Marode Stadtmauer

Schon wieder ein Problem-Fall in Grünberg

Die historische Stadtmauer am Rande des Grünberger Brunnentals muss saniert werden. Dringend, droht doch sonst dem Garten des Pfarrhauses ein statisches Problem.
06. September 2017, 17:55 Uhr
Alles Gute kommt von oben? Nicht immer, auch nicht im Garten des evangelischen Pfarrhauses: Aus der Krone der gut fünf Meter hohen Stadtmauer haben sich Steine gelöst, der Wiederaufbau steht jetzt jedoch an, im Frühjahr soll alles fertig sein. (Foto: tb)

Über viele Jahrhunderte hinweg blieb Grünbergs Stadtmauer standhaft. Bald nach der Jahrtausendwende aber zeigte sie sich wankelmütig: Erst sackte sie am Schloss zusammen, dann am Spielplatz oberhalb des Brunnentals. Der erste Fall hatte nur kurzzeitig den Verlust eines Busparkplatzes zur Folge, der zweite jedoch ein mehr als drei Jahre währendes »Betreten verboten« für Sandkasten, Rutsche und Schaukel.

Mit rund 60 000 Euro veranschlagt

Im Herbst 2015 endlich war die Mauer wieder aufgebaut, der Spielplatz wieder geöffnet. Veranschlagte Kosten: 180 000 Euro.

Knapp zwei Jahre später hat sich der nächste Problem-Fall eingestellt: Wenige Meter entfernt, im Garten des Pfarrhauses haben sich Steine aus der Mauer gelöst – die ist hier immerhin fünfeinhalb Meter hoch und 15 Meter lang. Nicht zuletzt: Das Grundstück der evangelischen Gemeinde grenzt direkt ans Brunnental ...

Nicht mal 100 Meter entfernt stand von 1186 bis zum Abriss Ende der 1960er (heutzutage oft bedauert) die Grünberger Burg. Vermutet wird daher, dass die marode Stadtbefestigung auch zu dieser Zeit errichtet wurde. 850 Jahre später, und der Mörtel ist stellenweise ausgewaschen.

Dass Handlungsbedarf besteht, hat jüngst auch eine Schadenserhebung bestätigt. Das Placet von Denkmalschutz und Naturschutzbehörde für den Wiederaufbau liege jetzt vor, erklärten Pfarrer Lukas von Nordheim und Architektin Stefanie Muskau soeben bei einem Lokaltermin. Das Gerüst ist bereits aufgebaut, die Maurer stehen in den Startlöchern. Verwenden werden sie, wie Generationen von Kollegen vor ihnen, den bei Natursteinmauern bewährten Kalkmörtel. An Kosten kalkuliert die Landeskirche mit 60 000 Euro, diese trägt zu 60 Prozent den Löwenanteil, einen kleineren Betrag steuert die Kirchengemeinde, 30 Prozent die Stadt bei. Damit kommt auch hier eine vor rund zwei Jahren beschlossene Förderrichtlinie zum Tragen, wonach Grünberg bei privaten Sanierungen der Stadtmauer ein Drittel zuschießt. Nach den ersten Problemfällen anno 2012 hatte der Gutachter die komplette Mauer unter die Lupe genommen, einen Ausgabebedarf von rund zwei Millionen ermittelt, davon 875 000 Euro für private Maßnahmen. Da im Interesse der Kommune, stellten die Stadtverordneten insgesamt als erste Tranche 100 000 Euro in den Haushalt ein.

Pfarrer von Nordheim bat am Ende eines doch zu bedenken: »Hier geht es nicht nur um die Finanzen, die historische Stadtmauer zu bewahren, ist auch von ideellem Wert.«

Im Mai übrigens soll als letztes die Verfugung erledigt, die Mauer im Garten des Pfarrhauses wieder wie neu beziehungsweise alt sein.

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