Reisen

Kraftfahrt ins Kleinwalsertal

Sommerzeit – Reisezeit. Könnte man meinen, aber diese Zeiten sind vorbei. Reise-Zeit ist jederzeit. Bei der Firma Philippi aus Mücke kennt man die Trends von früher und heute.
16. Juli 2017, 08:05 Uhr
Nostalgie: Der erste Philippi-Reise-Bus aus dem Jahre 1937 ist ein Mercedes mit 70 PS für 17 570 Reíchsmark und mit Plüschpolstern und Schiebedach – Marlen Philippi und Besucherin Marianne Plei mit dem »Gewinn-Reise-Koffer« in der neu gestalteten und kürzlich vorgestellten Filiale in Alsfeld. (Fotos: mr)

Und so stellte sich das Reisebüro Philippi aus Mücke, das zu den »ältesten Reisebüros« in der Region gehört, und seit 2010 eine Filiale in Alsfeld hat, nach der Renovierung und Umgestaltung der Räume in der Schellengasse 34 vor.

Einladend und im wahrsten Sinne »weltoffen« präsentiert sich das in der dritten Generation tätige Familien-Unternehmen von Mark und Marlen Philippi nach der Umgestaltung der Alsfelder Filiale, wo Manfred Schumann, Marion Hanitsch und Ute Schlemmer arbeiten.

Marlen Philippi als Werbetechnikerin hat bei der Gestaltung Akzente gesetzt. Das neu konzipierte Reisebüro vermittelt bereits beim Eintritt Fernweh. Und wer es einfach haben will, der kann gleich in den Reisebus »einsteigen«. Denn Busreisen ist die »Spezialität« des Reisedienstes Philippi aus Groß-Eichen in der über 100-jährigen Geschichte, die im Jahre 1911 begann.

Es war die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Karl und Mathilde Philippi gründeten in Groß-Eichen nicht nur ein Textilhaus. Dazu machte man sich auf den Weg nach Frankfurt, um dort Stoffe einzukaufen. Man brauchte aber ein Auto. Und um nicht »leer« nach Frankfurt zu fahren, nahm man landwirtschaftliche Produkte aus der Region wie Kartoffeln und Wurst mit – und tauschte sie an Anfang gegen Tuch ein.

 

Groß-Eichen und die große weite Welt

 

Und genau das bekamen die Groß-Eichener mit, denn Frankfurt war damals weit weg, eine andere Welt. Und von dieser anderen Welt wollte man nicht nur von den Philippis erzählt bekommen, man wollte sie auch selbst einmal sehen. Und so kam es, dass aus dem heimischen Fuhrunternehmen Philippi das Bus-Unternehmen wurde, wobei der erste »Reisebus« ein für den Sonntagsausflug umgebauter Lkw war.

Als der Lkw nicht mehr ausreichte, entschlossen sich Albert und Mathilde Philippi, einen Bus einzusetzen. 1938 kaufte man den ersten Omnibus, einen Mercedes mit Kässbohrer-Aufbau, mit 32 Sitzen und 70 PS. Wenn man sich vorstellt, dass ein solches Fahrzeug voll besetzt und ohne Lenkhilfe über die Straßen der späten 1930er Jahre bis an den Rhein und wieder zurück gesteuert wurde, dann weiß man, warum der Begriff Kraftfahrer mehr als berechtigt war. Den vollbesetzten Omnibus, so erzählt der Enkel Mark Philippi, steuerte der Großvater auf diese Weise in einem Monat 30 Mal an den Rhein und wieder zurück.

2005 übernahm der heutige Firmeninhaber Mark Philippi den Betrieb in der dritten Generation und damit in einer Zeit sich wandelnder Voraussetzungen für einen Omnibusbetrieb. War das Reisegeschäft in den Jahrzehnten zuvor die Domäne spezialisierter Betriebe, so stellt sich der Reisemarkt heute völlig anders dar.

Für Mark Philippi hieß daraus die Konsequenz, die Angebotspalette deutlich zu erweitern. 2009 übernahm er mit Ehefrau Marlen die Lauterbacher Firma Bustourist und das Lauterbacher Reisebüro. Mit diesem Schritt wurde der Wandel vom klassischen Omnibusbetrieb zum Reiseunternehmen heutiger Prägung eingeleitet. Weiter vorangetrieben wurde dieser Prozess 2010 durch die Übernahme des Alsfelder Reisebüros.

So bietet Philippi neben Reisen mit eigenen Reisebussen heute das komplette Programm aller namhaften Reiseveranstalter an. Flugreisen und Kreuzfahrten gehören ebenso dazu wie die Mehrtagesfahrt ins Kleinwalsertal, die schon sein Großvater Albert anbot. So gesehen lebt die Tradition des Familienbetriebes im Gewand des modernen Reiseunternehmens fort. Busreisen bleiben nach wie vor aber der Markenkern.

Heute hat das Familienunternehmen 74 Busse im Einsatz. Im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist das Unternehmen im gesamten mittelhessischen Raum präsent. Über 100 Mitarbeiter sind bei Philippi beschäftigt.

Bei der Wiedereröffnung der Filiale in Alsfeld schauten dieser Tage auch Landrat Manfred Görig, sein Vorgänger Rudolf Marx und Bürgermeister Stephan Paule vorbei.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Busreisen
  • Manfred Schumann
  • Mücke
  • Reisebusse
  • Reisebüros
  • Reisezeit
  • Rudolf Marx
  • Stephan Paule
  • Mücke
  • Redaktion
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.