Hessen bündelt Kräfte

21. Dezember 2017, 22:23 Uhr
Insbesondere das Händewaschen und -desinfizieren sind ein wirksamer Schutz vor Krankenhauskeimen. (Foto: dpa)

Multiresistente Keime können in einem Krankenhaus tödliche Folgen für geschwächte Menschen haben. Das Land Hessen hat den Erregern, gegen die Antibiotika wirkungslos bleiben, daher den Kampf angesagt. Am Donnerstag wurde in Frankfurt ein neues Kompetenzzentrum für Krankenhaushygiene vorgestellt, in dem Forscher von drei medizinischen Fakultäten zusammenarbeiten.

? Was verbirgt sich hinter dem Begriff multiresistente Keime?

Multiresistent heißt, dass mehrere unterschiedliche Mittel nicht mehr gegen die Krankheitserreger wirken, in einigen Fällen sogar fast keine der verfügbaren Antibiotika. Sie sind aus diesem Grund für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, sehr gefährlich.

? Wie genau entstehen diese gefährlichen Keime?

Als Ursache für eine Resistenz gilt der zu häufige und falsche Einsatz der bakterienbekämpfenden Antibiotika. Durch Genmutationen entwickeln sich die Keime so weiter, dass ihnen die Medikamente nichts mehr anhaben können.

? Wie groß ist das Problem durch diese Keime?

Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) spricht von einem der derzeit »größten Probleme in der Medizin«. Zwischen 1000 und 4000 Todesfälle gehen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge in Deutschland pro Jahr auf das Konto multiresistenter Erreger. Nach Angaben von Professor Volkhard Kempf gibt es in Deutschland im internationalen Vergleich noch relativ wenig multiresistente Keime. Aber allein schon in Griechenland oder Spanien seien von verschiedenen Bakterien bis zu drei viertel der Stämme unempfindlich gegen Antibiotika, sagte der Professor des Klinikums der Frankfurter Goethe-Universität. In Südostasien seien teilweise bereits sämtliche Stämme einzelner Erreger multiresistent. Durch den Flugverkehr könnten diese Bakterien weltweit und sehr rasch verbreitet werden.

? Und wie ist die Situation in hessischen Kliniken?

Genaue Zahlen für Hessen gibt es nicht – in diesem Jahr sorgte aber ein Fall in Frankfurt für großes Aufsehen. Im April war im Uni-Klinikum bei fünf Patienten ein lebensbedrohlicher Keim festgestellt worden. Die Intensivstation musste deshalb zeitweise geschlossen und gründlich gereinigt werden.

? Warum werden nicht einfach neue Antibiotika entwickelt?

Die Entwicklung neuer Wirkstoffe ist nach Aussage von Professor Trinad Chakraborty extrem schwierig und aufwendig. Bis ein wirksames Antibiotikum auf den Markt gebracht werden könnte, dauere es rund zehn Jahre, schätzt der Direktor des Zentrums für Medizinische Mikrobiologie der Universität Gießen. Rund eine Milliarde Euro würde die komplette Entwicklung kosten.

? Wie soll das neue Kompetenzzentrum helfen?

Es geht nach den Worten von Wissenschaftsminister Rhein darum, neue wissenschaftliche Strukturen in Sachen Krankenhaushygiene aufzubauen. Der neue Forschungsverbund soll Kräfte bündeln. Forscher der Unis Gießen, Marburg und Frankfurt sollen gemeinsam unter anderem der Frage nachgehen, wie verhindert werden kann, dass Krankheitserreger immun gegen Antibiotika werden und sich ausbreiten.

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