Cooler Eis-Trend

Eine neue Eiszeit rollt an

Dass ein cooler Eis-Trend gerade von Asiens Straßenküchen aus in die Welt rollt, hätte die Wetterau vielleicht gar nicht mitbekommen, gäbe es die »Eisbengel« aus Ober-Mörlen nicht.
27. September 2017, 16:58 Uhr
Am stylischen Zelt der vier Jungunternehmer stehen die Leute bundesweit Schlange für jene köstlichen Eis-Rollen, die vor ihren Augen in einem Affenzahn zubereitet werden. Spätestens jetzt stehen sie aber auch vor der Qual der Wahl: Die »Eisbengel« können nämlich auch üppig gefüllte Bubble-Waffeln. Diesen aus Hongkong stammenden Trend hat das sympathische Quartett aus London gleich mitgebracht.

Überall im Bad Nauheimer Sprudelhof laden Lounge-Sitzgruppen zum Entspannen ein, Hängematten weiten den Blick gen blauen Himmel und auf der Bühne am Großen Sprudel mischen DJ, Saxofon und Geige einen coolen Sound aus House, Hip-Hop, Rock und R’n’B für die »Amazzing Summer Party«. Neue Mode weht im Wind, ein Foodtruck schimmert silbern unter alten Bäumen und im Badehaus 7 geben sich Licht- und Klang-installationen ein überwältigendes Stelldichein.



Gleich neben dem Eingang zum Badehaus entfaltet unter den Arkaden ein luftig leichtes Zelt seine kreativen Reize. »Eisbengel« steht ihm so schön geschwungen auf die Stirn geschrieben, dass man neugierig wird. Die »Eisbengel«, das sind die Stachs-Schwestern Katharina und Teresa aus Ober-Mörlen mit ihren Partnern Carsten Jung und Matthias Hafner. Zweifelsohne sind die vier ein super eingespieltes Team, noch dazu mit ansteckend guter Laune.

Eben hat das Quartett noch in aller Gemütsruhe die Einzelteile seiner mobilen Eisdiele zusammengesteckt, Zutaten aufgebaut und das Event-Outfit übergestreift. Jetzt macht jeder das, was er im gemeinsamen Projekt am besten kann: Die beiden Jungs zaubern an den Eisplatten, die »Mirler« Mädels fragen Wünsche ab, füllen Eistüten, backen Bubble-Waffeln, dekorieren, verzieren und überreichen die fertigen Kunstwerke an Menschen mit strahlenden Gesichtern. Augenblicke später sieht man Genießer nur so dahinschmelzen.

Eiscreme nach Front-Cooking-Art

Was auf den ersten Blick aussieht wie Front-Cooking am Teppanyaki, also Live-Grillen vor den Augen des Kunden, ist tatsächlich Arbeiten auf der Grillplatte, nur dass die auf minus 30 Grad runtergekühlt ist. Die »Bengel« machen vor, wie’s geht: Etwas flüssigen Milchmix auf die Metallplatte gießen, im Affenzahn die blitzschnell gefrostete Masse mit zwei Spachteln hacken, häufeln, wieder hacken und glattstreichen, mit Zutaten veredeln, noch mal häckseln und glattstreichen und schließlich mit viel Gefühl und Spachtel hauchzarte Eisrollen von der Platte schaben, in hübsche Tüten füllen und mit tollen Toppings abrunden.



Schon beim Zuschauen läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Der zarte Schmelz auf Zunge und Gaumen hält locker, was die Augen versprochen haben. Für die Mazzu-Mazzu-Sommerparty im Sprudelhof haben sich die »Eisbengel« vor allem für ihre Renner der Saison gerüstet: Der »Schoko-Schock« besticht mit Oreo, Nutella und Schokokuchen, die »Kopfnuss« mit Kokos, Banane, Mandeln und Erdnussbutter und die »Fruchtbombe« mit Mango, Maracuja und Fruchtpüree.

»Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt«, erzählen die vier von diversen Geschmacksrichtungen, die sie schon ausprobiert haben. Katharina und ihr Freund Carsten haben diese »frischeste Verführung seit es Eis gibt« in Thailand kennengelernt und sofort Feuer gefangen.
 

