Problemfall

Kein Spielplatz mehr wegen Trinker- und Drogenszene

Lange lockte der Spielplatz hinterm Stadtkirchenturm keine Kinder, sondern Drogenabhängige und Trinker an. Jetzt wurde er abgebaut.
10. November 2017, 19:00 Uhr

Von Christoph Hoffmann , 1 Kommentar
Neuerdings verwaist: Der Spielplatz hinterm Stadtkirchenturm ist verschwunden. (Foto: Schepp)

Der Geruch von Marihuana wehte regelmäßig über den Platz, zerbrochene Schnapsflaschen lagen im Sand, manchmal sogar Spritzen. Der Spielplatz hinterm Stadtkirchenturm in der Gasse »Auf der Bach« war schon lange kein Ort mehr, an dem Eltern ihre Kinder spielen ließen. Vermutlich war er es noch nie. Daher hat die Stadt reagiert: Die Spielgeräte wurden abgebaut, der kleine Platz liegt derzeit brach.

Schon morgens Marihuana-Geruch

Jonas Kneissler (Name geändert) wird den Spielplatz nicht vermissen. Er wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern direkt um die Ecke. »Wir haben den Spielplatz aber nie genutzt.« Schon wenn er morgens auf dem Weg zur Arbeit gewesen sei, hätten Jugendliche hier Marihuana geraucht, sagt Kneissler. »Außerdem waren die Spielgeräte total versifft und marode. Zudem gibt es diese hohe Kante, von der Kinder herunterfallen können, und Sonne scheint hier auch so gut wie nie. Alles in allem war der Spielplatz total unattraktiv.«

Lage nicht prickelnd
 

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich sieht es ähnlich: »Die Lage war nicht besonders prickelnd.« Bereits im Zuge der Kirchenplatzsanierung habe man daher nach Gesprächen mit den Anwohnern beschlossen, den Spielplatz mittelfristig nicht mehr weiterführen zu wollen.

Doch die Angelegenheit geht noch weiter zurück. »Spielplätzchen hinter Kirchenplatz bleibt Problemfall« titelte die Gießener Allgemeine im Juni 2012. Anwohner hatten Unterschriften gegen die Zweckentfremdung des Spielplatzes durch die Trinker- und Drogenszene gesammelt und der Stadt übergeben. Die kündigte daraufhin an, mit Sozialarbeitern und Kräften des Ordnungsamts einen letzten Versuch unternehmen zu wollen, dem Problem Herr zu werden. Auch eine Einzäunung des Geländes war im Gespräch. Gebracht hat es offenbar nichts.


Bürgermeisterin: Keine Kapitulation
 

Von einer Kapitulation vor der Trinker- und Drogenszene – ein Vorwurf, der schon beim Aufstellen der Dixie-Toiletten am Stadtkirchenturm aufgekommen war – will die Bürgermeisterin aber nicht sprechen. »Man muss es von der anderen Seite betrachten: Der Platz ist von Anfang an nicht richtig angenommen worden. Erst dadurch konnten sich die anderen Gruppen hier niederlassen.« Und da dies vonseiten der Stadt nicht gewünscht sei, habe man nun einen Schlussstrich unter das Spielplatz-Kapitel gezogen. »Es würde keinen Sinn machen, um den Spielplatz zu kämpfen, wenn er von den Kindern sowieso nicht genutzt wird.«
 

Vor 25 Jahren errichtet


Und somit ist der Spielplatz 25 Jahre nach seiner Entstehung Geschichte. Als er 1992 errichtet worden war, hatten die Planer die Hoffnung, freie innerstädtische Nischen in Aufenthaltsflächen für Familien umwandeln zu können. Der kleine Spielplatz im Löbershof ist ein weiteres Beispiel dafür. Doch offenbar hat sich diese Struktur nicht durchgesetzt. Sowohl Stadtkirchenturm als auch Löbershof sind keine Standorte, an denen viele Familien zu Hause sind. Und für weiter weg wohnende sind sie schlichtweg nicht attraktiv genug. Der Spielplatz in der Katharinengasse kann immerhin durch seine Nähe zur Einkaufsmeile Seltersweg punkten.
 

Andere Konzepte gefragt


Anscheinend sind heutzutage andere Konzepte gefragt. Orte, an denen sich Kinder austoben und Eltern gleichzeitig wohlfühlen können. Das sagt auch Weigel-Greilich und nennt als Beispiel den Wasserspielplatz an der Lahn. »Ich bin selbst überrascht, wie gut der Spielplatz angenommen wird.« Ein Ort übrigens, an dem auch die Kneisslers im Sommer häufig anzutreffen sind.


Zuschlag für Museum?
 

Und was wird nun aus der kleinen Fläche hinter dem Stadtkirchenturm? »Das ist noch nicht endgültig entschieden«, sagt die Bürgermeisterin. Derzeit werde aber priorisiert, die Fläche dem Oberhessischen Museum zuzuschlagen. »Wenn das nicht klappt, werden wir uns etwas anderes überlegen.«

Schon damals, im Zuge der Unterschriftenaktion der Anwohner, hatte Pfarrer Klaus Weißgerber vom benachbarten Kirchenladen gegenüber dieser Zeitung betont: »Der Spielplatz ist tot.« Heute, fünf Jahre später, ist er endgültig begraben worden.

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