Unfallflucht

Wenn der Täter flüchtet

Jeden Tag das Gleiche: Irgendwo in Gießen ist ein geparktes Auto beschädigt worden, vom Unfallverursacher fehlt jede Spur, die Polizei bittet um Hinweise. Nur: Bringt das etwas?
12. August 2017, 14:00 Uhr

Abstand unterschätzt, und schon ist der Außenspiegel ab – kennt fast jeder, ist ärgerlich, teuer und zeitaufwendig. Denn egal, wie unscheinbar der Kratzer auch ist, der Unfallverursacher darf nicht einfach einen Zettel hinterlassen und davonfahren.

Macht er es doch, begeht er Unfallflucht – und das ist eine Straftat, betont Jörg Reinemer, Sprecher der Polizeidirektion in Gießen. Die Strafen für das »Unerlaubte Entfernen vom Unfallort« seien nicht ohne: Punkte sowie eine Geldstrafe gebe es ohnehin, in vielen Fällen drohe auch der Entzug des Führerscheins.

"Angemessene Zeit" warten

Wenn es also zu einem Unfall kommt, was ist zu tun? Der Unfallverursacher muss »eine angemessene Zeit« warten, bis der Nutzer des beschädigten Autos zurückkommt. So steht es im Gesetz. Nicht geregelt ist jedoch, wie lange genau »angemessen« ist.

»Man kann natürlich nicht erwarten, dass die Unfallverursacher stundenlang neben dem beschädigten Auto warten«, stellt der Polizeisprecher klar. Gleichzeitig betont er: »Es reicht nicht, einen Zettel am beschädigten Auto zu hinterlassen.« Das Stück Papier könne schließlich nass oder vom Wind weggeblasen werden. Das einzig richtige Verhalten sei daher, die Polizei zu verständigen.

»Es war doch nur ein Kratzer«

»Leider geschieht das nicht immer«, sagt Reinemer . Dafür hätten die Unfallverursacher, wenn sie denn im Nachgang ermittelt werden können, nicht selten eine Ausrede parat. »War doch nur ein Kratzer« zum Beispiel, »ich habe doch einen Zettel angebracht« oder aber »Ich habe gar nichts gemerkt«.

Letzteres werde nicht selten widerlegt, sagt Reinemer. »Zum Beispiel durch Zeugen, die beobachtet haben, wie der Unfallverursacher ausgestiegen ist, den Schaden begutachtet hat und dann einfach weiter gefahren ist.« Manchmal werde auch ein Sachverständiger zurate gezogen, der nachweisen kann, ob der Unfallverursacher tatsächlich nichts vom Zusammenstoß gemerkt hat.

Mehr kleinere Blechschäden

Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt: Die Zahl der Unfallfluchten war in den vergangenen beiden Jahren deutlich höher als die Jahre zuvor. Und laut Reinemer wächst der Anteil der kleineren Blechschäden. Ein Grund dafür sei, dass die Autos in den letzten Jahren immer größer würden, die öffentlichen Parkplätze jedoch nicht.

Reinemer betont, dass die Polizei auch bei kleineren Schäden viel Energie in die Ermittlung der Unfallflüchtigen stecke. Der Grund: »Auch unscheinbare Schäden können für den Fahrzeughalter sehr teuer werden. Wer keinen vollumfänglichen Versicherungsschutz hat, bleibt auf den Kosten sitzen.« Unfallflucht kann also teuer werden – für beide Seiten. (Foto: dpa)

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