Biotonne

Akzeptanz größer als erwartet

Die Vogelsberger sind sauber, und das zahlt sich beim Bioabfall aus. Weil sie viel in die Bio-Tonne werfen und wenig Plastik dabei ist, rechnet der Abfallverband mit geringeren Kosten als kalkuliert.
19. Mai 2017, 05:00 Uhr
Im Vorjahr umstritten, nun gut gestartet: Die Bioabfalltonne wird fleißig genutzt. (Foto: jol)

Ausgesprochen gehobener Stimmung traten am Donnerstag die Spitzen des Abfallverbands ZAV vor die Presse, denn sie zogen eine ausgesprochen positive Bilanz der Bioabfall-Sammlung. Etwa 70 Prozent des Biomülls werfen die Vogelsberger inzwischen in die neuen »braunen Tonnen«, das sei ein guter Wert, sagte Geschäftsführer Dr. Hansjörg Fuchs. Bei jedem Sammeltermin werden rund 70% der Gefäße herausgestellt. Ein rundes Drittel der Restmüllmenge landet in den Biotonnen, und dank der guten Abfallmoral der Vogelsberger ist wenig Plastik darunter, wie Vorsteher Rainer-Hans Vollmöller lobte. Fuchs hofft, dass zum Jahresende eine Entlastung bei den Kosten verzeichnet werden kann, denn Biomüll ist in der Entsorgung billiger als Restabfall.

Dennoch werden die Gebühren nicht sinken, denn der Anstieg bei den Müllgebühren beruht auf dem Zinseffekt, wie Vollmöller und seine Vorstandskollegen Jürgen Ackermann und Dieter Boß betonten. Der ZAV muss Millionen ansparen, um die Bastwald-Deponie über mindestens 30 Jahre lang so zu pflegen, dass die Umwelt nicht geschädigt wird. Dafür werden Rücklagen aufgebaut, und je mehr Zinsen fließen, um so weniger müssen die Vogelsberger Privathaushalte an Gebühren beitragen.

Da ist es fatal, dass aktuell die Zinsen nahe Null liegen. Mit Verweis auf den politischen Streit im vergangenen Jahr nannte es Vollmöller positiv, dass die Gebührenerhöhung nicht wegen des Bioabfalls nötig gewesen ist. Der ZAV hat über die ersten Monate seit Einführung der braunen Tonne Buch geführt. Demnach ist die Abfallmenge gleich geblieben, 64 % entfallen auf Restabfall und 36 % auf Biomüll.

 

Geräuschlose Einführung

 

In seinem Rückblick wertete Fuchs die Einführung der Biotonne als »relativ geräuschlos«. Im Herbst 2016 seien neue Biosammelgefäße aufgestellt worden, die an rund 34 700 Grundstücken stehen. 99 % aller Privathaushalte hätten Bioabfallgefäße, im Umlauf sind zudem 35 800 Restabfalltonnen. Gewerbliche Betriebe müssten keine Bioabfalltonnen aufstellen, Gaststätten und Kantinen ihre Speiseabfälle über die Speiserestverwertung entsorgen.

Das restliche ein Prozent entfällt auf Menschen mit besonderen Entsorgungsmöglichkeiten. Knapp 800 Hauseigentümer haben laut Fuchs beantragt, keine Biotonne aufstellen zu müssen, 350 wurden daraufhin von der Nutzungsverpflichtung freigestellt. Dafür mussten sie nachweisen, dass sie auch Fischgräten und Knochen entsorgen können, ohne sie in die graue Tonne zu werfen.

 

Keine überquellenden Tonnen

 

Fuchs trat der häufig geäußerten Meinung entgegen, dass sehr viele Haushalte im Vogelsberg keine Biotonne benötigen, weil sie Eigenkompostierer sind. Auch die Vogelsberger mit Komposthaufen nutzten nun die Biotonne, weil sie viele Küchenabfälle nicht kompostieren können oder wollen. Nach vier Monaten Laufzeit entsprechen die Art der Nutzung und die Quoten der getrennten Müllbestandteile ziemlich genau den Prognosen. Die Restabfallsammlung erfolgt nun alle vier Wochen, da stehen ebenfalls 70 % der Tonnen draußen. Im Vorjahr lag diese Quote bei rund 58 %. Daraus schließt Fuchs, dass die befürchteten überquellenden Rest- abfalltonnen ausgeblieben sind. Die Zahl der seit Jahresbeginn neu genutzten Zusatzgefäße im nicht gewerblichen Bereich sei eher gering ausgefallen.

326 Zweittonnen stellte der ZAV bei Ein- bis Drei-Familienhäusern und 31 große Behälter an Wohnanlagen auf. Auch die beauftragten Unternehmen meldeten gegenwärtig keine überfüllten oder missbräuchlich genutzten Gefäße. Von Januar bis April haben sich die eingesammelten Mengen an Rest- und Bioabfall nicht von den Vorjahresmengen unterschieden. Fuchs rechnet damit, dass die Gesamtmenge der Abfälle nicht anwachsen wird. Nach und nach werden die Vogelsberger mehr Bioabfall über die brauen Tonne entsorgen und so den Restmüll weiter entlasten, hofft Fuchs. Dabei ist schon jetzt die Bilanz besser als in manchen anderen Landkreisen. Bis zu 75 % des nutzbaren Bioabfalls würden aus der Restmülltonne herausgehalten. Das würde die Kostenbilanz günstiger machen als bisher geplant. »Bioabfall zu verwerten kostet weniger als Restmüll, bei 1000 Tonnen kann das 40 000 bis 60 000 Euro günstiger ausfallen,« erläuterte Fuchs.

Die »braunen Abfälle« werden über fünf Anlagen der Firma Reterra entsorgt. Davon ist eine mit Vergärung, wobei das entstehende Gas zur Wärmeerzeugung genutzt wird. Zwei Anlagen arbeiten mit Schnell-Rotten, eine mit Trommel-Rotte und die fünft mit beschleunigter Verrottung in einer Halle. Das Ergebnis ist jedesmal hochwertiger Kompost. Deshalb entstehen dem ZAV keine Probleme und Zusatzkosten. Bei den Ausgaben sehe es zur Zeit besser aus als noch im Vorjahr geplant, fügte Fuchs an.

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