Köhler

Köhler wird zum Männerkaufhaus

Anzüge, schicke Schuhe und moderne Hemden sind Ludwig Vordemfelde nicht genug. Der Köhler-Geschäftsführer baut das Herrenmodegeschäft zu einem Männerkaufhaus um.
18. Juni 2017, 09:00 Uhr
Michael Riehl (l.) und Ludwig Vordemfelde wollen auf der ehemaligen Gaston-Fläche bei Köhler Männerträume erfüllen. (Foto: mac)

Wenn sich Ludwig Vordemfelde ärgert, verlässt er das Herrenmodegeschäft Köhler, überquert die Löwengasse und betritt den Laden von Werner Nohl. »Wenn ich schlechte Laune habe, lasse ich mir von ihm ein Messer verkaufen. Danach geht es mir besser«, sagt der Geschäftsführer des traditionsreichen Bekleidungshauses in der Gießener Innenstadt. Schon bald muss Vordemfelde sein Geschäft deshalb nun nicht mehr verlassen. Im Untergeschoss auf der 180 Quadratmeter großen ehemaligen Gaston-Fläche eröffnen Michael und Daniela Riehl am 29. Juli »Das Herrengut«. Im Sortiment: »Alles, was der Mann nicht braucht, aber unbedingt haben will«, sagt Riehl. Der Herrenaustatter Köhler wird nach der Eröffnung des Barber-Shops vor zwei Jahren so nun endgültig zum Männerkaufhaus.

Mir geht es nicht darum, mehr Geld zu verdienen, aber darum, mehr Männer im Haus zu haben

Ludwig Vordemfelde, Köhler

Vordemfelde macht keinen Hehl daraus, dass die Entscheidung, die Fläche unterzuvermieten, auch eine unternehmerische Notwendigkeit war. »Wir halten uns stabil, aber wir machen zehn Prozent weniger Umsatz als zur Hochzeit Anfang der 2000er. Mir geht es aber nicht darum, mehr Geld zu verdienen, sondern darum, mehr Männer im Haus zu haben«, sagt der Chef. Die Gründe für den leichten Rückgang? »Bekleidungsregeln sind nicht mehr streng.

Die Zeiten, in denen Anzüge schon aus formalen Gründen gefragt waren, sind vorbei«, sagt Vordemfelde. Männermode sei gerade nicht so das große Thema und wecke kaum Begehrlichkeiten.

Anders sieht es da mit dem Herrengut-Sortiment aus: Grills und Küchenmaschinen bis zum High-End-Produkt, hochwertige Töpfe, Messer und Reiben, Espresso, Spirituosen und Gewürze sowie Siebträgermaschinen und andere Technikraffinessen. »Spielzeug für den Mann, einzigartige Produkte, die Emotionen wecken«, erklärt Riehl. Auch Grillseminare finden statt. Filialleiter wird Koch Till Hadwiger, der zuletzt das Food-Start-up »Bosseln und Kallen« mitaufgebaut hatte, sich dort aber zurückzieht.

Grills sind längst Statussymbol

Gemeinsam mit seiner Frau hat Riehl vor fünf Jahren auf dem Land in Hachborn das »Wohngut« eröffnet. »Gute Freunde haben uns damals belächelt, aber es funktioniert«. Die Kundschaft in Hachborn? 85 Prozent Frauen. Bei Köhler soll nun das Pendant für die Männer entstehen. Die Warenpräsentation wesentlich klarer strukturiert und reduzierter im Design. Der Zeitpunkt dürfte passen: Grills und das jeweilige Zubehör sind längst Statussymbol. In Großstädten eröffnen Grillshops in zum Teil beachtlicher Größe und Lage.

Vordemfelde spielte schon lange mit dem Gedanken, über die Mode hinaus bei Köhler Dinge anzubieten, die »Männern Spaß machen«. »Mir war klar, dass wir etwas finden müssen, das uns befruchtet, weil wir ein Frequenzproblem haben. Ich bin glücklich, dass das gelungen ist«, betont er. Die Chemie zwischen ihm und seinem neuen Geschäftspartner stimmt. »Es gibt eine große Schnittmenge in unseren Zielgruppen«, sagt Riehl, der den vom Einkauf gestressten Männern mit dem Herrengut auch eine Art Aufladestation für den weiteren Stadtbummel sein will. »Es wird auch Espresso geben«, sagt er und lacht. Er kennt das Er-Sie-Problem beim Einkaufen offenbar aus eigener Erfahrung.

Und Vordemfelde? Freut er sich auch auf eine Auszeit im Untergeschoss? Geht da ein Traum in Erfüllung? Er gibt immerhin zu, dass er empfänglicher wird für die Dinge, die dort bald angeboten werden. Einen hochwertigen Grill besitzt er schon, für Küchenreiben kann er sich mit zunehmendem Alter immer mehr begeistern. Und Messer? »Ich habe so viele Messer von Herrn Nohl.«

Wohngut in Hachborn

Verpackungsprobleme

Kunden des Wohnguts in Hachborn schätzen, dass die dort gekauften Artikel auf Wunsch von den Verkäuferinnen aufwendig eingepackt werden. Chefin Daniela Riehl achtet genau darauf, dass die Schleifen sitzen und die Verpackung stimmt. In Gießen im Herrengut werden aber vorwiegend Männer arbeiten. »Wir wussten, dass wir das mit Männern nie hinbekommen würden«, sagt Michael Riehl und lacht. Die Lösung: »Es wird Säcke aus Leinen oder Papier geben, die mit einer kleinen Maschine zugenäht werden.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anzüge
  • Espresso
  • Grills
  • Hemden
  • Schuhe
  • Marc Schäfer
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.