Optimale Lösung gefragt

06. Oktober 2017, 18:51 Uhr
Nur etwa 10 Prozent der privat verfassten Testamente sind juristisch korrekt.

Nachfolgeplanung betrifft jeden. Vorhandenes Vermögen soll von Erbschaft- und Schenkungsteuern nicht aufgezehrt werden, und eine Erbschaft soll kein Anlass von Streitigkeiten sein. Nur jeder dritte Deutsche hat aber seine Nachfolge geregelt und ein Testament aufgesetzt. Damit bleiben wichtige persönliche und steuerliche Gestaltungsspielräume ungenutzt.

Und von denen, die glauben, ihren Nachlass ordentlich geregelt zu haben, wiegen sich viele in falscher Sicherheit. Denn tatsächlich sind nur etwa 10 Prozent der privat verfassten Testamente juristisch korrekt. Die führt in der Praxis immer wieder zu langwierigen, kostenintensiven und psychisch belastenden Erbstreitigkeiten.

Ohne persönliches Testament greift die gesetzliche Erbfolge. Diese entspricht aber nicht immer den persönlichen Wünschen des Erblassers – dies gilt vor allem bei komplizierten Familienverhältnissen. Die gesetzliche Erbfolge bedeutet, dass neben dem Ehegatten die Verwandten je nach dem Grad der Verwandtschaft erben.

Zunächst kommen – neben dem Ehegatten – ausschließlich die Abkömmlinge des Erblassers (Kinder) bzw. deren Abkömmlinge (Enkel) als Erben infrage. Sind keine Kinder und Enkel vorhanden, erben die Eltern bzw. die Geschwister des Erblassers. Finden sich auch hier keine Erben mehr, kommen die nächsten Verwandten zum Zug.

Gibt es mehrere Erben, so bilden diese zudem eine Erbengemeinschaft, in der grundsätzlich einstimmig entschieden werden muss. Dass dies leicht zu Auseinandersetzungen führen kann, verwundert nicht: Jeder fünfte Erbfall mit gesetzlicher Erbfolge endet vor Gericht.

Wer sich nicht rechtzeitig um die rechtssichere Gestaltung seiner Nachfolge kümmert, bürdet den Erben zudem unter Umständen eine unnötig hohe Steuerlast auf. Durch eine geschickte Verteilung des Vermögens kann die Erbschaftssteuern deutlich reduziert werden.

Um nahestehende Menschen dauerhaft abzusichern, ist es deshalb entscheidend, eine letztwillige Verfügung zu treffen, zum Beispiel in Form eines notariellen Testaments oder eines Erbvertrages. Bevor dies geschieht, sollte man sich Klarheit über die eigenen Vermögenswerte und den Umfang des Nachlasses verschaffen. Anschließend kann die eigentliche Nachlassplanung beginnen, bei der festgelegt wird, welcher Nachkomme was erhalten soll.

Vermögen richtig übertragen

Damit das Vermögen tatsächlich gemäß den eigenen Wünschen übertragen wird, müssen bei der Verteilung verschiedene Aspekte beachtet werden, beispielsweise die sogenannten Pflichtteilsansprüche. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Ehegatten, Eltern und Abkömmlinge jeweils bestimmte prozentuale Ansprüche auf das Erbe haben. Sind diese im Testament nicht entsprechend berücksichtigt können die Betroffenen die Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils von den Erben herausverlangen. Streit kann auch unterbunden werden, wenn das Testament möglichst detailliert beschreibt, welche Personen welche Gegenstände und Vermögenswerte erhalten sollen. Ein neutraler Testamentsvollstrecker kann zusätzlich sicherstellen, dass der Vermögensübergang problemlos und wie gewünscht abläuft.

Bei der Ausgestaltung des Testaments sollten Gestaltungsspielräume und Freibeträge genutzt werden, um die Steuerbelastung der Erben zu verringern. Dies gilt auch für das sogenannte »Berliner Testament«. Bei diesem ist der Ehepartner beim Tod des Erstversterbenden der Alleinerbe. Das sichert zwar eine optimale Versorgung, ist aber aus steuerlichen Gründen nicht immer die beste Lösung. Je nach Umfang des Vermögens kann der Steuerfreibetrag von 500 000 Euro schnell ausgeschöpft und eine hohe Erbschaftssteuer die Folge sein. Sinnvoller kann es daher sein, das Vermögen auf mehrere Personen zu verteilen und so Freibeträge besser zu nutzen – ohne dass die Versorgung des Partners dadurch gefährdet wird.

Die rechtzeitige Vornahme von Schenkungen zu Lebzeiten kann ein weiteres Mittel sein, um den Zugriff des Fiskus auf das Vermögen zu minimieren.

Sinnvolle Schenkungen

Eine Schenkung kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein. Das häufigste Motiv ist der Wunsch, Erbschaftssteuern zu senken, denn die Steuerfreibeträge bei Erbschafts- und Schenkungsteuer sind identisch: Für Ehegatten beträgt der Freibetrag 500 000 Euro, bei Kindern sind es 400 000 Euro pro Kind und Elternteil. Diese Freibeträge lassen sich alle zehn Jahre neu nutzen.

Eine Schenkung kann sich insbesondere bei Immobilien lohnen. Wer eine Immobilie verschenkt, kann sich dennoch ein lebenslanges Wohnrecht oder Nießbrauchsrecht sichern. Diese Rechte sollte in jedem Fall im Grundbuch eingetragen werden.

Die Gestaltung des Testaments sollte auch die Zusammensetzung des Vermögens berücksichtigen. Grundsätzlich ist es ratsam, das Vermögen nicht einseitig zu strukturieren. Besteht das Erbe etwa nur aus einer oder mehreren Immobilien müssen diese im Erbfall unter Umständen von den Erben möglicherweise schnell und unter Preis verkauft werden, um die Erbschaftsteuer zu bezahlen oder mögliche Pflichtteilsansprüche zu bedienen. Bei einem gut strukturierten Vermögen, das beispielsweise auch Aktien umfasst, ist es sinnvoll, Vollmachten über den Tod hinaus zu erteilen. Der Bevollmächtigte kann dann sofort über das Depotvermögen verfügen und gegebenenfalls schnell auf mögliche Kursschwankungen an den Kapitalmärkten reagieren.

Ein individuelles Testament muss also eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte berücksichtigen, damit letztlich für alle Wünsche des Erblassers die optimale Lösung finden.

Der Verfasser, Thorsten Straßheim ist Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Steuer-, Handels- und Gesellschaftsrecht in der Kanzlei Ruhmann Peters Altmeyer PartGmbB in Wetzlar.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ehegatten
  • Enkel
  • Erben
  • Erbschaften
  • Erbschaftsteuer
  • Familienverhältnisse
  • Gesellschaftsrecht
  • Gesetz
  • Immobilien
  • Kapitalmarkt
  • Redaktion
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.