Stadt Gießen

DSDS: Darum wurde Patrick Keil nicht gezeigt

»Es war eine tolle Zeit«, sagt Patrick Keil. »Doch es gab bei DSDS auch Dinge, die ich ansprechen will.« Nach dem Aus bei der RTL-Show enthüllt der Gießener, warum er zweimal nicht zu sehen war.
19. März 2017, 12:07 Uhr
Am Burj Khalifa läuft es für Patrick Keil bei DSDS noch gut. Das Aus muss er bei der Entscheidungsshow in der Wüste hinnehmen. (Foto: pm)

Sie haben den Fernsehzuschauern Ihr Aus bei DSDS am Samstagabend über soziale Medien übermitteln müssen. Was war in der Wüste von Dubai passiert?

Patrick Keil: Ich bin sehr bitter rausgeflogen. Ich hatte zwei Ja und ein Nein. Dann hing alles an Dieter Bohlen. Er war unser Joker. Er hat überlegt, sich dann aber gegen mich entschieden. Mit der Begründung, dass ich eher der Typ für deutsche Lieder bin.

Sie mussten »Annie’s Song« von John Denver singen. Aber den haben Sie sich doch nicht selbst ausgesucht?

Keil: Nein. Es ist ein englischer Countrysong aus den 70ern. Ich musste schlucken, denn ich singe nicht gerne englisch, aber wenn schon, dann ein Lied, das man kennt. Das war einer der unbekanntesten Songs, die je bei DSDS vorgekommen sind. Es gehört zwar zur Show, dass man kämpft und über seinen Schatten springt, aber bei der Vergabe, habe ich geahnt, das war ein Zeichen.

Ein Zeichen?

Keil: Unterstützend war die Auswahl für mich sicher nicht. Ich habe gespürt, dass es vorbei sein könnte. Es war nicht nur der Song, auch die Hilfe der Trainer wurde weniger, die Interviews kürzer. Vielleicht bildet man sich das ein, aber ich habe gefühlt, es könnte vorbei sein. Ich hatte aber auch den Punkt erreicht, an dem ich sagen konnte, wenn ich rausfliege, ist es ok. Ich war am Limit. Aber: Wenn man mich hätte behalten wollen, hätten sie mir einen deutschen Song gegeben, dann wäre ich weitergekommen. Man muss sich nichts vormachen, mit der Songauswahl wird DSDS gesteuert. Aber ganz sicher ist auch: Ich bin total glücklich, dass ich bei der Sendung dabei war. Es war eine überragende Zeit. Ich habe sehr viel mitgenommen.

Warum war Ihr Auftritte vor der Jury jetzt schon zum zweiten Mal nicht zu sehen?

Keil: Ich hatte Pech bei der Gruppeneinteilung. Wer bei DSDS aufpasst, hat bemerkt, dass es vorkommt, dass Auftritte von Kandidaten nicht gezeigt werden. Es gab in Dubai drei Kandidaten, die aus unerklärlichen Gründen vom ersten Casting bis zum letzten Recall überhaupt nicht gezeigt werden. Sie werden herausgeschnitten, als hätte es sie nicht gegeben. Ich habe noch mit zwei von ihnen Kontakt. Sie wissen selbst nicht wieso. RTL wird Gründe haben, ich kenne sie nicht. Aber die Leidtragenden sind die, die mit diesen Kandidaten gesungen haben. Mich hat es zweimal erwischt. Für mich ist das enttäuschend, weil zwei gute Auftritte von mir nicht gezeigt wurden, Das ist natürlich schon ärgerlich, den es ging mir um Präsenz.

Aber wie Sie erzählen, hätte es beim Cutter ja auch schlimmer laufen können?

Keil: Man weiß ja, wie Castingshows ablaufen. Ich war mir bewusst, dass ich auch in ein schlechtes Licht gerückt werden kann. Das ist aber nicht passiert. Ich habe viele Fans hinzugewonnen, die durch DSDS auf mich, meine Band und meine Praxis aufmerksam geworden sind. Von daher hat es sich für mich gelohnt. Was das angeht, würde ich es wieder machen. Ein Beigeschmack bleibt dennoch: Menschlichkeit spielt keine Rolle, wenn es um Quoten geht. Für die drei Kandidaten, die rausgeschnitten werden, tut es mir schon sehr leid. Das macht mich traurig.

Es hat sich also bestätigt, dass man bei DSDS nicht unbedingt rausfliegt, weil man der schlechtere Sänger ist?

Keil: Zuerst will ich klarstellen, dass es bei DSDS viele unglaublich gute Sänger gibt, die auch besser sind als ich. Auf der anderen Seite wurde ich intern schon als Kandidat für die Mottoshows gehandelt, die Konkurrenz war sehr überrascht, als ich raus war. Die Gespräche mit den Psychologen wurden mit der Zeit gezielter, es kristallisierte sich heraus, dass es um Vermarktung geht – und einen 17-jährigen verrückten Single kann man beim Publikum offensichtlich viel besser vermarkten, als einen 30-jährigen bodenständigen Familienvater mit eigener Physiotherapiepraxis. Aber ich will wirklich nicht unterstellen, dass ich deswegen nach Hause fahren musste.

Als Zuschauer hat man den Eindruck, dass die Bedeutung, die das Singen in der Show hat, zurückgeht. Stimmt das?

Keil: Das würde ich auch so sehen. Ich glaube, Castingsshows sind selbst schuld, dass sie einen schlechten Ruf haben. Ich will das nicht revolutionieren, die Quoten geben den Produzenten wahrscheinlich recht. Ich bin aber sicher, dass es nicht schaden würde, den Fokus mehr auf das Singen zu legen. Mich hat geärgert, dass Sendezeit für gefakte Dates draufgeht, die auch noch schlecht gespielt sind. Man merkt doch, dass das nicht echt ist. Auf so etwas könnte ich und sicher auch ein Großteil der Zuschauer gut verzichten. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Mein letzter Auftritt vor der Jury wurde ja am 1. Dezember aufgezeichnet. Ich wusste also schon lange, dass ich am Samstag rausfliege.

Wie geht es für die Kandidaten unmittelbar nach dem Aus weiter?

Keil: Es geht alles sehr flott. Man hat zwei Stunden, um die Koffer zu packen. Dann wird man in ein anderes Hotel gebracht und am nächsten Morgen geht es mit dem ersten Flieger nach Hause. Die Organisation ist perfekt. Es geht nur ein bisschen schnell. Man hat keine Chance, das zu verarbeiten und fällt in ein Loch. Der Stress vor Ort ist unglaublich, man bekommt wenig Schlaf. Es wird viel von dir abverlangt. Die Infos, die man bekommt, werden absichtlich knapp gehalten, um die Anspannung zu vergrößern. Du hast einen Tag zum Üben in der Gruppe, dann stehst du schon vor der Jury und musst abliefern. Du musst dich immer wieder kurzfristig auf neue Begebenheiten einstellen. Das hat auch mich, der schon immer viele Projekte gleichzeitig macht, an die Grenzen gebracht. Phasenweise ging ich am Stock, aber für die Sendung ist das natürlich gut. Irgendwann müssen die Nerven blank liegen. Es war auf jeden Fall kein Urlaub.

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