Künanzhaus

Auf der Suche nach Bestäubergemeinschaften

Früher haben sich die Forscher mit dem Schwarzen Apollo befasst, jetzt haben sie Bergmähwiesen im Blick. Denn der Schmetterling ist im Vogelsberg ausgestorben.
19. Mai 2017, 17:00 Uhr
Der Schmetterling Schwarzer Apollo ist im Vogelsberg ausgestorben. Im Künanzhaus erinnert nur noch eine Schmetterlingssammlung an sein Vorkommen. (Fotos: au)

»Der Wandel ist global, die Wirkungen sind regional«. So schrieb Volkmar Wolters bereits vor zehn Jahren in der Zeitschrift »Gesellschaft für Ökologie«. Und um Wandel und Wirkung zu erforschen hielt der Professor für Tierökologie und spezielle Zoologie an der Universität Gießen das Künanzhaus auf dem Hoherodskopf als einen kleinen Baustein für wichtig. Früher wurde dort unter anderem das Vorkommen des Schwarzen Apollo erforscht, mittlerweile gilt der bis zu sechs Zentimeter große Schmetterling in der Region als ausgestorben. Vorkommen sind noch in der Rhön nachgewiesen. Heute beschäftigt man sich im wieder belebten Künanzhaus mit den Bestäubergemeinschaften von Bergmähwiesen im Hohen Vogelsberg, um den Einfluss von Landnutzung und Höhengradient zu erfahren. Dies geschieht in Kooperation mit dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg.

Zum zweiten Mal trafen sich jetzt knapp 20 »Alt-Künanzler«, so nennen sich die ehemaligen Gießener Studenten oder eng mit dem Haus verbundene Personen im Künanzhaus. Erfreut waren die Ehemaligen das mit Dr. Frank Jauker und Bernhard Christof seit dem Vorjahr wieder Leben im Künanzhaus herrscht. So beschäftigt sich Dr. Jauker momentan mit den Bestäubergemeinschaften von Bergmähwiesen, und dazu gab es schon im letzten Jahr eine Masterarbeit und drei Bachelorarbeiten mit Basis im Künanzhaus. Die Masterarbeit war von Bernhard Chris-tof, mit dem Dr. Jauker auch die Auswahl für die diesjährigen Flächen für weitere zwei Masterarbeiten und drei Bachelorarbeiten getroffen hat.

Sammlung von Bälgen und Schädeln

Es waren bewegende Momente nach so langer Zeit wieder an den Ort ihres Wirkens zurückzukehren. Besonders die alten Fotoalben sorgten für viele lustige Kommentare und viel Gesprächsstoff beim von Dr. Gerhard Burghardt zum zweiten Mal organisierten Treffen. Für Dr. Burghardt war dieses Treffen nicht das einzige Highlight im Vogelsberg, denn er feierte danach seinen 69. Geburtstag in Schotten-Breungeshain, und die Studenten erhielten von den Vogelsbergern den Ehrennamen »Die Mückefänger«. Der Jubilar war in der Promotion über Wanzen befragt worden und ist heute mit Wohnung in Berlin einer der wenigen Wanzologen, die diese äußerst interessante Insektengruppe in Deutschland bearbeiten. Die Wanzen des Vogelsberges haben durch ihn in der Wissenschaft Platz gefunden.

Preise für das Künanzhaus

Das »Künanzhaus« hatte in früheren Jahren einen sehr hohen Stellenwert auf dem Gebiet der heimatlichen Naturkunde. So würdigte der Verein für Naturkunde in Osthessen die Verdienste um die heimatliche Naturkunde mit dem »Martin-Goldschmidt-Preis« der damals mit 500 DM dotiert war. Im Jahre 1987 verlieh der Vogelsbergkreis dem damals bestehenden »Verein der Freunde und Förderer des Künanzhauses« für besonders herausragende Leistungen auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes den Umweltschutzpreis 1987 der mit 5000 DM dotiert war. Der Verein ist inzwischen aufgelöst worden und das noch bestehende Guthaben dem Naturschutzgroßprojekt zugeführt worden.

Im Künanzhaus befindet sich noch eine wichtige Sammlung, die die Fauna des Vogelsbergs wieder spiegelt. Diese Sammlung beinhaltet weitere 135 Vertebraten (Bälge und Schädel von Vögeln und Kleinsäugern) sowie eine umfangreiche Insektensammlung (ca. 100 Kästen) mit einem Schwerpunkt auf Käfern und Schmetterlingen. Darunter befindet sich auch der Schwarze Apollo, der Falter erreicht eine Vorderflügelspannweite von 50 bis 62 Millimetern. Früher kam er auch im Hohen Vogelsberg vor,. Laut Bundesanstalt für Naturschutz sind die letzten Vorkommen im Vogelsberg und im Harz vor wenigen Jahren erloschen. In Europa kommt er ansonsten meist zwischen 1000 und 1700 Meter vor, unter anderem noch in der Rhön. Ideal geeignet als Biotop sind an Mischwälder grenzende Wiesen und Gebirgshänge in Laubwaldzonen.

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