Drei Jahre Haft für Überfall auf Fitness-Studio

16. März 2013, 11:48 Uhr
Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen.

Die 39-jährige Mitarbeiterin eines Alsfelder Fitnessstudios war am 18. Dezember des vergangenen Jahres von der Angeklagten niedergeschlagen worden, konnte die Frau aber dann überwältigen. Das Gericht verurteilte die Täterin, die Geld für ihre pflegebedürftige Mutter gebraucht haben will, zu drei Jahren Gefängnis. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

»Ich habe immer Bilder von meinen Kindern gesehen und hatte Angst, dass mein Leben zu Ende ist«, schilderte das sichtlich aufgewühlte Tatopfer dem Gericht. Als die Schläge irgendwann aufhörten, sei sie wieder aufgestanden und habe versucht, der vermummten Person die Eisenstange zu entwenden. Dabei habe sie bemerkt, dass es sich bei dem Angreifer um eine Frau gehandelt habe. »Gehen Sie doch einfach, ich habe sie doch noch nicht erkannt«, habe sie der Unbekannten zugerufen, aber die habe nicht von ihr abgelassen.

Bei diesem Gerangel sei ihr ein auf dem Boden liegendes Messer aufgefallen, das sie ergriffen und der Angreiferin zunächst vergeblich damit gedroht habe. Obwohl sie schließlich kleine Stiche in Oberarm und Oberschenkel der Frau gesetzt habe, ließ die sie trotzdem nicht los. Auch Hilfeschreie brachten nichts. In ihrer Not habe sie schließlich »einmal fester« in die Schulter der Unbekannten gestochen, die danach in sich zusammengesackt war. Dann der Schock: Die Angreiferin war ein Mitglied desselben Fitnessstudios, vor dem sich der Überfall ereignet hatte. Die 30-jährige Täterin habe durch die Messerstiche »geblutet wie verrückt«, sagte die Alsfelderin. Deshalb habe sie die Angeklagte ins Krankenhaus gefahren. Diese habe berichtet, dass sie verzweifelt gewesen sei und die Tat begangen habe, weil sie Geld für das Pflegeheim ihrer Mutter benötigte, gab das Tatopfer an.

Sie selbst hatte zwei gebrochene Finger sowie etliche Hämatome und Prellungen davongetragen, sagte die 39-Jährige. Bis zum heutigen Tag könne sie nicht mehr durch die Eingangstür – dort war sie angegriffen worden – das Fitnessstudio betreten. Sie arbeite auch nicht mehr als Servicekraft, sondern in einem anderen Bereich des Studios.

Doch Privatschulden als Grund?

Die Angeklagte hatte die Tat zugegeben. Allerdings hatte die Frau vor Gericht behauptet, sich sehr spontan für den Überfall entschieden zu haben. Sie sei kurz zuvor von einem Bekannten abgewiesen worden, mit dem sie den Abend verbringen wollte. Dadurch sei »die Sache mit der Mutter wieder hochgekommen«. Diese befindet sich laut der Angeklagten in einem Pflegeheim. Das Sozialamt trage aber nicht die vollen Kosten des Aufenthalts, sondern verlange von ihrem Vater einen monatlichen Zuschuss. Weil dieser den nicht geleistet habe, drohe das Heim angeblich damit, »die Mutter auf die Straße zu setzen«.

Deshalb habe sie Geld beschaffen wollen, sich zuhause mit dem Metallrohr eines Staubsaugers und einem Küchemesser bewaffnet und sei damit zu dem Fitnessstudio gefahren. Sie selbst habe während der Tat unter Schock gestanden, sich geschämt und nur noch versucht, ihr Gesicht vor dem Opfer zu verbergen.

Das Gericht wies die Angeklagte daraufhin, dass sie sich bei der Polizei und vor der Haftrichterin anders geäußert habe. Sie habe dort erzählt, das Geld für die Tilgung privater Schulden benötigt zu haben. Außerdem habe sie den Beamten berichtet, sich schon am frühen Abend zu der Tat entschlossen zu haben. Dies sei auch sehr viel »lebensnäher«, betonte Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze. Außerdem wunderte sich die Kammer darüber, dass die Angeklagte ausgerechnet eine Mitarbeiterin des Fitnessstudios überfallen hatte, bei dem sie selbst jahrelang Mitglied war.

Damit das Opfer sie nicht an der Stimme erkennen konnte, habe sie einen Zettel geschrieben, auf dem sie »das ganze Geld« verlangt habe, erläuterte die Täterin. Warum sie dann jedoch eigenen Angaben zufolge diesen Zettel und das Messer »auf den Boden geschmissen« und wortlos mit dem Metallrohr auf die 39-Jährige eingeschlagen hatte, konnte die Angeklagte der Kammer nicht beantworten.

Es sehe so aus, als habe die Frau erstmal auf das Opfer eingeprügelt, um es einzuschüchtern, bevor der Zettel zum Einsatz kommen sollte, vermutete Staatsanwalt Klaus Bender. Er plädierte auf eine dreijährige Haftstrafe wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Auch Klaus Dippell, der das Tatopfer als Nebenkläger vertreten hatte, verlangte eine mehrjährige Haftstrafe. Verteidiger Ralf Lämmer plädierte auf eine zweijährige Bewährungsstrafe. Die Kammer folgte dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Alles andere wäre angesichts der angewandten Gewalt »völlig unangemessen«, sagte Enders-Kunze.

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