A49

Misstrauen bleibt groß

Damit die Vorarbeiten für den sogenannten A49-Lückenschluss laufen können, müssen Bodengutachten her. Doch mancher lässt die Arbeiter nicht auf sein Grundstück.
07. Dezember 2017, 12:05 Uhr
Zwar gibt es weiter Streit um die Ausgleichsflächen bei der Flurbereinigung. Doch der Baubeginn Anfang 2020 für das letzte Teilstück der Autobahn von Stadtallendorf bis Gemünden steht, heißt es. (Foto: dpa)

Das Misstrauen ist groß. Gleich zu Beginn der Veranstaltung fragt Werner Nicklas nach, ob es ein Protokoll geben wird, das später jeder erhält. Denn etliche Teilnehmer haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Zusagen und Lippenbekenntnissen, wie sie es nennen. Eigentlich sollen am Mittwoch in Maulbach im Gemeinschaftshaus diejenigen informiert werden, die im laufenden Flurbereinigungsverfahren zum A49-Weiterbau Widerspruch gegen die Vorarbeiten eingelegt hatten. Da sich noch weitere Interessierte eingefunden hatten, waren die Veranstalter bereit, in einem öffentlichen Teil über die aktuelle Entwicklung zu informieren.

Dass die Lage ernst ist, erkannte man schon daran, dass rund 40 Teilnehmern gleich zehn Podiumsvertreter gegenübersaßen. Vertreten waren das Amt für Bodenmanagement, die Hessische Landgesellschaft (HLG), Hessen Mobil und die Fernstraßengesellschaft Deges.

Hanfried Böttner (Amt für Bodenmanagement erinnerte daran, dass gegen den Flurneuordnungsbeschluss 100 Widersprüche eingegangen waren. Die Wahl eines Teilnehmervorstands war für Juni geplant und wurde verschoben – sie soll nun Anfang 2018 erfolgen. Ganz aktuell hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel entschieden, dass der Beschluss rechtmäßig ist und die Widersprüche keine aufschiebende Wirkung haben. Die Richter haben sie zurückgewiesen. Der Beschluss sei »rechtmäßig und eilbedürftig.«

Gleich mehrere Fronten gibt es im Streit. Der Zwist entzündet sich unter anderem an den Flächen der ehemaligen Landesdomäne Neu-Ulrichstein. In den Streit hatte sich schließlich auch Ministerpräsident Bouffier eingeschaltet. Nun werden 28 Hektar der Landesdomäne ins Verfahren eingebracht werden, »eine Ausnahme,« wie es heißt. Das ändert aber nichts daran, dass 206 Hektar landwirtschaftliche Fläche unwiderbringlich verloren gehen. Wie die Landwirte entschädigt werden, das wird im Einzelfall verhandelt. Genau an diesen Punkt allerdings hat die Glaubwürdigkeit der Behörden bei betroffenen Grundstücksbesitzern schon arg gelitten. »Es gab Spannungen,« räumte Matthias Dralle (HLG) ein. Unter anderem, weil Flächen schon lange vorher vergeben worden waren, um einen Landwirt quasi im Vorgriff zu entschädigen. Einen kleineren Teil (elf Hektar) müsse das Land behalten, »weil es weitere Ansprüche gibt.« Diese beziehen sich zu einem kleinen Teil auf den Sportflugplatz in Dannenrod. Zudem hat ein Grundstückseigener eine für seinen Betrieb »existenzbedrohende Lage« geltend gemacht, die man berücksichtigen müsse. Pachtverträge wurden nur für ein Jahr geschlossen und jetzt gekündigt, damit die HLG Zugriff auf die Flächen hat

»Uns wurde immer gesagt, dass 60 Hektar der Domäne eingebracht werden sollen,« bemerkte Jürgen Hochgrebe (Nieder-Ofleiden). Und: »Land, das wir gut brauchen können.« Zur Historie, was die Flächen angeht, könne er wenig sagen, meinte Dralle. Auf jeden Fall zeige das Land großes Entgegenkommen. Die HLG habeMist gebaut damals, meinte einer der Anwesenden. »Kleine Bauern sollen ihr Land hergeben und andere kriegen einfach mal so 20 Hektar.« Bernhard Blümel (Deges) sagte, am geplanten Baubeginn des Lückenschlusses in 2020 habe sich nichts geändert. Über den laufenden Grundwerb und die Preise spreche man an diesem Abend nicht. Er bat jedoch die Anwesenden darum, die Arbeiten für die Vorbereitung des Autobahnbaues auf den Grundstücken stattfinden zu lassen. »Das ist sehr wichtig für uns, wir brauchen diese Daten.« Er hofft, dass die Betreffenden einlenken, »und wir nicht Maßnahmen ergreifen müssen, die wir nicht wollen.«

Auch Eugen Reichwein von Hessen-Mobil sagte, man wolle eine gütliche Einigung. Über den Sinn der Autobahn zu diskutieren, wie es ein Teilnehmer angesprochen hatte (»viel zu nah an Appenrod«). das sei vorbei, »da sind Sie zehn Jahre zu spät dran.«

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