Viele helfen beim Wiederaufbau

29. September 2017, 21:03 Uhr
Auf dem Platz der 2014 abgebrannten Fischerhütte ist ein schmucker Neubau entstanden, zu dem die Mitglieder des Angelvereins 400 Arbeitsstunden einbrachten. (Fotos: sf)

Mücke-Nieder-Ohmen (sf). Dieser Tage wurde die wiederaufgebaute Fischerhütte mit einem Festakt eingeweiht. Der Vorsitzende des FC Nieder-Ohmen, Johannes Martin Horst, begrüßte unter den Ehrengästen Bürgermeister Matthias Weitzel, Prof. Dr. Hubertus Brunn, Dieter Reichel, Dr. Thorsten Reichel, stellvertretenden Ortsvorsteher Holger Seng, Andreas Sommer als Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins, von Hessen Forst, Schotten, Uwe Prihoda, die Revierförster Markus Böller und Christian Feußner sowie Klaus Deschler vom Verband Hessischer Fischer und weitere Vereinsvertreter.

Die Chronik wurde einmal anders beleuchtet. Einer der Gründungsväter, Dieter Reichel, wurde von Dr. Thorsten Reichel interviewt, und das Ganze wurde teilweise mit Bildern hinterlegt. Spontan wurde der Verein demnach am 1. Februar 1964 gegründet, Otto Reichel wurde Vorsitzender und Heinrich Mank 2. Vorsitzender. Man hatte zuerst in Ober-Ohmen ein Gewässer gepachtet und musste bei den zwölf Mitgliedern dafür 1205 DM Pacht zahlen. 1967 wurde das erste Pokalangeln abgehalten, und man pachtete in Nieder-Ohmen die Ohm. Im Jahre 1968 gab es das große Fischsterben in der Ohm. Bis heute hat sich die Ohm nicht wieder so erholt, wie sie vorher gewesen war. Sie war ein tolles Forellengewässer. Der Verein musste wieder aus eigenen Kosten alles investieren, obwohl eine Mücker Firma für das Fischsterben die Schuld trug.

1976 gab es ersten Pachtvertrag

Im Jahre 1969 wurde Dieter Reichel zum Vorsitzenden gewählt. Man pachtete in Deckenbach dann im Jahr 1992 Teichgewässer. Dort gab es dann auch eine Wellblechhütte, und das Vereinsleben erfuhr einen Aufschwung. Man gab die Teiche in Deckenbach später an einen Kesselbacher Verein, denn man konnte 1976 die Teiche in der Eisenkaute gegenüber dem Windhain pachten. Diese Anstrengungen hatte man 1964 schon unternommen, aber da waren der Windhain und die Eisenkaute an die Gemeinde Bernsfeld verpachtet gewesen. Als man die Teichanlage Eisenkaute übernommen hat, war sie in keinem guten Zustand. Das Wasserwirtschaftsamt wollte die Teiche als Biotop erhalten und stimmte zu, dass der FC Nieder-Ohmen die Anlage pachten konnten. Dann wurde viel Eigenleistung gebracht. Am 1. Mai 1977 konnte man auch Bürgermeister Heinrich Stein beim Angeln begrüßen. Auf diesem Gelände stand dann noch das Haus, die sogenannte Fischerhütte. Sie war noch bewohnt, und Josef Langer, der acht Jahre dort lebte und Bergarbeiter war, konnte auch als Gast mit 90 Jahren zum Festkommers begrüßt werden.

Nun hatte man eine Hütte, und es wurden Fischereiprüfungen abgenommen. In jedem Jahr wurden ein bis zwei Lehrgänge angeboten und dann Jahr für Jahr 30 Prüflinge ausgebildet. Die erste Jugendgruppe gab es 1965, es wurden Jugendlager durchgeführt, und man pachtete den Windhainer See. Der Verein hatte eine gute Infrastruktur, man kümmerte sich um den Naturschutz und war in der Jugendarbeit aktiv.

Das Feiern und das Ausrichten der Kirmes, das waren die Themen damals. Es wurde eine gute Vereinsgemeinschaft gelebt, und die Erlöse der Feiern waren ein gutes Zubrot für die Teichsanierung. Da wurden beispielsweise auf einer Kirmes 83 Hektoliter Bier verzapft. Der Verein beteiligte sich bei Festumzügen, bot selbst viele Veranstaltungen, und es gab ein Fußballturnier zugunsten des Kindergartens. Dabei wurde der Otto-Erb-Pokal ausgespielt.

