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Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau

Artikel vom 13.06.2011 - 20.12 Uhr

Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau

»Die Osthalle hat gebrannt. Und das ohne Ende!«, kam der 1. Vorsitzende des Turngaus Mittelhessen, Dr. Dennys Sawellion, am Freitagabend aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. »Ich habe das National Danish Performance Team schon öfter gesehen, und die Show ist immer toll, aber das in Gießen war mit das Beste, was ich je gesehen habe«, strahlte der Organisator und Moderator der Show. Diese war mit Darbietungen auf Weltklasse-Niveau so atemberaubend ausgefallen, dass die 2500 bis 3000 Osthallen-Zuschauer minutenlange Standing Ovations ablieferten.

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AUSDRUCKSSTARK: Die Tanzteile waren einige der wenigen gemeinsamen Auftritte von Frauen und Männern.
Und das nicht etwa, weil die Dänen den Applaus forciert hätten. Nein, sie standen nach ihrer Show einfach nur in der Halle und waren vom Gießener Jubel überwältigt.

Sawellion musste schließlich mit Dankesworten einschreiten. Wer weiß, wie lange der Applaus ansonsten noch weitergetost hätte.

»Das war ein wirklich gutes Publikum«, staunte die 23-jährige Maria, eine der dänischen Künstlerinnen. Und dies war nicht die von Artisten gewohnte Floskel, sondern sie meinte es auch so. »Man merkt, dass die Leute hier mehr Ahnung von europäischer Gymnastik haben als beispielsweise in den USA«, schob die Dänin noch ein Lob an das fachkundige Publikum nach. Maria ist eine von 27 Künstlern (13 Männer, 14 Frauen), die mit dem National Danish Performance Team (NDPT) in Gießen eine 90-minütige und höchst elaborierte Mischung aus Turnen, Tanz, Akrobatik, Gymnastik und Entertainment bot. Viele Monate intensivstes Proben mit bis zu zehn Stunden Training täglich haben die jungen Sportler hinter sich, bevor sie auf die zehnmonatige Welttournee gehen. Danach kehren die Artisten wieder in ihr normales Leben zurück, meistens ins Studium. Denn alle zwei Jahre wird das Team, das übrigens kein Gehalt bezieht, sondern sich durch Leidenschaft, sportlichen Ehrgeiz und Weltoffenheit motiviert, neu formiert, damit keiner der Sportler seinen Bildungsweg vernachlässigt.

Schon bevor die Skandinavier nun ihr Können in Gießen zeigten, hatte die Preshow nach Eröffnungsworten von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz für gute Stimmung in der Halle gesorgt. Denn zunächst zeigten 300 Schüler aus der Gießener Ost-, Liebig,- Herder- und Ricarda-Huch-Schule, was ihnen die Dänen am Vortag in einem Workshop an der Schule beigebracht hatten. So bestand der erste Teil des Auftritts aus turnerischen Aktionen wie Überschlägen, Rädern und Rollen auf der Turnbahn, bevor es im zweiten Teil tänzerisch wurde. Im Anschluss zeigte das in die 3. Liga aufgestiegene Turnteam Linden/Mittelhessen eine Trampolin-Show, die mit akrobatischen Elementen wie doppelten Salti, Flugrollen und Salti über fünf Mannschaftsgefährten beeindruckte. Hier wirkte unter anderem der frisch gekürte Deutsche Meister Hannes Drescher vom TSV Krofdorf-Gleiberg mit. Danach waren die Rhönrad-Turnerinnen aus Groß-Eichen dran, deren Trainer Dirk Wünsch auch einer der Hauptverantwortlichen für Organisation und Aufbau der gesamten Show war. An sechs Rädern zeigten sie im Wechsel zwischen soulhaltiger Musik und schwungvollen Beats eine ausgefeilte Choreografie. Bereits diese drei Punkte des Vorprogramms strahlten einen Ehrgeiz und eine Leidenschaft aus, wie sie die Osthalle in der abgelaufenen Basketball-Saison nur allzu oft benötigt hätte.

Doch das NDPT konnte dies nun toppen: In einer unglaublich variablen Show deckten die Dänen die Sportarten Turnen, Tanz und Gymnastik ab und sorgten durch im Drei-Minuten-Takt wechselnde Kostüme, abwechslungsreiche Musik und humorvolle Gimmicks für große Unterhaltung. Beispielsweise boten die dänischen Damen eine Gymnastik-Reifenkür zum für diese Sportart äußerst untypischen aggressiven Sound von Rage Against the Machines »Killing in the Name« und ließen die Reifen dabei in großem Einklang mit den verzerrten Gitarren verschmelzen, wie es ihnen in den anderen Show-Punkten mit Bällen und Bändern zu ruhigeren Klängen ebenso gelang. Sinnlichkeit, Rhythmus-Gefühl und Durchtrainiertheit bewiesen die von Stinna Shaktiva trainierten jungen Frauen auch beim Tanz. Auch die von Rasmus Fristed Jensen trainierten Männer demonstrierten mit den Keulen ihre Gymnastik-Fähigkeiten und tanzten mal kräftig-dynamisch und mal »beswingt«, doch die Höhepunkte boten sie - neben der augenzwinkernden »Geschichte« um die Schlafversuche eines Jungen im Strampler auf einem Aluminium-Gerüst und zwei Kampfsporteinlagen - vor allem als Turner: Mit Schrauben, Flic-Flacs, zweifach gestreckten und dreifachen Salti vom Trampolin und doppelten Salti aus dem Stand, die sich bei jeder WM sehen lassen könnten, demonstrierten sie ein- und ausdrucksvoll, warum sich in den letzten zehn Jahren bereits 1,5 Millionen Menschen ihre Show live ansahen. Der Clou des NDPT waren eben die in der Regel getrennten Auftritte der Männer und Frauen, die aber immer einen fliegenden Übergang boten, in dem sich meist einige der Männer für kurze Zeit den Frauen anschlossen und umgekehrt. Denn dadurch konnten das hohe Tempo und die hohe Qualität stets aufrechterhalten werden. Nur beim Einmarsch mit der dänischen und der deutschen Nationalflagge traten alle 27 Dänen gemeinsam (in den Farben ihrer Flagge) auf, ebenso wie bei den Finals der beiden Showhälften.

Dass das NDPT neben seinen Auftritten in New York, Peking, Zürich oder Prag überhaupt in Gießen auftrat, war Sawellion zu verdanken, der jahrelang darum kämpfte, die Dänen nach Mittelhessen zu holen und für sie auch ein umfangreiches Aufenthaltsprogramm auf die Beine stellte: »Das war eine große Herausforderung. Und dass es so gut funktioniert hat, ist die Bestätigung für die lange Arbeit. Das war einer der tollsten Momente in meiner Karriere beim Turngau«, so Sawellion, der den tosenden Applaus nach der Show mindestens ebenso genoss wie die dänischen Sportler. Jan Sommerlad

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Artikel vom 13.06.2011 - 20.12 Uhr
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