Windrad sorgt für Ärger in Ulrichstein

07. September 2015, 18:33 Uhr
Das Windrad am Ulrichsteiner Kreuz.

»Wasserversorgung Kernstadt Ulrichstein; hier: Informationen zum Sachstand und zum weiteren Vorgehen« steht da scheinbar harmlos. Diesen Punkt behandelt am Montag auch der HFA.

Dass es mit der Trinkwasserversorgung in den letzten Monaten Probleme gab, ist den Menschen in Ulrichstein und im Ortsteil Rebgeshain nicht verborgen geblieben, wurden sie doch noch Mitte August im Amtsblatt zum Wassersparen aufgefordert. Aufgrund der »Trockenen Witterungslage und der derzeitigen Sanierungs- und Reparaturarbeiten am Tiefbrunnen Rebgeshain« sollten die Bürger auf die Bewässerung des Rasens und des Gartens verzichten. Schon im vergangenen Jahr gab es Ärger wegen der Verunreinigung des Trinkwassers.

Eine Frage wirft neue Fragen auf

Kann überall passieren, könnte man denken. Aber die Antwort der hessischen Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz, auf eine Kleine Anfrage der Landtags-FDP wirft ein ganz anderes Licht auf die Lage. Der FDP-Abgeordnete Rock hatte unter anderem diese Frage gestellt: »Welche konkreten Fälle sind der Landesregierung bezüglich möglicher Konflikte zwischen den Anforderungen an den Trinkwasserschutz und Planungen von Windkraftanlagen bekannt?« Für den Bereich des auch für den Vogelsbergkreis zuständigen Regierungspräsidiums Gießen kann man da als Antwort lesen: »Im Zusammenhang mit dem Bau einer Windkraftanlage in der Schutzzone III des Wasserschutzgebietes für die zwei Quellen und sechs Flachbrunnen in der Gemeinde Rebgeshain der Stadt Ulrichstein wurde entgegen der bundesimmissionsschutzrechtlichen Genehmigung das Fundament einer Windkraftanlage nicht als Flachgründung (Einbindung nicht in die wasserführende Schicht), sondern mit sogenannten Rüttelstopfsäulen (... Gesamteinbindetiefe von 13 Metern) und Einbindung in die wasserführende Schicht ausgeführt. Aus Sicht des Grundwasserschutzes wäre bei Anzeige der Tiefengründung, die entgegen einer Flachgründung bis in die wasserführende Schicht reicht und Beeinträchtigungen des Rohwassers befürchten lässt, der Standort für den Bau einer Windkraftanlage abgelehnt worden. Das noch nicht abgeschlossene Verfahren läuft auf eine dauerhafte Stilllegung der bestehenden Wasserversorgungsanlagen hinaus. Der Vorhabenträger ist jedoch verpflichtet worden, für die betroffenen Gebiete eine Ersatztrinkwasserversorgung sicherzustellen.«

Genehmigt worden war die Anlage mit einem Flachfundament, eben weil das in Wasserschutzgebieten so vorgeschrieben ist. Im Grunde bedeutet das: Die Anlage wurde widerrechtlich errichtet. Der »Vorhabenträger« wäre in diesem Fall die Vogelsberger Windenergie Bohn & Co. OHG, vertreten durch die Hessen-Energie.

Dass also die Quellen nicht mehr genutzt werden dürfen, hat ursächlich vor allem mit diesem einen Windrad am Ulrichsteiner Kreuz zu tun. Diese Hintergründe wurden aber der Bevölkerung bislang nicht mitgeteilt. Nachfragen der BI bei einer Bürgerversammlung wurden »abgebügelt«, wie es ein BI-Mitglied gegenüber dieser Zeitung ausdrückte. Aus der Antwort der Ministerin ist herauszulesen, dass die Firma Bohn nun einen Brunnen erschließen und dafür auch die Kosten tragen muss. Der Name der Firma wurde aber im Zusammenhang mit den Problemen am alten Brunnen noch nicht erwähnt. Da stellt sich nun die Frage, warum der Brunnen stillgelegt und nicht die Windkraftanlage abgebaut werden muss. Fraglich ist auch, warum die Anlage überhaupt anders gebaut wurde als genehmigt und wer davon wusste. Und warum seitens der Stadt Ulrichstein nicht dagegen vorgegangen wurde. Vielleicht, so hofft man bei der BI, werden einige der Fragen in dieser Woche beantwortet.

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