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Film ab im Bembelschuppe

Größen der regionalen Musikszene haben in diesem Wohnwagen gesessen. Denn im zum »Bembelschuppe« umgebauten 80er-Jahre-Anhänger ist das Team von juka.TV zu Hause. Wir haben die Jungs und Mädels besucht.
02. November 2017, 14:14 Uhr
Bei Kennys Interview mit "The Jukes" ist gute Laune angesagt. (Fotos: vpf)
»Check one two, one two« – Moderator Kenny spricht so lange seinen Testsatz ins Mikrofon, bis Gabriel mit dem Kopf nickt. Der sitzt im hinteren Bereich des Studios, hat Kopfhörer auf und dreht an den Reglern, bis der Ton passt. Gleich kann es losgehen: Für den Youtube-Channel »juka.tv« wird ein Interview mit der Band »The
Jukes« gedreht.

Letzte Besprechung bevor es losgeht. (Foto: vpf)


Doch das ist kein normaler Dreh: Der »Tonmann« ist 14 Jahre alt und das »Filmstudio« ist ein Wohnwagen mit dem Namen »Bembelschuppe«. Hier ist nämlich ein besonderes Team am Werk: »Juka.tv« ist eine Untergruppe des Bad Nauheimer Fördervereins für Jugendkultur und Jugendarbeit, kurz Juka. Seit Sommer drehen und produzieren sie Videos für ihren eigenen Kanal auf Youtube.

Ob das Huhn – also der Hänger – oder das Ei – der Youtube-Channel – zuerst da war, weiß keiner mehr so genau. »Die Idee, einen eigenen Channel einzurichten, kam ziemlich zeitgleich mit der Nachricht, dass der Verein einen Wohnwagen geschenkt bekommt«, sagt Micha. Der 34-Jährige ist der Projektleiter des Teams, das zwar »Jugend« im Namen trägt, altersmäßig aber bunt gemischt ist. Von 14- bis 70-Jährigen ist unter den Mitgliedern alles dabei.


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Rund drei Monate wurde entrostet, lackiert, umgebaut und geschraubt, bis es im Januar zum TÜV ging. »Der Hänger kam ohne Mängel drüber«, sagt Kenny stolz. Schnell habe sich in dieser Zeit ein Team für Juka.tv gefunden, sagt Micha: »Und nach den ersten zwei oder drei Treffen waren auch die Rollen schon verteilt.« Im Mai schließlich stand die Taufe an.

juka.tv Bembelschuppe The Jukes (Foto: vpf)

Gemeinsam mit allen Juka-Vereinsmitgliedern wurde der Wohnwagen feierlich auf den Namen »Bembelschuppe« getauft. »Richtig mit Flasche gegen die Wand schmeißen und so« erinnert sich Kenny lachend.
Dass der Wohnwagen auf den Namen »Bembelschuppe« getauft wurde, ist einem Einfall des Juka-Vorsitzenden zu verdanken: Aus dem Wasserhahn in der »Küche« läuft nämlich waschechter mittelhesssicher Ebbelwoi. »Ich arbeite im Labor, da lag die Idee ja wohl auf der Hand.«
 

Ihr habt ’ne Äpplerpumpe, wie geil ist das denn?

 


Dass der Wasserhahn als Eisbrecher fungiert, passiere schon hin und wieder mal, sagt Micha. Aber so begeistert wie die »Jukes« sei noch nie einer gewesen: Mitten während des Interviews steht Sänger Julien auf und ruft: »Ihr habt ’ne Äpplerpumpe, wie geil ist das denn?«

juka.tv Bembelschuppe The Jukes (Foto: vpf)

Nach kleinen Startschwierigkeiten läuft das Interview wie am Schnürchen. Die Begrüßung musste nämlich ein- oder auch zweimal wiederholt werden, bis alles gepasst hat. Der Grund: Tonmann Gabriel war nicht zufrieden. »Kenny, kannst du das Mikro bitte mal näher an den Mund halten«, fordert der 14-Jährige den 26-Jährigen gleich zweimal auf, bis alles passt. Die Mitglieder der »Jukes« haben gute Laune – und mit dem Heimatort des Filmteams auch gleich ein Gespächsthema. »Wir sind schon dreimal in Bad Nauheim aufgetreten. Die Leute da gehen gut auf Musik ab, so was findest du im Rhein-Main-Gebiet nicht«, sagt Gitarrist Lukas.

