Alsfeld

Vor Landgericht: 1000 Euro von Kumpel geraubt?

26. September 2014, 17:58 Uhr
Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen.

Diese Frage konnte auch am zweiten Verhandlungstag vor der Siebten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts noch nicht geklärt werden. Nur für das potenzielle Opfer, das sich am Freitag äußerte, ist die Sache klar: Der Angeklagte, »der wohl doch kein Freund war«, habe ihn vergangenen Herbst in Alsfeld ausgeraubt, dabei ein Messer an seine Kehle gehalten.

Angefangen hatte dieser Herbsttag – an das genaue Datum konnte sich der 25-Jährige nicht mehr erinnern – noch recht harmonisch: Gemeinsam mit dem um ein Jahr jüngeren Kumpel hatte er »Holz gemacht«. Die Scheite mussten dann auf die Anhänger der Kunden verladen werden. Für stolze 1000 Euro verkaufte der Alsfelder sein Brennmaterial. Da sollte auch sein Kumpel nicht leer ausgehen: 100 Euro habe er dem 24-Jährigen eigentlich für dessen Hilfe geben wollen. Da der aber zwischenzeitlich einfach weggegangen war, obwohl die Arbeit noch nicht erledigt war, entschied er, dass 50 Euro genug seien. Und genau das wurde ihm nach eigener Darstellung zum Verhängnis: Sein Kumpel wurde wütend, habe ihn an eine Mauer gedrückt und ihn gleichzeitig mit einem Messer bedroht, berichtete der Zeuge.

Freundin und Kind bedroht

Dann habe der Angeklagte ihn gezwungen, das Portemonnaie zu öffnen, die 1000 Euro herausgenommen und sei mit dem Geld davongerannt. Wüste Bedrohungen habe der 24-Jährige noch ausgestoßen: »Sollte ich zur Polizei gehen, müsste ich aufpassen, dass meiner Freundin und meinem Kind nichts passiert«, schilderte das potenzielle Opfer. Darüber sei er so erschrocken gewesen, dass er die Tat tatsächlich erst Monate später anzeigte. Um Partnerin und Kind zu schützen, habe er den Polizeibeamten auch zunächst verschwiegen, dass seine Freundin die Tat aus der Distanz beobachtet habe. »Ich wollte die Familie raushalten.«

Staatsanwältin Dr. Julia Michel wunderte sich, dass der Mann in der Zwischenzeit trotzdem den Angeklagten aufgesucht hatte und dabei von diesem verletzt worden sein will. Er habe die Drohungen »irgendwann nicht mehr hinnehmen können«, seinen ganzen Mut zusammengenommen und sei »spontan« bei dem 24-Jährigen vorbeigelaufen, begründete der Zeuge sein Verhalten. Verteidiger Ralf Lämmer bezweifelte, dass es jemals einen Raub gab. Dagegen spreche, dass das Opfer »extreme Probleme hat, sich konkret zu erinnern«. Bei der Polizei etwa habe der Mann behauptet, der Angeklagte ihm die Geldbörse aus der Hand gerissen und nach hinten auf den Boden geworfen. Davon habe der Zeuge vor Gericht nichts mehr gesagt.

Aus Sicht des Angeklagten war die Tat kein Raub, sondern schlicht ein Betrug. Sein Kumpel, der »ständig drauf« gewesen sei, habe ihm die 1000 Euro gegeben, um davon Haschisch zu kaufen. Schon zum Prozessauftakt hatte er eingeräumt, das Geld zwar genommen, aber für sich verprasst zu haben. Zu seinem eigenen Drogenkonsum wollte das Opfer »lieber nichts sagen«.

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