Für HSG Wetzlar geht der Abstiegskampf in der Handball-Bundesliga der Männer am Samstag um 19 Uhr beim TBV Lemgo weiter. Torhüter Nikola Marinovic kehrt mit einer Spezialbrille zurück.
Beim 32:29 in der Hinrunde bot die HSG Wetzlar eine ihrer besten Saisonleistungen. Timo Salzer (links) und Giorgios Chalkidis (rechts, beide Wetzlar) kümmern sich hier um Lemgos Kreisläufer Christoph Theuerkauf (13) und TBV-Rückraumspieler Rolf Hermann (20). (Foto: ov)
Wenn man im Handball mit einem Catenaccio ähnlich Beton anrühren könnte wie der FC Chelsea London am Dienstag in der Fußball-Champions League beim CF Barcelona, würde Trainer Kai Wandschneider mit seiner HSG Wetzlar im Bundesliga-Auswärtsspiel beim TBV Lemgo vielleicht zu dieser Di-Matteo-Taktik greifen. So aber muss der seit sechs Wochen im Amt befindliche HSG-Coach am Samstag ab 19 Uhr in der Lipperlandhalle auf die bekannte 6:0-Defensivbasis bauen und im Angriff darauf hoffen, dass es in den Köpfen seiner Spieler endlich wieder »Klick« macht. Denn trotz verbesserter spieltaktischer Qualität verwandelt sich die Abstiegs- mehr und mehr auch in Existenzangst und führt so zu gefährlichen Lähmungserscheinungen.
Die mutlosen Außen gehen nicht auf das Tor, der Mitte fehlt (momentan) das Durchsetzungsvermögen – und wenn Automatismen nicht mehr abrufbar sind, flattern letztlich die Nerven.
Sechs Spieltage vor Saisonende haben es die Mittelhessen aber immer noch selbst in der Hand, den Schadensfall nicht eintreten zu lassen. Eine Versicherung gegen den Abstieg gibt es ohnehin nicht, weshalb die HSG Wetzlar ihren Beitrag schon schön selbst auf dem Parkett zu leisten hat. Dafür steht im Ostwestfälischen Torhüter Nikola Marinovic wieder zur Verfügung, der nach seiner Augenverletzung am Mittwoch erstmals wieder voll mittrainiert hat und mit einer Spezialbrille spielen soll. Ausfallen werden weiter die Flügelspieler Tobias Hahn (Kreuzbandriss) und Christian Rompf (Schultereckgelenksprengung).
Der TBV Lemgo ist mit 32:26 Punkten als Siebter ein direkter Anwärter auf einen internationalen Platz und in Anbetracht seiner künftigen Neuausrichtung mit dem bisherigen Saison-Abschneiden mehr als zufrieden. Bedenkt man, dass der Ex-Meister nach seinen personellen Verlusten (Galia, Glandorf, Ilyes etc.) zudem monatelang auf Nationalspieler Rolf Herrmann verzichten musste und Trainer Dirk Beuchler immer wieder Leistungsträger wie Sebastian Schneider oder Avishay Smoler zu ersetzen hatte, so sind die zuletzt gezeigten Vorstellungen (30:31 beim HSV, 30:30 in Mannheim) Beleg dafür, dass die Ostwestfalen punktuell sogar wieder mit der Ligaspitze mithalten können.
»Wir schauen von Spiel zu Spiel und warten ab, was am Saisonende dabei herauskommt«, will TBV-Sportchef Volker Zerbe vom internationalen Geschäft nichts hören, »wir haben uns vor der Saison für eine Neuausrichtung entschieden. Wir halten diesen Weg für richtig und werden jetzt nicht auf halber Strecke stopp sagen.« Für das Heimspiel gegen die HSG Wetzlar hat der TBV im Vorverkauf bereits 3500 Karten abgesetzt. Auf der Ausfallliste wird allein Sebastian Schneider stehen, der nach seiner Bandscheiben-OP im Januar noch nicht wieder in den Kader zurückgekehrt ist.
An die Hinrunde in Wetzlar haben die Kehrmann und Co. keine gute Erinnerung, musste man sich in der Rittal-Arena doch mit 29:32 geschlagen geben. Seinerzeit standen die Wetzlar nach zehn sieglosen Punktspiel-Wochen schon einmal mit dem Rücken zur Wand.