Südviertel

Lokalposse um ein Verkehrsschild

Ein kleiner Eingriff in die Verkehrsführung sorgt für große Aufregung. Dabei hatten sich die Anwohner eine Änderung gewünscht. Doch die neue Regelung löst neuen Protest aus.
18. Juni 2017, 08:06 Uhr
Während die Bergwerk-Anwohner sich für die GAZ vor dem sie störenden Verkehrsschild postieren wollen, demonstriert ein Autofahrer aus dem Viertel die gängige Praxis: Das neue Einfahrtverbot wird kurzerhand ignoriert. (Foto: Schepp)

Wenn wir gewusst hatten, was dabei heraus kommt, hätten wir niemals unterschrieben«. Dieser Satz drückt aus, was derzeit etliche Anwohner von Hasenköppel und Bergwerk denken. Gemeint ist eine Unterschriftensammlung, die eine Anwohnerin vor etwa anderthalb Jahren organisiert hatte. Ihren Angaben zufolge haben damals fast alle Grundstückseigner ihren Aufruf mit der Überschrift »Unsere Wohnqualität wieder herstellen und erhalten« gegen die Belastung von Hasenköppel und Bergwerk durch quartierfremden Verkehr unterstützt.

Der Durchgangsverkehr habe durch Studentenwohnheime und das Wohngebiet Schlangenzahl zugenommen, beklagten damals die Unterzeichner. Gerade die schmale Straße Bergwerk, die keinen Bürgersteig hat, sei wegen des hohen Aufkommens an Fußgängern und Radfahrern für Durchgangsverkehr nicht geeignet.

Eine daraufhin von der Stadt veranlasste Verkehrserhebung belegte, dass es tatsächlich – speziell von montags bis donnerstags – in den Morgen- und Vormittagsstunden einen erhöhten Fahrzeugfluss in Richtung des Wohngebietes Schlangenzahl und in den Nachmittagsstunden von dort kommend in Richtung Unterhof gibt.

Eigentlich dürfte es diesen Durchgangsverkehr gar nicht geben. Denn das Tempo-30-Viertel ist rundum mit Durchfahrtverboten mit dem Zusatz »Anlieger frei« ausgeschildert. Es ist aber allgemein bekannt, dass dieses Verbot in der Praxis nicht durchsetzbar ist. Das sieht auch die städtische Straßenverkehrsbehörde so, die deshalb kürzlich dem Drängen aus der Anwohnerschaft nachgab und an entscheidender Stelle ein Verkehrsschild austauschte: Am oberen Ende des Bergwerks prangt nun das Schild »Einfahrt verboten«. Diese unechte Einbahnstraße hat zur Folge, dass die Autofahrer in Hasenköppel und Bergwerk ihr Viertel in Richtung Schwarzacker wie bisher verlassen können, dass sie aber jetzt – etwa für die Rückfahrt vom Einkaufen im Tegut-Markt – den langen Umweg über Wartweg, Aulweg und Leihgesterner Weg im Kauf nehmen müssen.

Mit der Neuregelung sei die von den Anwohnern gewünschte Effekt – die Reduzierung des Durchgangsverkehrs – erreicht worden, versichert der städtische Verkehrskoordinator Ralf Pausch. Die neuerdings notwendigen »Umwegefahrten« der Anwohner erreichten bei weitem nicht den Umfang des echten Durchgangsverkehrs zuvor. Durch ein geringes Fahrzeugaufkommen habe sich also die Verkehrssicherheit erhöht. Verkehrslärm und verkehrsbedingte Abgasbelastungen seien reduziert worden.

Völlig anders bewerten das viele Anwohner in Bergwerk und Hasenköppel. Sie haben in der vergangenen Woche 34 Unterschriften gesammelt und bei der Stadt ihr Verlangen geltend gemacht, die neue Verkehrsführung sofort wieder rückgängig zu machen. »Wir sind doch seit Jahrzehnten zufrieden hier, da war eine Änderung überhaupt nicht nötig«, versichert ein Unterzeichner. Der zwei Kilometer lange Umweg sei nicht zumutbar.

Auch dieser Protest ist allerdings eher theoretischer Natur. Denn in der Praxis wird das neue Einfahrtverbot von Ortskundigen fast durchgängig ignoriert. In der berechtigen Erwartung, dass das Verbot nicht kontrolliert wird, rollen Kraftfahrer aus dem Quartier die gut 100 Meter lange Straße »Bergwerk« hinunter.

Angesichts des Protests aus dem Viertel betonte Verkehrskoordinator Pausch auf GAZ-Anfrage: »Es ist vorgesehen, die Entwicklung für einen längeren Zeitraum zu beobachten und danach die Situation neu zu bewerten. Das Ergebnis dieser Evaluation könnte dann gegebenfalls auch die Wiederherstellung des vorherigen Zustandes bedeuten.«

 

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