Heute oder morgen?

04. Oktober 2017, 20:03 Uhr

Mannheim (dpa). Einmal im Jahr erinnert der Weltspartag an die Bedeutung des Sparens. Dabei ist es in der Praxis oft gar nicht so einfach, regelmäßig Geld beiseite zu legen. Doch man kann sich selber überlisten. Der Trick ist simpel, aber effektiv: Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Wahl: Entweder Sie bekommen heute sofort einen Apfel oder Sie bekommen morgen zwei Äpfel. Dies ist eine Frage von Geduld und Ungeduld. Wer in einem solchen Fall wie entscheidet, wird unter anderem von den Zeitpräferenzen beeinflusst, erklärt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. »Unsere Zeitpräferenzen bestimmen, wie wir heutige und zukünftige Ereignisse miteinander vergleichen und gegeneinander abwägen.«

»Ob und wie viel wir sparen, ist ein Entscheidungsproblem«, erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. »Wir müssen zwischen jetzigem und zukünftigem Konsum abwägen. Das Geld, das wir heute schon ausgeben, steht uns nämlich morgen nicht mehr zur Verfügung.«

Im Alltag werden Sparanstrengungen oft wieder eingestellt oder verschoben. »Wir leben im Hier und Jetzt«, erklärt die Finanzpsychologin Monika Müller. »Wenn wir Geld übrig haben und es vielleicht für etwas Schönes ausgeben, löst das ein gutes Gefühl aus.« Das Geld beiseite zu legen, sei hingegen sehr abstrakt und daher auch nicht mit positiven Emotionen verbunden.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen, zeigen dieses Phänomen auf. So wurden in einem Experiment Angestellte einer Firma gefragt, welchen Snack sie lieber haben wollen, einen gesunden aus Obst oder einen ungesunden aus Schokolade. 74 Prozent der Teilnehmer gaben demnach an, das gesunde Obst zu bevorzugen. Am Tag, an dem der Snack verteilt wurde, fragten die Forscher erneut: Gesund oder ungesund? Das Ergebnis: Nur noch 30 Prozent der Teilnehmer griffen zu Obst, 70 Prozent entschieden sich für die Schokolade. Die Teilnehmer hatten also ihre Entscheidung geändert.

Fehlende Selbstkontrolle

Auf das Sparen lässt sich ein solches Verhalten übertragen. Weber und Becker sprechen von mangelnder Selbstkontrolle: »Obwohl man sparen möchte, tut man es nicht.« Begünstigt wird diese Tendenz aus Sicht von Oelmann durch die niedrigen Zinsen. »In der aktuellen Niedrigzinsphase werden sicherheitsorientierte Sparer nicht belohnt.«

Deshalb sollte man am besten einen Sparplan anlegen. Weber spricht von einer Selbstverpflichtung. »Das kann leichter fallen, wenn Sie sich vorstellen, was genau Sie mit dem Geld später alles machen können«, rät auch Finanzpsychologin Müller.

Insgesamt bleibt die Sparquote in Deutschland aber stabil, hat der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken aus Anlass des bevorstehenden Weltspartages (30. Oktober) ermittelt. So legten die Bundesbürger im Frühjahr 2017 im Schnitt 9,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens beiseite. Die Sparquote war damit ähnlich hoch wie in den Jahren 2015 und 2016.

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