Shisha-Bar

Explosion in der Shisha-Bar

In der Nacht zum Donnerstag, 3. August, bot sich in der Licher Straße ein Anblick des Schreckens: Gegen 3.20 Uhr setzte eine Explosion in einer Shisha-Bar das Lokal und ein angrenzendes Wohnhaus in Flammen.
28. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Das Jahr 2017 geht seinem Ende entgegen. Auch in diesem Jahr gab es Triumphe, Tragödien, Unglaubliches und Unvergessliches. Der Streifzug blickt auf die Momente zurück, die das Jahr im Gießener Land prägten. Heute: Als in Gießen eine Shisha-Bar explodierte.

 

Das Blaulicht spiegelte sich in den Abertausenden Glasscherben auf der Straße. Polizeibeamte sperrten die Fahrbahnen ab, Ersthelfer versorgten Verletzte. Ein beißender Brandgeruch lag in der Luft: An der Licher Gabel bot sich am 3. August gegen 3.20 Uhr ein Bild des Schreckens. Kurz zuvor hatte eine Explosion in einer Shisha-Bar die Anwohner aus dem Schlaf gerissen. Sofort standen das Ladenlokal und ein angrenzendes Wohnhaus in Flammen.

Noch am selben Nachmittag brachte eine gemeinsame Stellungnahme von Polizei und Staatsanwaltschaft Klarheit: Die Ermittler präsentierten zwei Verdächtige. Dabei handelte es sich um polizeibekannte junge Männer. Am Tag darauf wurde Haftbefehl erlassen.

 

Täter stellt sich der Polizei

Der Ältere von beiden, ein 23-Jähriger aus Steinbach, stellte sich der Polizei. Ein Zeuge hatte den Beamten zuvor das Fluchtfahrzeug des Beschuldigten beschreiben können. Der unversehrt gebliebene Mann ist mehrfach vorbestraft. Bis heute schweigt er zu den Vorwürfen. Sein 22 Jahre alter mutmaßlicher Komplize erlitt schwere Brandverletzungen. Er ging den Ermittlern deswegen ins Netz, da er aufgrund dieser Verletzungen im Krankenhaus in Lich aufgetaucht war. Der aus Baden-Württemberg stammende Verdächtige wurde von dort in eine Spezialklinik geflogen und in ein künstliches Koma versetzt.
 

 
Fotostrecke: Der Tag nach der Explosion in der Gießener Shisha-Bar


Ende August teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass er wieder aus dem Koma erwacht, und der Zustand des im Gefängniskrankenhaus Kassel untergebrachten Mannes stabil sei.
 

+++ Nach Brand in Shisha-Bar: Anklage wegen versuchten Mordes +++


Die Detonation an besagtem frühen Morgen hatte Scheiben zerbersten lassen und Rollläden und Glassplitter über die Straße geschleudert. Mit unglaublicher Gewalt wurden Türen aus den Angeln gehoben. Zeugen berichteten, dass sie die Druckwelle noch am Ludwigsplatz gespürt hatten. Schnell breiteten sich die Flammen aus. Sie zerstörten das Ladenlokal komplett und machten ein angrenzendes Mehrfamilienhaus unbewohnbar. »Ich bin wie in Trance aus dem Haus gerannt«, schilderte Ronnie Martin. Der Bewohner des Hauses in der Grünberger Straße hatte nur eine kleine Schnittwunde am Fuß davongetragen.


Wohnungen geplündert

Am Tag nach der Tat wurde der 22-jährige Betreiber der Shisha-Bar festgenommen.   Es erging Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Anstiftung zum versuchten Mord sowie zu besonders schwerer Brandstiftung. Die Ermittler vermuten, dass er die beiden Männer zur Tat anstiftete, um Geld von der Gebäudeversicherung zu erlangen. Der Reiskirchener schwieg bis zuletzt zu den Vorwürfen.
 

+++ Lesen Sie auch: Diebe plündern Shisha-Haus +++


Die Spuren der Verwüstung waren gewaltig. Neben der Shisha-Bar und dem angrenzendem Wohnhaus wurden auch etliche in der Umgebung geparkte Fahrzeuge und weitere Gebäude durch umherfliegende Trümmerteile beschädigt. »Man mag sich gar nicht vorstellen, wie das ausgegangen wäre, wenn es am Tag passiert wäre«, sagte eine Passantin. Es könne von Glück im Unglück gesprochen werden, dass zur Tatzeit niemand auf der Straße unterwegs gewesen sei.

Fünf Mieter des mit der Bar verbundenen Wohnhauses erlitten leichtere Verletzungen, meist Schnittwunden und Rauchgasvergiftungen. Alle elf Personen, die sich in der Nacht in dem Gebäude befunden hatten, konnten das im Erdgeschoss bereits brennende Haus noch rechtzeitig verlassen.

 

Diakonische Werk richtet Spendenkonto ein


Etwa vier Wochen nach der Explosion der Shisha-Bar konnten die Bewohner des dazugehörigen Hauses erstmals für einen längeren Zeitraum in ihre Wohnungen zurückkehren. »Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet«, sagte die 28-jährige Bewohnerin Lydia Ak. Doch damit nicht genug: Ihre Wohnung wurde auch geplündert. Dabei hätten die Diebe Schmuck und hochwertige Pflegeprodukte mitgehen lassen. Ak konnte es nicht fassen: »Was geht in solchen Leuten vor? Wie kann man Menschen, die ohnehin fast alles verloren haben, noch das bisschen nehmen, das ihnen geblieben ist?« Das Diakonische Werk richtete Ende August ein Spendenkonto ein, um den Bewohnern unkompliziert Unterstützung zu geben.

+++ Lesen Sie auch: Nach Brand in Shisha-Bar: Vierter Tatverdächtiger festgenommen +++


Ende September wurde dann der vierte Tatverdächtige festgenommen: Der 19-Jährige wurde in seinem Heimatort Öhringen in Baden-Württemberg verhaftet und legte ein umfassendes Geständnis ab. Die Ermittler waren dem strafrechtlich schon in Erscheinung getretenen Mann wegen einer DNA-Spur und des Geständnisses eines der bereits gefassten Mittäter auf die Spur gekommen.


Anklage im November

Gut drei Monate nach Brand und Explosion in der Shisha-Bar hatte die Staatsanwalt Gießen im November Anklage wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Sie wirft den vier in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten vor, mit dem in der Nacht zum 3. August vorsätzlich gelegten Feuer einen Betrug geplant zu haben, um an die Gelder der Gebäudeversicherung zu gelangen.
 

+++ Hier finden Sie alle bisher erschienenen Teile des Streifzug-Jahresrückblicks +++


Da einer der mutmaßlichen Täter erst 19 Jahre alt und deshalb noch Heranwachsender ist, wird der Prozess vor der Jugendkammer des Gießener Landgerichts verhandelt, teilten Pressesprecher der Behörde im Gespräch mit der GAZ mit. Wann genau das Verfahren beginnt, war Ende des Jahres noch unklar.

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Da sich die Beschuldigten in Untersuchungshaft befinden, sei aber mit einem Termin zu Beginn diesen Jahres zu rechnen, hieß es. Üblicherweise werden Prozesse spätestens sechs Monate nach Festnahme der Verdächtigen eröffnet. Bei einer Verurteilung droht den Beschuldigten lebenslange Haft.    

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