Unterschlagung

Schadensbegrenzung bei Feuerwehr: Geld nach Unterschlagung wieder da

Nach dem Griff in die Kasse des Feuerwehrfördervereins Laubach-Münster hat der zurückgetretene Vorsitzende das Geld zurückgezahlt. Die genaue Summe und wofür er sie verwendete, wurde auch öffentlich.
13. November 2017, 09:38 Uhr
Foto: nic

Die Unterschlagung zum Schaden einer Feuerwehr im Ostkreis wurde in der vergangenen Woche nach einem anonymen Brief an die Tageszeitungen öffentlich. Der Restvorstand des Fördervereins der Feuerwehr des Laubacher Stadtteils Münster, den der Griff in die Kasse betrifft, hatte am Sonntag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um die Mitglieder über den aktuellen Sachstand zu unterrichten. Wichtigste Neuigkeit dabei: Die festgestellte Summe von rund 5600 Euro wurde vom beschuldigten Wehrführer und Vorsitzenden sowie seiner Ehefrau, die als Rechnerin im Verein fungierte, am Freitag zurückgezahlt. Dass das Vereinsvermögen keinen Schaden nimmt, war auch die Forderung der Verantwortlichen, um von einer Strafanzeige abzusehen.

Verbesserungen geplant

Der stellvertretende Vorsitzende Oliver Weißenborn gab am gestrigen Abend im örtlichen Dorfgemeinschaft gemeinsam mit dem stellvertretenden Wehrführer Jens Straube, Ortsvorsteher Klaus Dieter Schmitt und dessen Stellvertreter Manuel Ruschig umfassend Auskunft und einen chronologischen Überblick. Ausdrücklich wurde betont, dass es sich nicht um eine außerordentliche Mitgliederversammlung handele, sondern lediglich um eine informelle Zusammenkunft. Das Interesse war trotzdem groß, rund 50 Mitglieder waren erschienen, darunter Bürgermeister Peter Klug und Stadtbrandinspektor Timo Loth.

Im Mai hatte der stellvertretende Wehrführer Unregelmäßigkeiten in den Kassenbüchern aus den Jahren 2011, 2012 und 2013 festgestellt. Wegen einer längeren Krankheit des stellvertretenden Vorsitzenden fand am 28. August ein erstes Treffen des Restvorstands statt. Zwei Tage später wurde in einer weiteren Zusammenkunft Ortsvorsteher Schmitt informiert. Ohnehin sei es geplant gewesen, nach Feststellung der genauen Summe an die Öffentlichkeit zu gehen. Man solle die Chance zur Aufarbeitung nutzen und für die Zukunft Verbesserungen einzuführen. Schmitt dankte ausdrücklich dem Restvorstand für die Kooperation und Aufklärung.

Am 30. August habe festgestanden, dass sich Vorsitzender und Rechnerin am Vereinsvermögen bereichert haben. Nach einer weiteren Versammlung einen Tag später fand am 8. September ein Termin mit den Beschuldigten statt, in dem sie die Schuld eingestanden. Für private Zwecke wurden unter anderem ein Tablet oder ein Drucker angeschafft. Außerdem verschiedene Einkäufe getätigt, die nicht vom Vorstand genehmigt waren oder dem Eigennutz dienten.

Am 13. September wurde das Restvermögen und die Barkasse übergeben, um den Gesamtschaden zu ermitteln. Am 27. Oktober ermittelte der Vorstand den Gesamtschaden, hatte zwei Tage vorher den Bürgermeister informiert, mit dem am 2. November ein Gespräch stattfand. An diesem Tag kam dann auch der anonyme Brief an die Presse. Einig sei man sich gewesen, keine Strafanzeige zu stellen, wenn der Verein schadlos bleibe. Außerdem habe man sich die Frage gestellt, ob die beschuldigten Personen weiter im Ansehen geschädigt werden müssten, mit der Gefahr massiver gesundheitlicher Störungen. Vom Vorstand wurde Kritik an dem Verfasser des anonymen Briefes geübt, der nicht im Sinne des Vereins gehandelt habe.

Ausnahmesituation, Misstrauen

Für die Zukunft seien die Weichen gestellt. Früh im Januar solle die Hauptversammlung stattfinden, in der die vakanten Positionen neu besetzt werden sollen. Gespräche hätten stattgefunden, die Weiterführung der Feuerwehr sei somit sichergestellt, betonten die Verantwortlichen. Zudem soll bei künftigen Kassenprüfungen ein Vorstandsmitglied anwesend sein, um zu einzelnen Buchungen Stellung beziehen zu können.

Bei der anschließenden Aussprache verteidigte ein Mitglied den Briefschreiber, bezweifelte den Willen, die Öffentlichkeit zu informieren. Dies wurde aber deutlich zurückgewiesen. Man habe zunächst den Gesamtbetrag feststellen wollen. Dies bestätigte auch Bürgermeister Peter Klug, der seinerseits klarstellte, dass bisher im öffentlich-rechtlichen Wehrführeramt keine Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, alle Vorgänge habe man jedoch noch nicht prüfen können. Der Beschuldigte sei von allen Ämtern zurückgetreten. Über einen Ausschluss aus der Einsatzabteilung werde in der nächsten Wehrführerausschuss-Sitzung beraten. Ein Besucher lobte den Restvorstand für sein umsichtiges Handeln. Kurzzeitig war die Stimmung etwas hochgekocht, dabei ging es um Kassenprüfungen und das Stellen einer Strafanzeige.

Ortsvorsteher Klaus Dieter Schmitt betonte nochmals, man habe sich in einer Ausnahmesituation befunden, in der Misstrauen aufgekommen sei und die Kameradschaft deutlich verletzt wurde. Im Nachgang die Besetzung von Vorsitzendem- und Rechneramt durch ein Ehepaar zu kritisieren, sei nicht glücklich, durch die Wahlen von der damaligen Hauptversammlung eindeutig bestätigt. Gerade bei den Hauptversammlungen der letzten Jahre habe die Bevölkerung wenig Resonanz gezeigt. Nun solle man aber in die Zukunft schauen, meinte Schmitt abschließend und rief die Mitglieder dazu auf, aktiv daran mitzuarbeiten, damit die Feuerwehr als wichtiger Verein im Dorf bestehen bleibe.

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