Waschbären

Von possierlich bis gefährlich

Als possierlich sehen ihn die Einen, als Krankheiten übertragendes Raubtier, das auch Gebäude beschädigen kann, die Anderen. Zu Maßnahmen der Bundesländer können sich jetzt Bürger äußern.
13. November 2017, 12:00 Uhr
Wenn man einen Waschbären so liegen sieht, macht er einen ganz possierlichen Eindruck. Aber die kleinen Räuber richten große Schäden an und sollen deshalb aus Kreissicht besser bejagd werden dürfen. (Foto: Leinberger)

Da sitzt er nun in der Falle, der so possierlich aussehende Waschbär. Doch wer nun denkt, er wird den lästigen Plagegeist endgültig los, der sieht sich getäuscht, jetzt fangen die Probleme eigentlich erst an. Denn: Gesetzliche Vorgaben ergänzen sich nicht immer, und die Zahl der zum Handeln befugten Personen ist sehr überschaubar. Während der Schonzeit für Waschbären von März bis Juli darf das Tier vom Jäger nicht mitgenommen und anschließend in dessen Revier geschossen werden. Aus der Falle freigelassen werden kann der Waschbär allerdings auch nicht – das verbietet nämlich eine EU-Verordnung zur »Eindämmung invasiver Arten«. Das beispielhafte Szenario zeigt, dass die geltenden gesetzlichen Vorgaben verbessert werden müssen.

Was würde helfen? Beispielsweise die Abschaffung der Schonzeit. Die gilt seit April 2016 und ist in der neuen Jagdverordnung festgeschrieben. Damit werden die Waschbären von 1. März bis 31. Juli geschützt, in dieser Zeit dürfen sie nicht gejagt werden. Das aber ist vielen ein Dorn im Auge – auch dem Vogelsberger Kreistag. Der hat daher beschlossen, die Landesregierung aufzufordern, von der generellen Schonzeit für Waschbären wieder Abstand zu nehmen, die Jagd auf männliche Tiere und auch auf Jungtiere das ganze Jahr über zu erlauben. Eine entsprechende Resolution an Priska Hinz, hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ist nach Wiesbaden geschickt worden.

Fast 100 000 Euro Schaden

Warum kam es im Vogelsberger Kreistag zu dieser Resolution? In der Kreisverwaltung wie auch in vielen Gemeindeverwaltungen häufen sich Anfragen und Beschwerden. Denn die nachtaktiven Raubtiere machen Probleme im Natur- und Artenschutz, außerdem verursachen sie immense Schäden in der Landwirtschaft und an Gebäuden. Alleine an kreiseigenen Immobilien haben Waschbären in den vergangenen zwölf Monaten einen Schaden von fast 100 000 Euro angerichtet.

Gefährlich für Mensch und Tier kann es werden, weil die kleinen Plagegeister den Waschbärspulwurm übertragen und die Staupe. Die tritt seit etwa zwei Jahren massiv auf im Vogelsbergkreis. In diesem Jahr (bis Mitte August) hat das Vogelsberger Veterinäramt bereit 104 Waschbären zur Untersuchung in das Hessische Landeslabor nach Gießen gebracht. 92 von diesen Waschbären waren an Staupe erkrankt, einer Virusinfektion, die bei Hunden fast immer tödlich verläuft. Menschen sind von der Staupe nicht gefährdet.

Wer darf in Dörfern schießen?

Zurück zum Waschbären in der Falle: Der Jäger darf ihn nicht mitnehmen, freigelassen werden darf das Tier auch nicht. Aber er darf erlegt werden – theoretisch zumindest und jagdrechtlich sogar erlaubt, denn innerhalb einer Ortschaft gelten die Jagd- und Schonzeiten nicht. In der Praxis wird es allerdings schwierig, denn für das Erlegen von Tieren im Ort ist eine sogenannte »waffenrechtliche Schießerlaubnis« erforderlich. Die allerdings haben viele Jäger nicht beantragt, weil sie von diversen Voraussetzungen abhängig ist, befristet erteilt wird und erst seit kurzer Zeit nicht mehr gebührenpflichtig ist. Der hessische Jagdverband empfahl gar Grundstücksbesitzern, sich im Fall der Fälle an die örtlichen Ordnungsämter zu wenden, damit die das Problem als Gefahrenabwehrbehörde übernehmen. Indes: Bei den wenigsten Ordnungsämtern gibt es Personal, das Tiere fangen oder erlegen darf. Also sind erneut die Jäger gefragt – die wenigen mit Schießerlaubnis, versteht sich.

Fazit: Wenn es die Schonzeit nicht gäbe, dann wäre wenigstens diese unbefriedigende Situation schon einmal zum Teil gelöst.

Weitere Informationen – darunter das Schreiben an Ministerin Hinz – finden sich unter www.vogelsbergkreis.de.

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