Wo der Schuh drückt

29. September 2017, 18:55 Uhr
Podologin Laura Müller muss sich immer wieder auf neue Menschen und deren Befindlichkeiten einstellen. (Foto: dpa)

Ganz schön ekelig: Das mag mancher denken, wenn es um den Beruf des Podologen geht. Die medizinischen Fußpfleger kümmern sich um Warzen und Hühneraugen, auch Patienten mit müffelnden Füßen bleiben hin und wieder nicht aus. Was ist also an dem Beruf attraktiv?

Ein eingewachsener Nagel im Zeh kann ganz schön schmerzhaft sein. Laura Müller bekommt das von ihren Patienten immer wieder zu hören. Die 24-Jährige lernt in Magdeburg den Beruf der Podologin – so nennen sich medizinische Fußpfleger. Sie besucht die Fit-Ausbildungs-Akademie gGmbH, eine Berufsfachschule für Gesundheitsberufe in Magdeburg. An drei Tagen pro Woche hat sie Unterricht, an zwei Tagen behandelt sie an der Schule Menschen mit Fußproblemen.

Unterschiedliche Instrumente kommen dabei zum Einsatz – dazugehören auch eine Zange oder ein Skalpell. »Das klingt brutal, ist es aber in der Praxis nicht«, sagt Müller.

Berührungsängste gegenüber anderen Menschen dürfen Podologen nicht haben. Sie müssen sich darauf einstellen, dass sie dann und wann mit unangenehm riechenden Füßen konfrontiert werden. »Das kommt aber im Alltag weitaus weniger vor, als viele denken«, erklärt Müller. Neben sämtlichen Arten von Nagelveränderungen behandelt sie auch Hühneraugen, Schwielen und Warzen. Um Druckstellen an den Zehen zu entlasten, fertigt sie sogenannte Orthosen und passt sie an. Einen veränderten Nagel behandelt sie etwa mit einer Nagelkorrekturspange. Betäuben und operieren dürfen Podologen allerdings nicht.

Kein Patient ist wie der andere. »Es gilt, sich immer wieder auf einen anderen Menschen und eine andere Befindlichkeit einzustellen«, erklärt Annett Biedermann. Sie ist Vizepräsidentin des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD). Podologen arbeiten eng mit Ärzten zusammen und unterstützen sie im therapeutischen Bereich. Zu ihnen kommen in erster Linie Diabetespatienten mit Fußproblemen.

Selbstständiges Arbeiten

»Angenehm finde ich, dass ich als Podologin auf Anordnung des behandelnden Arztes weitgehend selbstständig arbeiten kann«, erzählt Müller. Anders als bei vielen Berufen findet die Podologen-Ausbildung nicht in einem Betrieb und an einer Berufsschule statt, sondern ausschließlich an privaten, staatlich anerkannten Fachschulen. Hierfür müssen die Azubis Schulgeld zahlen. An der Fit-Ausbildungs-Akadmie gGmbH Magdeburg werden im Monat 260 Euro fällig. Bundesweit beginnen nach ZFD-Angaben jedes Jahr rund 400 junge Menschen eine Podologen-Ausbildung, die zwei Jahre dauert. Bewerber brauchen den mittleren Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung. Eine hohe soziale Kompetenz, gute motorische Fähigkeiten und handwerkliches Geschick sind ein Muss. Nach der Ausbildung können sich Podologen weiterqualifizieren. »Durch ein sechssemestriges berufsbegleitendes Studium kann der akademische Grad eines Bachelor of Science mit der Vertiefungsrichtung Podologie erreicht werden«, sagt Volker Pfersich. Er ist erster Bundesvorstand des Verbands Deutscher Podologen (VDP) in Reutlingen. Die Vergütung der Fachkräfte ist nach ZFD-Angaben von Land zu Land unterschiedlich. »Berufseinsteiger erhalten zwischen 1500 bis 1800 Euro brutto im Monat«, erklärt Biedermann. Es kann auch weniger sein. Klar, mit einem solchen Verdienst gehört man nicht zu den Großverdienern. Aber für Müller war das nicht entscheidend. »Wichtiger ist, dass ich einen Job habe, der mir Spaß macht«, sagt sie.

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