Verleger zu Gast

Ein Buch ist keine Fritteuse

Ein Dutzend interessierter Gäste wollte in Homberg in der Buchhandlung von Verleger Axel Dielmann erfahren: Unabhängig? Was heißt das eigentlich?
14. November 2017, 08:00 Uhr
Axel Dielmann beim Vortrag. (Foto: pm)

Zur Woche der unabhängigen Buchhandlungen hatte Ulrike Sowa, die die Buchhandlung in Homberg führt, einen speziellen Gast eingeladen. Axel Dielmann, Verleger vom unabhängigen gleichnamigen Frankfurter Verlag.

Bei den großen Konzerngruppen wie Holtzbrinck, Bonnier, Random House und anderen, zu denen so gut wie alle großen bekannten Verlage in Deutschland gehören, geht es wie überall in der Wirtschaft um Gewinn. Mit dem Unterschied, dass das Produkt »Buch« etwas anderes ist als etwa eine neue Fritteuse. Ein Buch, so handfest es auch sein mag, ist auch etwas Immaterielles: Idee, Inspiration, es bewegt und spaltet, es berührt und kann einen Menschen für ein ganzes Leben beeindrucken oder prägen.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels sagt dazu: »Die kulturelle Vielfalt wird in Deutschland maßgeblich von der Existenz und dem Wirken der vielen kleineren unabhängigen Verlage geprägt.« Genau die Stimmen, an die ein Konzern vielleicht gar nicht glauben kann, weil sie nicht zum Bestseller taugen, aber trotzdem ihre Berechtigung haben, finden bei unabhängigen Verlegern wie Dielmann Gehör. Dielmann, wie man sich einen Verleger vorstellt mit Tweedjackett, Cordhose und Hornbrille, erzählte bei Rotwein und Häppchen begeistert und zugleich begeisternd von seinem Werdegang vom Studenten der Physik zum Verleger. »Irgendwann im Leben kommt der Zeitpunkt, an dem man sich entscheiden muss, welcher Liebe man folgt, der zur Literatur oder zur Physik.« Er hat sich 1993 für die Literatur entschieden und einen Verlag gegründet.

Dielmann, das wird jedem klar, der ihm zuhört, brennt für die 20 bis 25 Titel, die er jährlich herausgibt in seinem kleinen Verlag, den er mit inzwischen zwei Mitarbeitern führt. Er traf und trifft stets wagemutige Entscheidungen, sucht das Besondere, verlässt sich auf seine Nase und sein verlegerisches Gespür und übt sich so stets aufs Neue als Trüffelschwein in der Verlagswelt.

Das erste Buch, das er verlegte, war gleich ein ganz dicker Schinken von über 1000 Seiten: »Wolpertinger oder das Blau« von Alban Nicolai Herbst. Der Frankfurter Autor, schillernde Gestalt im deutschen Literaturbetrieb, wurde als Plaudertasche und Scharlatan beschimpft, aber auch als magischer Realist hochgelobt und preisgekrönt.

Wenn man den anekdotenreichen Erzählungen aus dem Leben eines Verlegers lauscht, wird klar: Axel Dielmann kennt jeden Autor, er kennt jeden Gedanken in den Büchern, die er verlegt, und er steht voll und ganz zu seinen Autoren und ihren Texten, die wie Freunde zu seinem Leben zu gehören scheinen. Und er erzählt so gut, dass man sich zu fragen beginnt, ob er nicht vielleicht auch selbst schreibt? Ja, das tut er: Mit einer Kostprobe aus seinem Buch »Ein Pärchen im Baurausch« – er nennt es sein »Baustellentagebuch« – sorgt er nicht nur für große Heiterkeit beim Publikum, er überzeugt gleichzeitig durch präzise Sprache und gut gesetzte Pointen.

Es gibt in Deutschland rund 600 unabhängige Klein- und Kleinst-Verlage, die zunehmend die Nischen füllen, die von den kommerziellen Interessen der großen Konzerne außer Acht gelassen werden. Es ist ein extrem riskantes Geschäft, und ein Verleger braucht nicht nur gute Nerven, um das aushalten zu können. Wenn man gerade die besonderen Stimmen fördern will, die kaum zur Massenware taugen, heißt das übersetzt: Der Gewinn ist gering, das Risiko dafür um so höher, erläutert Dielmann. Aber wenn ein Autor einen Partner wie Dielmann hat, dann kann er sicher sein, dass dieser sich persönlich für ihn und sein Buch einsetzt, und sich auch ungewöhnliche Strategien überlegt wie die, Bücher mit Sponsorpartnern herauszugeben. Dielmann tut, was er kann. Weil er, sein Verlag, und die darin verlegten Werke irgendwie komplett zusammengehören.

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