Landwirtschaft

Zwei junge Männer schwimmen gegen den Strom

Sie schwimmen gegen den Trend. Aber Landwirtschaft ist das, was sie machen wollen. Simon Sommer und Henning Rüger wissen, dass sie sehr gut sein müssen, um in der Branche zu überleben.
19. April 2017, 12:00 Uhr
Wollen sich gerne eine Zukunft in der Landwirtschaft aufbauen: Simon Sommer und Henning Rüger (rechts) auf dem »Futtertisch« im Stall der Familie Lein. (Foto: jol)

Henning Rüger kommt aus der Landwirtschaft. Und der 19-Jährige kann sich trotz der Schwierigkeiten der Branche vorstellen, einmal den Hof seiner Eltern in Eudorf zu übernehmen. Aber er sorgt sich, dass die dauernd steigenden Preise für Ackerland ihm die Zukunft verbauen. Denn in schlechten Jahren kann eine hohe Pacht ein Problem werden.

Simon Sommer ist als Seiteneinsteiger etwas untypisch im Bauernstand. Er absolviert zur Zeit den praktischen Teil des Landwirtschaftsstudiums auf dem Betrieb Lein in Bleidenrod. Schon in der Jugend war Landwirtschaft seine Leidenschaft, erzählt der 22-Jährige. Deshalb schaffte die Familie Schafe an, pachtete Land und kaufte sich einen Schlepper.

Trotz des unterschiedlichen Hintergrunds sind sich die jungen Männer einig: Sie machen die Arbeit auf dem Hof gerne, einen Bürojob können sie sich kaum vorstellen. Man kann sich die Arbeit einteilen, ist viel draußen und sieht am Abend, was man geschafft hat, sagen sie übereinstimmend.


"Was ich mache, mache ich mit Leidenschaft"

Sommer meint, es ist kein klassischer Job von 8 bis 16 Uhr, »aber was ich mache, das mache ich mit Leidenschaft«. Der normale Arbeitstag geht von 6.15 bis 18 Uhr, in der Erntezeit ist erst nach 22 Uhr Schluss. Positiv sei es, dass die Familie Lein die Stallarbeit am Sonntag aufteilt, so dass jeder mal frei hat. In anderen Betrieben müsse man dagegen an sieben Tagen pro Woche ran.

Rüger ist von 7 bis 19 Uhr auf den Füßen. Im Unterschied zum Betrieb Lein in Bleidenrod sind im Stall der Maulbacher Familie Luft Melkroboter am Werk. Das entlastet beim Melken, aber es gibt auch so noch genug zu tun. Er schätzt es, dass er bei Bedarf ein paar Stunden frei bekommt, »wenn ich mal einen Vormittag etwas zu tun habe, dann kann ich auch mal weg«. Die Arbeit in Stall und auf dem Schlepper macht er sehr gerne, sagt er. Er kennt das Handwerk von Kindesbeinen an, die Rügers haben einen Bullenmastbetrieb mit 250 Tieren und Ackerbau. Der Wechsel zum Betrieb in Maulbach rundet die Ausbildung ab, denn alles rund um Geburt und Aufzucht von Rindern ist Pflicht für angehende Viehhalter.


Problem: Nicht genug Land

Was ihre Zukunft angeht, schauen sie skeptisch auf die Entwicklungen der Branche. »Du kannst in der Praxis so gut sein wie du willst, aber wenn du kein Land mehr hast oder du legst bei den Tieren drauf, dann geht es nicht,« überlegt Rüger. Im Bereich um Eudorf sei es schwierig, weiteres Land zu bekommen. Und wachsen muss ein Betrieb, davon ist der 19-Jährige überzeugt. Sonst kann er künftig bei den Verkaufspreisen nicht mithalten. Sommer sieht sich nach seinem Studium als Betriebsleiter, eine Karriere in einem Landwirtschaftsamt kann er sich nicht vorstellen. Eventuell kann er in einen Betrieb »hinein heiraten«, rät Betriebsleiter Volker Lein mit einem Augenzwinkern.

Wichtig ist den beiden Jung-Landwirten die Wertschätzung durch die Gesellschaft. Das gilt für die Preise, aber auch für die Akzeptanz der Arbeitsweise. So meint Rüger, der Verbraucher müsse bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.


Ohne Wachstum geht es nicht


Ansonsten habe die deutsche Landwirtschaft ein ernstes Problem. Sommer ergänzt, dass es für viele Leute immer das neueste iPhone sein muss, »aber wenn sie Fleischwurst kaufen, dann im Sonderangebot beim Discounter«. Er hofft, mit geprüfter Qualität aus der Region zu punkten. So sind die Kunden gerne bereit, für sein Lammfleisch aus eigener Haltung mehr zu zahlen, weil sie wissen, woher es stammt. »Aber die Masse achtet nicht darauf, das hat auch etwas mit geringer Wertschätzung der Produkte zu tun,« meint Henning Rüger.

Das betrifft auch das Handwerkliche, die Junglandwirte berichten übereinstimmend von missbilligenden Blicken der Passanten, wenn sie mit der Feldspritze auf den Acker fahren. Dabei sei der Tank fast randvoll mit Wasser und enthalte nur einen Eimer Spritzmittel. Das sei vielen Leuten gar nicht klar, erläutert Sommer. Beide stellen fest, dass die Verbundenheit im Dorf mit der Landwirtschaft geringer wird. Viele ältere Bewohner haben früher selbst eine kleine Landwirtschaft betrieben. Sie schauen immer noch mit Freude den Schleppern auf dem Weg ins Feld hinterher. Aber in der jüngeren Generation gebe es einige, die Landwirten nicht mehr das Gefühl geben, im Dorf erwünscht zu sein.

Wo sehen sie sich in zehn Jahren? Rüger braucht nicht lange überlegen, »wenn Akzeptanz für Landwirtschaft besteht und auskömmliche Preise für Lebensmittel gezahlt werden, sehe ich mich mit Freuden einen Betrieb führen«. Sommer will Betriebsleiter werden, »vielleicht mit einer Partnerin mit Bauernhof«. Landwirtschaft »ist das, wofür ich mich begeistere – und das soll man doch auch machen.«

Info

Zwei junge Landwirte

Henning Rüger (19) ist im zweiten Lehrjahr beim Milchvieh-Betrieb Luft in Homberg-Maulbach, um Geburt und Aufzucht von Rindern zu lernen. Der elterliche Betrieb betreibt Bullenmast und Ackerbau in Alsfeld-Eudorf. Simon Sommer (22) studiert Landwirtschaft an der Hochschule in Triesdorf, Teil der Hochschule Weihenstephan. Das Studium beinhaltet einen praktischen Teil, der die Ausbildung zum Landwirt abdeckt. Deshalb ist er bis Ende September im Betrieb Lein in Homberg-Bleidenrod tätig. Der Hof umfasst Milchvieh, Futterbau und hat eine kleine Biogas-Anlage.

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