verraucht.In sehr deutlicher Form kritisierte er sein Team: »Wir hätten mit mehr Einsatz, mit mehr Aggressivität und mehr Kampf dieses Spiel gewinnen können.« Dieser Vorwurf saß. Während viele Zuschauer den Heimweg nicht unzufrieden antraten, weil die Gießener über weite Strecken mit den Ulmern mitgehalten und am Ende nur recht knapp verloren hatten, stellte der Coach mit ruhiger Stimme fest: »Wir sind meiner Meinung nach sehr, sehr intensitätslos und sehr unfokussiert in die Partie gegangen. Wir haben zwei Punkte liegen lassen.«

Zwei Punkte, die die LTi 46ers im Kampf um den Klassenerhalt in der Basketball-Bundesliga hätten sehr gut gebrauchen können, denn durch die Siege der Konkurrenten EnBW Ludwigsburg und Walter Tigers Tübingen hat sich die Lage im Tabellenkeller verschärft – der Abstand der Gießener auf einen Abstiegsplatz beträgt zwei Punkte. Es hätten vier sein können, wenn die Mittelhessen an die zuletzt guten Leistungen angeknüpft hätten. Haben sie aber nicht. »Wir waren defensiv nicht so aggressiv wie in den letzten beiden Partien und haben offensiv bei Weitem nicht so gut zusammengespielt«, fasste der Coach die Unterschiede im Vergleich zu den vorangegangenen Siegen gegen Tübingen und in Frankfurt zusammen. Entschieden wurde die Begegnung vor 3248 Zuschauern im dritten Viertel, das nach dem 34:34 zur Halbzeit mit 23:13 an die Ulmer ging.

 

Schwächen im Aufbau

 

»Wir hätten sie kriegen können«, ärgerte sich Harmsen und hatte zweifellos recht. Denn was der Tabellenzweite in der Osthalle zeigte, ging keineswegs als Spitzenleistung durch. Zudem musste Ulms Trainer Thorsten Leibenath kurzfristig auf Powerforward
Dane Watts verzichten (Bänderdehnung), sodass die LTi 46ers auf dieser Position deutliche Längenvorteile besaßen. Dass die Gäste dennoch den siebten Sieg in Serie einfuhren, lag an der individuellen Klasse ihrer Spieler und daran, dass die Gießener sich viel zu viele Fehler leisteten und über weite Strecken zu kopflos agierten. Was zu einem guten Teil an der Schwäche im Spielaufbau lag. Radenko Pilcevic schaffte es nicht, Struktur in den Angriff zu bringen, hielt den Ball zu lange und fiel bis weit ins dritte Viertel hinein als Scoring-Option völlig aus. Und weil Achmadschah Zazai nach seinem Bänderriss noch nicht zur Verfügung stand, musste
Wayne Bernard als Aushilfs-Pointguard ran – mit dürftigem Erfolg. Gut möglich, dass die Gießener bis zum Ende der Wechselfrist am 29. Februar noch einen Aufbauspieler unter Vertrag nehmen.

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Rekordverdächtige neun Ballverluste – darunter auch einige, die für kollektives Stöhnen sorgten – erlaubten sich die LTi 46ers allein im ersten Viertel. Drei gingen auf das Konto von Maurice-Jeffers-Ersatz Taj McCullough, dessen Kurzzeitvertrag heute ausläuft – und trotz einer Vorstellung mit Licht und Schatten wohl verlängert wird. So schwang sich Center Elvir Ovcina mit einer phänomenalen ersten Halbzeit auf, die Gießener im Spiel zu halten. Der Routinier lieferte sich mit John Bryant einen spektakulären Kampf unter dem Brett. Im ersten Viertel, das 13:16 endete, erzielte Ovcina bereits zehn Punkte, holte dazu sieben Rebounds. Im zweiten Abschnitt rückte Bryant in den Fokus, der nun zehn Zähler markierte und zur Pause beim 34:34-Zwischenstand im Privatduell mit 15:17 Punkten (Rebounds: 3:9) gegen Ovcina zurücklag, am Ende kamen beide auf 19 Zähler. Für die Angriffs-Gala der beiden Center hatte Harmsen allerdings nur wenig Verständnis: »Wie kann ein Spieler 15 oder 17 Punkte in einer Halbzeit machen? Das ist für mich unerklärlich. Er ist dann nicht ordentlich verteidigt worden. Wir haben nicht Bryants Schwäche forciert, wie haben ihm schön seine Stärke gelassen«, schimpfte der Trainer.

Er musste mit ansehen, wie die Ulmer mit deutlich mehr Elan aus der Kabine kamen und im dritten Viertel die Begegnung praktisch entschieden. Nach dem 44:46 (28.) ließen die Guards Tommy Mason-Griffin und Isaiah Swann ihre Klasse kurzzeitig aufblitzen und führten die Gäste zu einer 57:47-Führung bis zum Viertelende.

 

Wecker klingelt früher

 

Die Gießener hatten nichts entgegenzusetzen. Mit überhasteten und/oder wilden Einzelaktionen sowie weiteren haarsträubenden Ballverlusten stellten sie die Defensive der Schwaben vor keine allzu schwierigen Aufgaben. Das änderte sich auch nicht so schnell. Im Gegenteil. Nach einem weiteren 0:5-Lauf sah sich Harmsen schon nach 66 Sekunden im Schlussabschnitt zu einer Auszeit genötigt. Allein, eine Wirkung blieb aus. Nach 34 Minuten war das Spiel angesichts eines 50:67-Rückstands gelaufen. Was man den LTi 46ers zugutehalten muss: Sie gaben nicht auf. Angeführt von Barry Stewart, der am Samstag seinen 24. Geburtstag beging, und mit vier ihrer sieben Dreier gestalteten die Gießener das Ergebnis noch freundlicher, eine realistische Chance auf den Sieg hatten sie nicht mehr. Was bleibt, ist eine vergebene Möglichkeit, ein enttäuschter Trainer und Basketballer, die ihren Wecker neu stellen mussten. »Wir werden am Montag sehr früh anfangen zu trainieren und an der Situation arbeiten, weil das so nicht akzeptabel ist«, kündigte Harmsen am Samstag an. Die Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag (20 Uhr) gegen Bremerhaven verspricht für die LTi-46ers-Profis also nicht gerade spaßig zu werden. Markus Konle

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Artikel vom 06.02.2012 - 12.00 Uhr
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