Inheiden

Motoren sind seine Passion

20 Mopeds in Haus und Garage, Schränke voller Ersatzteile im Keller. Hans Greifzu hat seit seiner Jugend einen Faible für motorisierte Untersätze, insbesondere Kreidler Floretts.
08. Mai 2017, 13:00 Uhr
Auf dem Dachboden über der Garage haben Hans Greifzus liebste Sammlerstücke ein Zuhause: die restaurierten Kreidler Floretts.

Auf den ersten Blick wirkt das Einfamilienhaus in der Inheidener Erlenstraße wie jedes andere. Doch beim Betreten wird schnell klar, dass dies das Heim eines Sammlers ist. Eine Garelli Cross 80 steht im Flur gleich neben den Turnschuhen. Auf dem Tisch im Esszimmer liegen Metallteile in den verschiedensten Größen und Formen: Ventilfedern und Kolbenringe, eine Lichtmaschine, ein Doppelvergaser und vieles mehr. Es ist der Motor eines Porsche 356, Baujahr 1962, den Hausherr Hans Greifzu da auf der weißen Decke ausgebreitet hat. Als er mit der Hand über die Kurbelwelle streicht, die in den Schraubstock eingespannt ist, macht sich auf seinem ernsten Gesicht ein inniges Lächeln breit und man sieht die Erinnerung in seinen Augen. Genau so einen hat er einmal gefahren. »Als junger Kerl bin ich über die Straßen gejagt, dass die Motoren nicht lange durchhielten. Spätestens nach 50 000 Kilometern war die Kurbelwelle hin«, erzählt Greifzu.

Das ist lange her. Mittlerweile ist der Inheidener 71. Nur ein Foto an der Wand erinnert noch an den weißen Flitzer von einst. Doch wer in den Keller des Inheideners hinab- oder auf den Dachboden über der Garage hinaufsteigt, der findet andere motorisierte Raritäten aus einer früheren Zeit. 20 Mopeds, die der gelernte Tankwart zum Teil restauriert hat, darunter acht Kreidler Floretts. Von seinem ersten Gesellenlohn hatte er sich 1964 eine solche angeschafft. »Anderthalb Jahre bin ich sie gefahren, dann habe ich die 50-Kubik-Maschine verkauft, um mir ein Auto zuzulegen«, erzählt Greifzu. Eine Entscheidung, die er bis heute bereut.

»Ich liebte dieses Moped. Eine Kreidler war damals der Mercedes unter den Kleinkrafträdern«, schwärmt Greifzu beim Blick zurück, hebt den besonderen Sound und die Beschleunigung dieser Maschinen hervor. Für ihn unbeschreiblich. »Wo eine Kreidler angefahren kam, bildete sich eine Menschentraube. Und natürlich standen die Mädchen drauf«, schmunzelt er. Aus dem Alter, in dem Kerle glauben, junge Damen beeindrucken zu müssen, ist der Senior lange raus. Dabei besitzt er heute eine ganze Flotte an Zweirädern, mit denen dies damals wohl gelungen wäre. Gefahren werden die allerdings kaum. »Es sind reine Sammlerstücke«, sagt der Besitzer.

1993 hatte Greifzu von einem Bekannten eine defekte Kreidler zum Kauf angeboten bekommen und zugeschlagen. »Damals wurde meine Liebe neu entfacht.« Seit dem haben sich Haus und Garage verwandelt, überall finden sich Mopeds und Ersatzteile. Neben den Kreidler Floretts auch Marken wie Hercules, Suzuki, Benelli, Garelli oder Göricke. Genug Material für jahrzehntelanges Tüfteln und Schrauben. »Unsere Waschmaschine steht mittlerweile im Bad«, sagt Greifzu. Denn den rund 110 Quadratmeter großen Keller hat der 71-Jährige voll mit seinem Hobby in Beschlag. Selbst der Wohnbereich ist vor dem Sammler nicht sicher. Jetzt steht sie im Flur, aber mehr als 30 Jahre lang hatte die Garelli im Wohnzimmer ihr zu Hause. Die Maschine ist quasi ein nagelneuer Odltimer. Greifzu hat sie 1982 gekauft und nie gefahren. Der Tacho zeigt gerade einmal 2,7 Kilometer. Die hat allerdings nicht der Senior sondern seine Ehefrau zu verantworten,. »Sie musste das Moped beim Staubsaugen immer hin- und herschieben«, erzählt Greifzu und lacht.

Dass seine motorisierten Untersätze den Wohnbereich erobern, damit müssen Frauen in Greifzus privatem Umfeld leben. Schon als junger Kerl schraubte er, was das Zeug hielt, sämtliche Vehikel wurden ordentlich »frisiert«. Sein erstes Auto – ein VW-Käfer – motzte er mit einem Porsche-Motor auf, den er 1971 auf dem Küchentisch seiner Mutter auseinander nahm und generalüberholte. »Im Backofen habe ich die Kolben heiß gemacht, damit die Bolzen leichter durchgingen«, erinnert er sich. Heute repariert der Inheidener, was ihm in die Finger kommt. Rasenmäher, Motorroller, Fahrräder – »so ziemlich alles, was mir Bekannte vorbei bringen.« Einfach aus Spaß.

Ob er noch andere Hobbys hat? Sport, sagt Greifzu. Früher war er ein erfolgreicher Judoka, heute läuft er. »Bis vor ein paar Jahren sogar noch Marathon«, berichtet der Inheidener. Aktiv ist der Rentner beim SKV Obbornhofen. Seit rund 20 Jahren fährt er zu diesem Zweck mehrfach pro Woche in den Nachbarort, pflegt eine besondere Beziehung zu den Menschen dort. Deshalb ist er auch beim Dorfjubiläum Ende des Monats mit von der Partie. Während des stehenden Festzuges am Sonntag, 28. Mai, stellt er auf der Motormeile in der Braugasse einige seiner Kleinkrafträder aus.

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