Ebola

Ebola – das ewige Schreckgespenst

Vor 50 Jahren wurde der Marburg-Virus entdeckt. Sein virologischer Bruder Ebola hat zuletzt Tausende Tote gefordert. Bei einem Forschertreffen in Marburg wird klar: Die Gefahr ist nicht gebannt.
18. September 2017, 21:00 Uhr
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren (Orange eingefärbt) in 10000-facher Vergrößerung. (Archivbild)

Das Jahr 1967 hatte einiges zu bieten: Die Beatles setzten mit dem Album »Sgt. Peppers« Maßstäbe. Schweden wechselte im Straßenverkehr von links nach rechts. Und Großbritannien wollte der EU beitreten – lautes Schmunzeln im Saal. Stephan Becker hatte die Aufmerksamkeit der 200 Zuhörer für sich. Mehr als um Meldungen aus aller Welt ging es dem Marburger Virologen aber um eine Begebenheit zu dieser Zeit in Marburg. Denn 1967 kam das später sogenannte Marburg-Virus sprichwörtlich ans Licht der Welt: »Mysteriöse Erkrankung von elf Angestellten« titelte die lokale Zeitung am 24. August des Jahres. Zuvor sind die schwer kranken Patienten in die Marburger Uni-Klinik eingeliefert worden. Dort kommen die Experten dem gefährlichen Virus auf die Spur. Seitdem trägt es den Namen der beschaulichen mittelhessischen Stadt.

Keine Impfung, kein Medikament

Dieses Virus, aus der Familie der Filoviren, zu denen auch das Schreckgespenst Ebola gehört, führte die rund 250 Forscherinnen und Forscher aus vielen Ländern dieser Welt vergangene Woche zu einer viertägigen Konferenz nach Marburg. In den 50 Jahren seit der Entdeckung des Marburg-Virus ist es der Forschung und der Pharmawirtschaft nicht gelungen, eine Impfung oder ein Medikament gegen die Filoviren zu entwickeln. Das hat Gründe. Und über diese Gründe diskutierte die Forscherzunft auf ihrem 9. Internationalen Filovirus-Symposium, das am Samstag endete. Es ging um alle Aspekte dieser fadenförmigen Krankheitserreger, die aus einer Erbgutkette samt Hülle bestehen. Filum steht Lateinisch für Faden.

Training in Afrika

Die Forscher diskutierten die molekulare Struktur der Viren und mögliche Angriffswege für Medikamente. Übertragungswege wurden nachgezeichnet, ebenso Prozesse im menschlichen Körper bei der Infektion, die durch ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber häufig zum Tod führt. Spannend war die Diskussionsrunde, bei der Mediziner und Forscher von vergangenen Ausbrüchen von Ebola in Westafrika oder Kongo berichteten. Mehr als 11 000 Menschen starben beim Ausbruch des Jahres 2014, den die Weltgesundheitsorganisation WHO erst vergangenes Jahr für beendet erklärte.

Ist Afrika heute besser dran? »Trotz der Erfahrungen sind wir immer noch nicht gut vorbereitet«, zog der Mediziner und Public-Health-Experte Danny Asogun aus Nigeria ein Fazit. Ebola lauere immer noch. Inzwischen haben die Gesundheitsexperten allerdings in Programmen herausgearbeitet, was sich alles verbessern müsse. Von der Technik und Diagnostik bis hin zu weichen, sozialen Fragen. Letztendlich waren es solche sozialen Aspekte – nicht die wissenschaftlichen –, die den Ausbruch beendeten: Die Menschen änderten durch Wissen und Training ihr Verhalten und berührten bei Beerdigungen ihre Verstorbenen beispielsweise nicht mehr. Trotzdem meinte Asogun, dass bei zukünftigen Ausbrüchen Gegenmaßnahmen schneller und besser erfolgen müssten.
 
Fortschritt in Notfallabläufen
 
Der amerikanische Forscher Gary Kobinger berichtete von einem kleinen Ebolaausbruch im Norden Kongos. Acht Infizierte, einige starben. Dass der Ausbruch begrenzt werden konnte, sieht er als Fortschritt in den organisatorischen und medizinischen Notfallabläufen. Allerdings könnte auch eine Rolle spielen, dass der betroffene Ort extrem abgelegen und nur nach drei, vier Tagen Reisezeit erreichbar war. Kobinger meinte dort auch eine neue Variante des Virus entdeckt zu haben. Sein Fazit zum Ausbruch war jedenfalls: »Wir schaffen das, mit Überwachung und schneller Diagnostik.«

 

 

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