Überblick

Wo man ein Drittel von Hessens Windrädern sieht

In Hessen stehen über 1000 Windkaftanlagen. Im Vogelsbergkreis gibt es einen Platz, von dem aus man rund ein Drittel sehen kann. Dafür muss man aber nicht auf einem Vogelsberger Gipfel stehen.
13. September 2017, 05:00 Uhr

Von Rolf Schwickert , 2 Kommentare
Vom Hohen Berg aus sieht man über 3000 Windkraftanlagen. (Foto: Hartmut Kraus)

Windkraftanlagen verschandeln die Landschaft. Das hört man immer wieder von Gegnern der riesigen Masten und Rotoren, die seit rund 25 Jahren mehr und mehr im Vogelsbergkreis gebaut werden. Punktuell gibt es Dutzende wie bei Helpershain und Ober-Ohmen, einzelne oder kleine Gruppen stehen in der weiteren Umgebung der Schwerpunkte. Von wo aus kann man die meisten Windkraftanlagen sehen?

Der Homberger Wanderführer Hartmut Kraus hatte bereits vor längerer Zeit festgestellt, dass man bei der Geotour Felsenmeer oberhalb der Kernstadt an eine Stelle kommt, von der aus man sehr viele Windkraftanlagen sieht. Deshalb schnappte er sich kürzlich einen normalen Feldstecher und ein Fernglas mit 20-facher Vergrößerung, um vom Hohen Berg aus mal in aller Ruhe alle Windkraftanlagen zu zählen. Es sollten von dort aus nicht nur diejenigen im Nordosten, Osten und Südosten stehenden im Kreisgebiet sein, sondern auch die in den benachbarten Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen.

 

Auf klare Sicht kommt es an

 

Bei guten Sicht kann man vom Hohen Berg aus die bekannten Gipfel Hoherodskopf und die Sackpfeife bei Biedenkopf erkennen. Als Standort wählte Kraus die kleine Aussichtsplattform nahe dem Hochbehälter, von der aus im zweiten Weltkrieg bei guter Sicht die feindlichen Fliegerverbände beobachtet wurden. Dann hat Kraus auf der kleinen Aussichtsplattform auf dem Hohen Berg stehend angefangen zu zählen. Das Fernglas musste er dabei ganz schön still halten, denn die zu sehenden Windkraftanlagen sind von Homberg aus teilweise 20 bis 30 Kilometer Luftlinie entfernt. Und dann hat Kraus noch mal nachgezählt, um sicher zu sein, was er gezählt hat. Dabei hat der Homberger immer wieder markante Bergkuppen oder Büsche als Orientierungshilfen genommen, um einzuordnen, bis wohin er bereits gezählt hatte.

Über eine Stunde dauerte die Auflistung. Schließlich war Kraus selbst überrascht, wie viele Windräder man vom Hohen Berg aus sehen kann, nämlich 327. Und es dürften sogar noch etwas mehr sein, die in dem Blickradius vom Hohen Berg aus stehen, weil die Rundumsicht manchmal durch Hecken und Büsche etwas verstellt ist.

Im Bereich des Landkreises Gießen waren es 14 sichtbare Windkraftanlagen, im Bereich Marburg-Biedenkopf 89 und im Bereich des Vogelsbergkreises sage und schreibe 224, obwohl man vom Hohen Berg aus nur den nordwestlich abfallenden Teil des Vogelsberges einsehen kann. Man dürfte also vom Hohen Berg aus nur wenige der Vogelsberger Anlagen nicht sehen. Das sind zusammen 327 Windkraftanlagen, rund ein Drittel der sich in Hessen drehenden Windkraftanlagen.

Und Kraus hat noch ein anderer Umstand erstaunt: Die dem Vogelsbergkreis benachbarten Höhenzüge sind ja in etwa gleich hoch wie diejenigen, die im Vogelsbergkreis mit Windkraftanlagen bestückt sind. Aber in den anderen Landkreisen sind – wie oben die Addition zeigt – erheblich weniger Anlagen auszumachen.

 

Wird Ausguck zum Tourismusziel?

 

Und Kraus sind auch die Taunushöhen eingefallen, die man zwar nicht vom Hohen Berg aus sieht, die man aber bei guter Sicht von der A 5 bei der Fahrt nach Frankfurt gut überblicken kann. So kann man die Türme und Masten auf dem Feldberg gut erkennen. Man sieht dann auch, dass dort kein Windrad aus den Bäumen aufragt. Der Homberger Wanderführer hat viele Kontakte, und so traf er vor nicht allzu langer Zeit auch in der Ohmstadt auf einen Landespolitiker auf Werbetour. Das Landtagsmitglied teilte die Einschätzung von Kraus und gab als möglichen Hintergrund zu bedenken, dort würden viele einflussreiche Leute wohnen. Da könne man nichts machen.

Aber vielleicht kann man die Aussicht auf ein Drittel der hessischen Windkraftanlagen noch werbewirksam nutzen. In der Nachbarschaft hat Mücke den Hessenmittelpunkt, Ulrichstein ist die höchstgelegene Stadt des Landes, und Homberg hat den mit der höchsten Punktzahl prämierten Wanderweg »Sagenhaftes Schächerbachtal«. Jetzt hat Homberg wahrscheinlich auch noch den Platz, von dem aus man die meisten Windkraftanlagen Hessens sehen kann.

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