Elterntaxi

Stoppschild für das Elterntaxi

Es gibt Eltern, die ihren Kindern bis in den Klassenraum folgen. Die Stadt plant deshalb nun ein Pilotprojekt zum begleiteten Schulweg.
12. August 2017, 09:00 Uhr

Schulanfänger sind Verkehrsanfänger. Darauf verweist Jörg Reinemer. Der Sprecher der Gießener Polizei rät den Eltern künftiger Erstklässler, bei der Vorbereitung der ersten Unterrichtstage auch den Schulweg nicht zu vergessen. »Der Start ins Schulleben bringt die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit mit sich«, sagt Reinemer. Er meint das durchaus wörtlich.

Papa und Mama bringen Kinder in Gefahr

Beim Thema Schulweg hat sich längst das sogenannte Elterntaxi als großes Problem erwiesen. Die Polizei meint, dass sich die Gefahren auf dem Schulweg gerade dadurch erhöhten, dass zu viele Eltern ihre Kinder direkt vor dem Schulgebäude absetzen wollen. Damit bringen Eltern ihre Kinder in Gefahr und rauben dem Nachwuchs zudem wichtige Erfahrungen. Kinder, die ihren Schulweg zu Fuß zurücklegen, würden lernen, eigenständig auf kleinere Gefahrensituationen zu reagieren, sagt Reinemer. Außerdem: »Das Laufen tut den Kindern gut, weil frische Luft und Bewegung vor dem Unterricht die Konzentration erhöhen«, erklärt der Polizeisprecher.

Das Laufen tut den Kindern gut

Polizeisprecher Jörg Reinemer
Auch bei der Stadt genießt die Frage, wie Grundschulkinder ihren Schulweg sicher gestalten können, hohe Priorität. Im Rahmen des Förderprogramms »Soziale Stadt« möchte der Magistrat ein Pilotprojekt an der Grundschule West zum Thema Schulweg ins Leben rufen. »Start ist im Herbst, sofern es eine Zusage für die Pläne gibt«, sagt Stadträtin Astrid Eibelshäuser.
Auch sie ist mit dem Hol- und Bringdienst der Eltern vor den Schulen nicht glücklich. Das Elterntaxi stelle Gefahrenpunkte dar, »denen es zu begegnen gilt«. Teil des Projekts wird daher aller Voraussicht nach auch ein Parkplatz im weiteren Umfeld der Schule sein, an dem die Kinder ein- und aussteigen können. Die Grundschule in der Weststadt sei besonders für das Pilotprojekt geeignet, da sich dort die Gefährdungssituation durch die im neuen Schuljahr beginnende Sanierung und den Neubau der Mensa noch erhöhen werde.
 

Rückstau an Elternfahrzeugen

Vor diesem Hintergrund soll modellhaft erprobt werden, wie Schulwege im Westen der Stadt von Kindern gemeinsam absolviert werden können, auf welche Art Eltern nach Absprache Kinder begleiten, wo gegebenenfalls Veränderungen im Straßenverkehr notwendig sind und wo Hilfe-Inseln entstehen könnten. »Es soll nicht der Eindruck entstehen, als ob wir mit dem Projekt Schule und Eltern belehren wollen«, stellt Eibelshäuser klar.
Nach den Vorstellungen der Stadträtin soll ein Gesamtkonzept entstehen, in das Schule, Eltern und Kinder eingebunden sind. »Die Eltern müssen ein gutes Gefühl dabei haben und die Kinder sollen gerne auf dem Schulweg unterwegs sein«, sagt die Dezernentin. Dabei soll es beispielsweise darum gehen, was Kindern auf ihrem Schulweg besonders viel Spaß macht und wo sie sich möglicherweise unsicher oder gar bedroht fühlen. »Es reicht nicht aus, nur einen Platz zum Abholen und zum Bringen zu finden«, verdeutlicht die Dezernentin.

Gelbe Linie als Stoppsignal

Dass der sichere Schulweg auch an der Korczak-Schule ein wichtiges Thema ist, bestätigt Matthias Fink. »Viele unserer Kinder kommen zu Fuß, mit Rad oder Roller in die Schule«, berichtet der Rektor der Grundschule am Alten Steinbacher Weg. Allerdings gebe es nach wie vor zahlreiche Eltern, die ihr Kind mit dem Auto absetzen. »Das führt vor allem nachmittags zu einem Rückstau an Elternfahrzeugen«. Da etliche Korczak-Schüler nicht in der unmittelbaren Umgebung wohnen, kann der Rektor in solchen Fällen den Bringdienst per Mama- oder Papa-Taxi nachvollziehen.

Grundsätzlich hätten einige Eltern Probleme damit, Kinder »Stück für Stück« loszulassen. »Manche haben ihren Nachwuchs bis ins Klassenzimmer begleitet und dort Dinge erledigt, die die Schüler problemlos selbst hinbekommen.« Auch aus diesem Grund habe die Schule vor zwei Jahren mit dem Elternbeirat beschlossen, im Eingangsbereich eine gelbe Linie als Stoppsignal für Eltern anzubringen.
Die Markierung habe symbolische Bedeutung: Ab hier schaffe ich es alleine. »Manchen hat das nicht gefallen«, räumt Fink ein. Die Selbstständigkeit der Schüler habe dadurch jedoch zugenommen. (Foto: pd)

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