juka.tv Juka Youtube Bembelschuppe (Foto: vpf)

Kenny erinnert die Band an einen Auftritt bei den Jugendkulturtagen 2015, der wegen der späten Uhrzeit von draußen spontan ins Badehaus verlegt werden musste, um Ruhestörungen zu vermeiden. »Weißte, da waren Kaiser, da waren Zaren, und ihr habt da einfach 'nen Moshpit gemacht.« Ein Moshpit ist eine Art Kreis, den die Zuschauer bei Metal-, Hardcore- oder Punk-Konzerten vor der Bühne bilden und sich darin schubsen und anspringen. »Ja man, das war voll exklusiv. Ich hatte nur ein bisschen Angst um die Fensterbilder«, antwortet Michi lachend. Während gedreht wird, sind nur die im »Bembelschuppe«, die dort wirklich etwas zu tun haben – Anweisung von Chef Micha.

Jessica baut die Lichter auf. (Foto: vpf)


Überhaupt hat der alles genau im Blick und achtet zum Beispiel darauf, dass auch um den Anhänger herum Mucksmäuschenstille herrscht. Vorab hat er Lampen justiert, mit Kenny die Fragen besprochen und an alle Proviant verteilt. Als der Hauptteil des Interviews im Kasten ist, bittet er Kameramann Norman um eine kurze Unterbrechung. »Lasst uns noch mal das Outro durchgehen.« Nachdem das Interview im Kasten ist, geht es aber noch weiter: Die Band-Mitglieder bekommen Kinderinstrumente in die Hand gedrückt und dürfen »jammen« – was und wie das Herz begehrt. Schnell haben die Jungs mit Ukulele, Tambourin und Co. einen gemeinsamen Rhythmus gefunden und Sänger Julien singt inbrünstig eine Version eines ihrer neuen Songs. Danach improvisieren die »Jukes« und singen gemeinsam »Vielen Dank an juka.tv«.

 
Fotostrecke: Das ist das Team von juka.TV



Kamermann Norman grinst und Vereinsvorsitzender Nils flüstert im Hintergrund: »Mega.« Eigentlich beginne die größte Arbeit erst jetzt, erzählt Micha auf dem Weg nach Hause im Sprinter. »Das Schneiden, Nachbearbeiten und Onlinestellen kostet am meisten Zeit.« Das Problem: Für diesen Job findet sich oft nur schwer jemand. »Moderieren und Filmen, das machen alle gern. Aber stundenlang vorm PC sitzen und Videos schneiden, das macht nicht jedem Spaß«, sagt Micha. Aus diesem Grund dauere es leider auch eine Weile, bis neue Videos online seien. »Aktuell haben wir einiges an Material aufzuarbeiten und würden uns über Unterstützung sehr freuen.«

Infokasten

Das ist der JUKA e.v.

Der Förderverein für Jugendkultur und Jugendarbeit e.V., kurz JUKA, organisiert und unterstützt regionale Projekte für Jugendliche im kulturellen und künstlerischen Bereich. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, engagierten jungen Künstlern und Kulturinteressierten eine Möglichkeit zu bieten, gemeinsam ehrenamtlich in unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammenzuarbeiten. Die Arbeitsgruppen, die dem Verein angehören, arbeiten weitgehend eigenständig.

Die Arbeitsgruppen sind:
  • Arbeitsgruppe zur Organisation des jährlich stattfindenden Kulturevents Freiraum-Festival
  • Die Arbeitsgruppe JUKA.tv
  • Die Arbeitsgruppe UnterKunst (Unterkunft meets Kunst), die sich die Förderung und Inklusion junger Geflüchteten zur Aufgabe gemacht hat.     (vpf)

 

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