Man unternahm auch Angelfahrten zum Hochseeangeln an die Ost- und Nordsee. Später wurden auch Angelreisen nach Irland organisert, die in der Regel von Dieter Reichel geplant wurden. Schöne Erlebnisse wurden von diesen Fahrten berichtet. Das Highlight-Fest des Vereins war das Schlachtessen in der Fischerhütte. Im Jahre 2014 fiel sie dann den Flammen zum Opfer.

Dank Dieter Reichel sowie der Mitwirkung vom Forstamt in Schotten mit Uwe Prihoda, von Prof. Dr. Hubertus Brunn, Dr. Thorsten Reichel, Bürgermeister Matthias Weitzel und vielen anderen Mitstreitern konnte man nun die Einweihung des Neubaues feiern. Ehrenamtlich wurde viel geleistet, und es haben sich Aktenberge zu den ganzen Verhandlungen bis zur Baugenehmigung angesammelt. Hessen Forst, der Verein und die Versicherung mussten einen Weg der Einigung finden. Die Versicherung zahlte 160 000 Euro, und bei dem Neubau musste der Verein noch mitfinanzieren. Aber auch die Eigenleistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Aktuell hat der Verein rund 100 Mitglieder. Alles ist nach einigen Jahren zu einem guten Ende gekommen. Ohne den Rechtsbeistand von Dr. Thorsten Reichel hätte man es auch nicht geschafft, war man sich einig.

Anschließend ging Werner Wißner von der Projektgruppe Erzweg auf die Geschichte der abgebrannten Fischerhütte ein. Dieses Gebäude habe bis 1955 als Werksbüro und Wohnung der Aufbereitung Hedwig (später Betriebsgruppe Albert) gedient. Erste Gebäude dieser umfangreichen Anlage, landläufig unter Grube Albert bekannt, wurden im Jahr 1904 von der Gewerkschaft Louise errichtet. Aber schon Mitte des 19. Jahrhunderts hat man dort Bergbau betrieben. Ein sehr viel älteres Zeugnis stellte 1900 der Fund eines Vorratsnestes für eine alte Waldschmiede dar, der seinerzeit auf ein Alter von über 500 Jahren geschätzt wurde. Steigender Bedarf an Eisenerz veranlasste die Gewerkschaft Louise, im Jahr 1909 eine größere, leistungsfähigere Aufbereitung mit den damals erforderlichen Nebengebäuden zu errichten. Mehrere Grubenfelder, Grubenbahnen, Seilbahnen, Verladeanlagen und ein ausgeklügeltes Frischwassermanagement gehörten dazu. Als im Jahr 1928 alle Anlagen der Aufbereitung Hedwig im Rahmen einer Grubenkonsolidierung an die Firma Buderus übergingen, firmierte man fortan unter Betriebsgruppe Albert, landläufig als Grube Albert bekannt.

16 aktive Jugendliche

Bis 1955 wurden verschiedene Grubenfelder bis zu Erschöpfung der Vorräte ausgebeutet. Der Rückbau aller Anlagen fand im folgenden Jahr statt. Alles wurde dem Erdboden gleichgemacht. Aufmerksame Beobachter erkennen aber noch zahlreiche Schlammteiche und offene Grubenfelder. Erhalten blieb allein die Fischerhütte. Sie diente in den folgenden Jahren verschiedenen Zwecken, bis sie der Fischereiklub Nieder-Ohmen übernehmen konnte. Am 8. Februar 2014 brannte sie bis auf die Grundmauern nieder.

Vorsitzender Horst dankte stellvertretend für die vielen Helfer Sascha Becker und Karsten Reitz. Sie hatten viel Fachwissen und Ideen in den Ausbau der neuen Hütte investiert.

Bürgermeister Weitzel gratulierte dem FCN, dass er nun wieder ein Vereinsheim habe. Aktuell gehören dem FCN 16 aktive Jugendliche an. Am Samstag wurde ein rauschendes Fest mit Gästen aus Nieder-Ohmen und der Umgebung gefeiert. Man konnte die Hütte besichtigen, in sie wurden mehr als 400 ehrenamtliche Arbeitsstunden investiert. Jens Schneidmüller und Andreas Blechschmidt hatten noch eine brillante Idee: Sie bauten ein großes Aquarium und füllten es mit heimischen Fischen. Sehr groß war der Zuspruch, und auch das Wetter trug an beiden Tagen zu bester Laune bei.

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