Bürgermeisterin

Neuer Job fühlt sich immer noch gut an

Was, schon ein Jahr um? So lange sitzt Claudia Blum auf dem Chefinnensessel im historischen Homberger Rathaus. Das Klima? Überwiegend freundlich.
01. Juli 2017, 08:00 Uhr
Guck mal, was da blüht: neben Wiesenblumen eine neue Gesprächskultur. Claudia Blum mit Bauhofleiter Stefan Seibert. (Foto: pm)

Wie fühlt es sich, Bürgermeisterin zu sein?

Claudia Blum: Gut, aber oft noch sehr ungewohnt.

Hatten Sie sich das Amt leichter oder schwerer vorgestellt (was leichter, was schwerer)?

Blum: Ich hatte mir das Amt so vielfältig vorgestellt, wie es auch tatsächlich ist. Das bringt mir sehr viel Freude und die Arbeit fällt mir leicht. Damit meine ich, dass ich jeden Tag gerne im Rathaus arbeite, was erklärt, warum auch oft abends noch Licht ist. Den Umgang mit den Gremien habe ich mir leichter vorgestellt. Da gab es den ein oder anderen Schlag unter die Gürtellinie, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Aber man wächst mit seinen Aufgaben und ich bin ja schließlich Widder. Das Einleben in Homberg habe ich mir hingegen schwerer vorgestellt. Bei Veranstaltungen oder auch auf der Straße habe ich im vergangenen Jahr so viele schöne Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen gehabt, aus denen ich viel Kraft geschöpft habe.

Welche Schulnote würden Sie sich für das erste Jahr geben?

Blum: Das mache ich definitiv nicht. Benoten werden mich die Bürgerinnen und Bürger in fünf Jahren. Aber mein Anspruch an mich selbst ist, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.

Bürgermeisterin kann man ja schwer erlernen, lernen Sie noch jeden Tag dazu?

Blum: Auf alle Fälle. Aktuell ganz viel über Unwetterfolgen und -ursachen und Feuchtigkeitsschäden (Stichwort Kita).

Was hat Sie am meisten überrascht?

Blum: Am meisten überrascht hat mich die offene und freundliche Aufnahme durch die Homberger Bürgerinnen und Bürger.

Was konnten Sie in einem Jahr bewegen?

Blum: Wir haben den Drogeriemarkt auf den Weg gebracht, ich habe den Arbeitskreis Innenstadtentwicklung ins Leben gerufen, der mit der Antragstellung »Ab in die Mitte« bereits erste Erfolge und Ergebnisse vorweisen kann. Gemeinsam mit Hartmut Kraus habe ich ein Konzept für eine Gästeführerausbildung entwickelt, die Fortbildung läuft gerade. Ich habe die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten verbessert, unter anderem durch regelmäßige Treffen mit den Ortsvorstehern und in der Verwaltung haben wir uns unter anderem mit Einführung des elektronischen Rechnungsworkflows ein Stück professionalisiert. Was aber, glaube ich, das Wichtigste ist: ich habe zu einer deutlichen Verbesserung des Klimas in der Stadt und der positiven Außendarstellung beigetragen. Die Zeiten der bösen Leserbriefe sind zum Glück vorbei.

Erkennt man Sie schon überall in der Stadt/in den Dörfern?

Blum: Ja, meistens schon. Selbst Kinder, besonders Mädchen, grüßen mich oft persönlich mit »Hallo Frau Blum«. Das ist superschön.

Was war der bisher schönste Moment? Der schwierigste?

Blum: Schöne Momente gab es viele. Der schwierigste Moment oder schon eher die schwierigsten Stunden waren während des Unwetters in der vergangenen Woche. Ich bin heilfroh, dass die Homberger Feuerwehren so leistungsfähig sind und den betroffenen Bürgern helfen konnten. Insgesamt ist es im Vergleich zu anderen Regionen glimpflich abgelaufen, aber wir werden mit den Schäden und der zukünftigen Vermeidung noch einiges zu tun haben.

Wie beschreiben Sie ihren Arbeitsstil?

Blum: Als offen, lösungs- und ergebnisorientiert: mit positivem Denken einen gemeinsamen Weg zum Wohl unser Bürger suchen und die Umsetzung vorantreiben.

Wo sehen Sie für die Stadt die wichtigsten Herausforderungen und Aufgaben in den nächsten Jahren?

Blum: Homberg und seine Stadtteile als lebendige Orte zu erhalten. Essentiell sind dazu die Sicherung und der Ausbau von Arbeitsplätzen. Deswegen ist mir auch das neue Gewerbe- und Industriegebiet so wichtig. Arbeit und ein funktionierendes Umfeld sind die wichtigsten Bausteine. Zu Letzterem braucht es die Vereine und das ehrenamtliche Engagement der Bürger, das in Homberg außergewöhnlich breit vorhanden ist. Das ist eine große Stärke.

Sie haben ja einige gewaltige »Baustellen«, was ist die größte?

Blum: Die größte »Baustelle« ist unser neues Gewerbe- und Industriegebiet. Da steckt noch viel Arbeit drin.

Wie gehen Sie mit der Kritik um, die ja auch nicht ausbleibt?

Blum: Ich denke, dass ich mit konstruktiver Kritik sehr gut umgehen kann, weil ich diese als Anregung und Hinweis empfinde. Ich brauche niemanden, der mir nach dem Mund redet, sondern kritische Mitdenkerinnen und -denker. Das schätze ich sehr an unserer Ersten Stadträtin Frau Wolf.

Sie sind in der SPD? Spielt das überhaupt eine Rolle bei der Arbeit?

Blum: Es spielt insofern eine Rolle, als ich über die SPD ein wichtiges Netzwerk habe, über das ich viele Informationen, Hilfestellungen und Kontakte erhalte.

Sie wollten ein offenes Ohr für die Bürger haben? Klappt das und was tragen die Leute an Sie heran?

Blum: Ja, ich denke, dass ich ein offenes Ohr für die Bürger habe, sonst wäre mein Terminkalender nicht so voll. Mich stört es auch nicht, wenn ich bei Veranstaltungen angesprochen werde, ganz im Gegenteil, dafür bin ich ja da.

Sehen Sie Homberg ausreichend gut für die Zukunft aufgestellt?

Blum: Homberg mit seinen Stadtteilen hat viel zu bieten und ist lebenswert und charmant, aber für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, ist eine Daueraufgabe, an der permanent gearbeitet werden muss.

Haben Sie noch Zeit für Hobbys?

Blum: Nein, im Moment ruhen alle Hobbies. Ich habe mich gefreut, dass ich für den Lions-Club und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Mai und Juni als Wanderführerin auf der Geotour und der Schächerbachtour tätig war und hoffe, dass ich jetzt im Sommer Zeit zum Radfahren finde.

Wo geht es im Urlaub hin?

Blum: Voraussichtlich an die Ostsee. Unser genaues Reiseziel werden wir spontan in den nächsten Tagen festlegen.

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