Langer Hals, dicker Bauch

03. Mai 2017, 20:40 Uhr
Bei Bierflaschen geht der Trend zu stark unterschiedlichen Formen und Größen.

München (dpa). Wer im Getränkemarkt ins Bierregal schaut, findet viele verschiedene Flaschen: Mit langem Hals, dickem Bauch oder Schriftzug im Glas. Im deutschen Pfandsystem müssen sie am Ende alle auseinandersortiert werden – kleine Brauereien sehen da zunehmend ein Problem.

Die Flaschen wechseln im Pfandsystem für gewöhnlich zwischen den Unternehmen hin und her. Doch immer mehr Flaschen können nur noch von einzelnen Brauereien befüllt werden. »Diese individualisierten Flaschen sind dem Mehrweg-System damit quasi entzogen«, sagt Detlef Projahn, Präsident des Verbands Private Brauereien und Chef der Vereinsbrauerei Apolda in Thüringen.

Das Sortieren der Pfandflaschen wird vom Getränkefachgroßhandel mit speziellen Maschinen übernommen. Einige Brauereien sortieren die verschiedenen Flaschen aber auch selbst aus ihren Kästen heraus. Bezahlt wird die Sortierleistung in beiden Fällen von den Brauereien. Der Aufwand werde immer größer: »Es gibt einen klaren Trend hin zur individualisierten Flasche«, sagt Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe. »Statt früher drei Leuten müssen bei uns nun fünf Mitarbeiter die Flaschen sortieren«, berichtet Projahn.

Speziell bei kleinen Brauereien verursacht das höhere Kosten, denn nach der Sortierung müssen die Brauereien die für sie unpässlichen Flaschen wieder loswerden.

Projahn erklärt das Problem anhand seiner Brauerei: »Ich verkaufe jede Woche rund 26 000 Pfandflaschen, die ich selbst bei der Abfüllung nicht gebrauchen kann.« Die Käufer sind in diesem Fall Firmen, die sich auf das Sortieren und Beliefern der Brauereien mit passenden Pullen spezialisiert haben. Das Problem: Während die Brauerei bei der Rückkehr der Flasche acht Cent Pfandwert zahlen musste, erhält Projahn beim Weiterverkauf der falschen Flasche an ein Sortierunternehmen nur rund drei Cent dafür – und macht allein durch den unrentablen Verkauf jede Woche 1300 Euro Verlust.

Je mehr große Brauereien sich für individuelle Flaschen entscheiden, desto größer werde das Problem für kleine Brauereien, sagt auch Projahn. Ende 2016 hat auch Krombacher eine neue 0,5-Liter-Flasche eingeführt. Prägungen im Glas machen das Gebinde unverwechselbar – und damit unbrauchbar für alle anderen Brauereien. 130 Millionen dieser Flaschen hat das Unternehmen auf den Markt gebracht.

Rund 60 Millionen herkömmlicher Flaschen habe Krombacher in den Jahren 2014 und 2015 neu ins System eingespeist, um die abgenutzten Flaschen im Kreislauf zu ersetzen. Dabei wollte man sich der Unterstützung anderer Brauereien versichern. Denn gerade die kleinen Brauereien profitierten von diesen Investitionen. Eine Einigung kam nicht zustande – und Krombacher wählte wie viele andere Branchengrößen den eigenen Weg mit eigenen Flaschen.

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