Moor muss morastig sein

02. November 2017, 19:38 Uhr
Dunkle geheimnisvolle Wasser, üppige Schlingpflanzen – ein Moor regt die Fantasie an. Das Hochmoor Breungeshainer Heide bei Schotten soll bald wieder zu einem solch magischen Ort werden.

Dunkle Wasser, eine wild wuchernde Pflanzenwelt, ein bisschen geheimnisvoll – so stellt man sich ein Moor vor. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes soll das frühere Hochmoor Breungeshainer Heide wieder in einem urwüchsigen Zustand zurückversetzt werden. Am Donnerstagvormittag war Startschuss. Ein spannender Moment für alle, die an der langen Planungsphase beteiligt waren. Seit Frühjahr 2016 wurden die Pläne ausgearbeitet.

Es wurden Methoden und Erfahrungen anderer Projekte ausgewertet, um die bestmögliche Herangehensweise zu finden. In mehreren Workshops wurden mit Behörden, Interessensvertretern, Planungsbüros und Moorexperten des ZUK (Zentrum Umwelt und Kultur) aus Benediktbeuern vor Ort alle Parameter analysiert und eine Strategie entwickelt, wie man den Lebensraum Moor wieder zu neuem Leben erwecken kann.

Grundwassermessungen und Abflussbeobachtungen wurden vorgenommen und bestätigten die Vermutung, dass die Entwässerungsgräben noch immer ihre Funktion erfüllen und auch noch Reste eines intakten Hochmoores vorhanden sind. Die einhellige Meinung: Man kann dem Moor helfen. Das Zauberwort heißt Wiedervernässung.

Mit einem speziellen Moorbagger sollen innerhalb von drei Wochen Spundwanddämme quer zur Abflussrichtung in die Entwässerungsgräben in den Moorkörper eingebracht werden. Der Bagger übt durch seine breiten Ketten in etwa so viel Druck pro cm² auf den Untergrund aus wie ein 80 Kilo schwerer Mensch. Er kann deshalb auch in den nassen Bereichen des Moores fahren, ohne zu versinken. Durch seine Bauweise wird die sensible Moorvegetation geschont und nennenswerte Schäden minimiert.

Um den Wasserhaushalt auf Dauer zu stabilisieren, werden etwa 50 Dämme aus langlebigem Stahl eingebracht. Der Anstieg des Wasserspiegels wird dazu führen, dass die Bäume und Sträucher, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ins Moor eingewandert sind, langsam zurückgedrängt werden. Auch das Pfeifengras, das auf die unbeständigen Wasserstände hinweist, wird nach und nach an die Ränder des Moores gedrängt.

So wird im Kern wieder Platz gemacht für die kleinen lichtliebenden Arten wie die Moosbeere, das Wollgras und natürlich die Torfmoose. Als Baumeister des Moores benötigen Torfmoose keine Wurzeln. Sie wachsen beständig nach oben, während sie unten absterben und zu Torf werden.

Auch das Wollgras, das mit seinen weißen Fruchtständen schon von weitem zu erkennen ist, profitiert von der Maßnahme und es wird sich über das ganze Moor verteilen. Seine Wurzeln geben dem Moorkörper Halt und es schützt die Torfmoose durch den höheren Wuchs vor Austrocknung.

Mit der Renaturierung des Hochmoores leistet das Naturschutzgroßprojekt einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und zum Erhalt des europaweit geschützten Lebensraums. Intakte Moore sind nicht nur wertvolle und seltene Biotope, sondern sie speichern durch stetiges Wachstum sehr viel CO2, damit leistet man im Vogelsberg auch einen Beitrag für den Klimaschutz.

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