Ausbildungsmesse

Betriebe kämpfen um jeden Auszubildenden

Man muss die Aufmerksamkeit der vielen hundert Schüler erregen, wenn man neue Auszubildende haben möchte. In diesem Sinne haben sich die 90 Aussteller in Alsfeld etwas einfallen lassen müssen.
13. September 2017, 20:24 Uhr
»Da kann man die Hand nicht ruhig halten,« staunt eine Schülerin über den Tremor-Handschuh am Stand der Pflegeberufe beim Marktplatz Ausbildung. Der Handschuh simuliert das Händezittern eines alten Menschen. (Foto: jol)

Abwechslungsreich zeigte sich am Mittwoch der »Marktplatz Ausbildung« in der Hessenhalle Alsfeld. 90 Betriebe und Innungen stellten über 200 Berufe und die dazu passende Ausbildung vor. Da konnten sich die über 1400 angemeldeten Schülerinnen und Schüler über Jobs bei Polizei, Zoll und Finanzamt informieren. Gefragt waren Infos zum Dualen Studium. Handgreiflich wurde es bei Handwerkberufen, so hämmerten sich Jugendliche eine Rose aus Stahlblech zurecht. Zimmerleute hatten kleine Modelle von Dachstühlen dabei, bei Elektrobetrieben gab es Geschicklichkeitsspiele mit Bezug zum Job und am Stand der Krankenpflegeschule konnte man ein Modell des menschlichen Körpers zerlegen.

Alter mit Anzug simulieren

Einen Gemeinschaftsstand haben neun Altenpflegeheime und zwei ambulante Dienste geschaffen, um Jugendliche für die Altenpflege zu gewinnen. »Wir haben einen Pflegeparcours aufgebaut und erzählen den Schülern, was die Pflege ausmacht und bieten kleine Übungen an,« erläutert Julian Zimmer. Da können die Jugendlichen Blutdruck und Blutzucker messen. Anschaulich wird das Anreichen von Essen umgesetzt, denn ein Jugendlicher wird mit Sichtschutzbrille ausgestattet. Dann muss der andere ankündigen, wenn der Löffel an den Mund kommt, damit das Essen nicht an der Lippe landet. In einem Alterssimulationsanzug mit Gewichten und Gelenkversteifungen erfahren junge Menschen, wie eingeschränkt Senioren werden können. Ein Spezialhandschuh löst einen Tremor aus, dieses Händezittern ist so stark, dass junge Leute kaum noch ihren Namen schreiben können.

»Wir wollen den Schülern zeigen, wie vielfältig die Altenpflege ist,« sagt Zimmer. Denn die Pflegekräfte sind jahrelang mit den alten Menschen zusammen, es entsteht ein familienartige Nähe.

Eine Rose aus Stahlblech

Viele Handwerksbetriebe nutzen die Ausbildungsmesse für die Nachwuchswerbung. So lud die Metallbau-Innung dazu ein, aus Stahlblech eine Rose herzustellen. Erst werden die Blätter in Form gehämmert und dann geschweißt. Barthel Philippi von der Firma Krug in Romrod leitet die Jungs dabei an. Er freut sich über viel Interesse an dem Mitmach-Angebot des Standes, aber leider finden zu wenige Interesse an dem schönen Beruf. Zum Berufsfeld gehören der Metallbauer, der Treppen und Geländer herstellt, der Feinwerkmechaniker, der eher dreht und fräst, und der Schweißer. Ihm macht die Arbeit Spaß, weil er »etwas mit den eigenen Händen herstellen kann«. Beim Ausführen von Aufträgen entscheidet der Handwerker »über das i-Tüpefelchen«.

Auf der Suche nach Azubis im handwerklichen Bereich ist auch die Firma Bender aus Grünberg. An kaufmännischen Jobs gebe es genug Interesse, aber beim Elektroniker weniger, wie Holger Weitzel am Stand des Unternehmens sagt. Dort hatte die Bender-Crew als Hingucker eine Ladesäule für Elektro-Pkw aufgestellt. Denn einige Komponenten der Zukunfts-Zapfsäule werden in Grünberg hergestellt. Die Firma stellt zudem elektronische Bauteile für Betriebe in sensiblen Bereichen her, so für Krankenhäuser. Das Besondere: Bei einer Störung melden sie sich und schalten nicht gleich ab. Jugendlichen, die das spannend finden, rät Weitzel zu einem Praktikum im Betrieb. »Damit man sieht, was man in den nächsten 40 Jahren macht.«

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