Während unserer Hochzeitsreise haben wir am Laptop gesessen und organisiert

Teresa und Matthias Hafner

Von der Idee »Das können wir auch« bis zur Verwirklichung Ende Oktober letzten Jahres vergingen gerade einmal sechs Wochen, erzählen die ernährungswissenschaftliche Berufsschullehrerin und der Sozialpädagoge. Die Familie war sofort begeistert von der spontanen Geschäftsidee. »Während unserer Hochzeitsreise haben wir am Laptop gesessen und organisiert«, schmunzeln Katharinas Schwester Teresa Hafner und ihr Mann Matthias. Die beiden hatten noch dazu Bubble-Waffeln in London entdeckt. Die Immobilienmaklerin und der Wirtschaftsingenieur waren sicher, dass sie wunderbar zu ihren frechen Eisrollen passen würden.



Derart locker-leichte XXL-Waffeln vom schwenkbaren Eisen, wie es sie reich gefüllt in den Straßenküchen Hongkongs schon lange gibt, hatten sie in Deutschland noch nicht entdeckt. Geschweige denn entsprechende Apparate gesehen, weder die Eisplatte noch das Waffeleisen. Beides ließen sie zunächst aus Asienkommen und auf europäische Standards umbauen. »Jetzt haben wir sogar im heimischen Ober-Mörlen eine Waffeleisenquelle aufgetan«, freuen sich die »Eisbengel«.
Schnell stellte sich heraus, dass sich die Talente der vier hervorragend für ihr Food-Startup ergänzen: Teresa als die kreative Ader des Teams, ihr Mann als cooler Kalkulator und Webmaster, Katharina mit Liebe zum ernährungstechnischen Detail und Carsten als multimedialer Allrounder. »Wir machen das in unserer Freizeit, weil es uns riesigen Spaß macht – und eigentlich auch nur einmal im Monat.« Die berufsbedingt auf Limburg und Nürnberg verteilten »Eisbengel« berichten von interessanten Events und netten Kontakten.

Waffelteig nach Omas Originalrezept

Ein Plan, der sich gerade im Sommer als utopisch erwies, haben sich die »Eisbengel« doch inzwischen als Attraktion für Messen, Festivals und Feiern herumgesprochen, nicht zuletzt dank dem von Matthias gestalteten Internet-Auftritt und dem Logo, das ein Freund für die »Bengel« machte.

»Ohne Unterstützung durch die Familie ginge das gar nicht.« So ist denn auch die jüngste Stachs-Schwester Anna mit im Boot, wenn es eng wird. Und: »Opa ist Gold wert.« Der sei nämlich verantwortlich für eine Firmenschild-Spezialkonstruktion für ihr stylisches »Food-Tent«. Derweil schnippelt Oma die Erdbeeren oder was die Saison gerade hergibt. In Mamas Küche in Ober-Mörlen wird der Waffelteig gerührt, natürlich nach Omas Originalrezept. »Auch unseren Schokokuchen backen wir selbst, den Unterschied schmeckt man einfach.«

 
Fotostrecke: Eiszeit in Ober-Mörlen: So entsteht der coole Eis-Trend

Mit Kirschen und Nutella gefüllt, kommen die Bubble-Waffeln dann als »Roter Schatten« daher, als »Apfeltraum« mit Apfelmus, Äpfeln und gebrannten Mandeln, und in der »Nu Ba« verstecken sich Banane und Nutella.

Aber zurück zu den Eisrollen: Was auf der Eisplatte so geschmeidig leicht aussieht, ist in Wirklichkeit gar nicht so einfach. Weil die Flüssigkeit binnen Sekunden gefriert, muss sie flott bearbeitet werden. »Auf die richtige Konsistenz kommt’s an«, deuten die Jungs auf die Grundmischung. »Die beziehen wir von der Deutschen Eisakademie.« Je nachdem besteht sie aus Milch, Sahne und natürlichem Bindemittel oder auf Zuckerbasis aus Fruchtsaft. »Den in gefrorenem Zustand zu rollen, ist allerdings deutlich schwerer.« Als fruchtig-frische vegane Variante komme er aber einfach gut an.

Zeit bleibt immer auch für außergewöhnliche Kreationen, zur Hochzeitsdeko passende Eisfarben etwa, oder die schwarze Waffel zum Halloween-Food-Festival in Aschaffenburg. »Das war unser erster Einsatz«, erinnern sich die »Eisbengel« an die überwältigende Resonanz unter Tausenden Besuchern. Auch der hatte seine Folgen: »Wir sind alle spät abends noch in der dunklen Metro einkaufen gegangen, nachdem auch bei den anderen Anbietern die Zutaten aufgebraucht waren.«

Weitere Informationen zu den »Eisbengeln« aus Ober-Mörlen gibt es im Internet unter www.eisbengel.com. Dort gibt’s Infos, Kontaktdaten und ein cooles Video.

 

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