Bürgermeisterkandidat

Frankfurter ins Feldatal locken

Der parteilose Bewerber für das Bürgermeisteramt in Feldatal Karsten Schmidt will etwas gegen hohe Schulden und schwindende Bevölkerung unternehmen - zusammen mit den Gemeindevertretern.
30. Dezember 2017, 05:00 Uhr
Will als unabhängiger Bürgermeister dafür sorgen, dass im Gemeindeparlament keine Entscheidungen zerredet werden: Karsten Schmidt. (Foto: jol)

Noch sitzt er halbwegs entspannt am Schreibtisch in seinem Ulrichsteiner Anwaltsbüro, doch schon in zwei Monaten will er einen »Stressjob« gegen einen anderen eintauschen. Karsten Schmidt will Bürgermeister in Feldatal werden, »die Feldataler liegen mir am Herzen,« sagt der gebürtige Fealler. Dabei macht er sich keine Illusionen um die Schwierigkeiten, die ihn erwarten würden. Die Gemeinde hat hohe Schulden, die Bevölkerungszahl sinkt und die Gemeindevertretung ist seit eineinhalb Jahre allzuoft uneins.

Aber als Rechtsanwalt ist er stresserprobt, »die Leute kommen, wenn sie ein Problem haben«. Dann ginge es eben um den Hund des Nachbarn, einen Bauplatz oder um einen Gebührenbescheid. Da sei oft der Bürgermeister als »Sachbearbeiter der Gemeinde« gefragt. Und dennoch will er die Herausforderung annehmen. »Ich bin immer noch in Feldatal verwurzelt,« bekennt der Jurist, geboren im Nachbarhaus der Gaststätte »Zum Pit«. Vor knapp 20 Jahren hatte Schmidt bereits einmal versucht, in das Rathaus zu gelangen. Als das nicht klappte, konzentrierte er sich auf sein Anwaltsbüro. Nun, nach fast 24 Jahren Tätigkeit mit Schwerpunkt Miet- und Wohneigentumsrecht, sei ein guter Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung. Ausschlaggebend war, dass 1. Beigeordneter Daniel Wolf nicht antritt. Schmidt kennt ihn aus dem Tischtennisclub TTG Kirtorf/Ermenrod, und im Gespräch habe ihn Wolf ermuntert, selbst zu kandidieren.

Wichtig war Schmidt etwas Rückenwind aus dem »politischen Feldatal«. Er hat mit den Fraktionen im Gemeindeparlament gesprochen, FWG und AUF haben Unterstützung zugesagt. Aufgeschlossen hätten sich auch die Sozialdemokraten gezeigt, und Ralf Bunn von der CDU habe signalisiert, dass er die Zielrichtung Schmidts gut finde.

Bauplätze und Angebot für Senioren

Die Vereinsarbeit in der TTG ist ein Bereich, über den Karsten Schmidt im Kontakt mit Freunden und Bekannten in Feldatal geblieben ist. Er ist im Aufsichtsrat der Volksbank Ulrichstein und im Landesvorstand des Mieterbunds. Politisch ordnet sich Schmidt »in der Mitte« mit Tendenz zu sozialen Themen ein. Denn als Rechtsanwalt vertritt er oft Mieter mit geringem Einkommen vor Gericht. Er ist Betreuer für fünf Menschen, die nicht in der Lage sind, alle Lebensbereiche alleine zu regeln. Darunter sind zwei Seniorinnen in einem Pflegeheim und ein Mensch in einer Behinderteneinrichtung.

Als Bürgermeister will Schmidt eine gemeinsame Politik im Parlament bewirken. Denn »die Außendarstellung der Gemeinde ist katastrophal«. Über lange Monate hinweg hätten die Fraktionen der Gemeindevertretung politische Themen zerredet und nicht gelöst. Ein Beispiel sei das Projekt Social Media Scouts, das bei gemeinsamer Absprache sinnvoll gewesen wäre. Er setzt darauf, dass man zielgerichtet diskutiert, entscheidet und den Willen der Mehrheit umsetzt, »so funktioniert Demokratie«.

Breitband für Telearbeit nötig

Gemeinsamkeit sei auch nötig, um neue Bewohner nach Feldatal zu bringen. Aus Frankfurt werden Familien mit normalen Einkommen vertrieben, »denen können wir Angebote machen«. Schmidt will ihnen zeigen, »es ist schön, auf dem Land zu leben«. In Feldatal gibt es Bauplätze und Häuser für mehr Menschen. Mit guter Anbindung in den Ballungsraum mit Bus und Bahn sowie Auto könnten junge Leute in der Gemeinde gehalten werden. »Und wir brauchen Breitbandanschlüsse für Telearbeit.« Die Gemeinde solle zudem Angebote für Senioren ermöglichen, betreutes Wohnen oder ein Mehrgenerationenhaus seien sinnvoll. Eine Genossenschaft könne kleine Läden wie in Stumpertenrod erhalten. »Das ist auch wichtig als Bürgertreff,« sagt Schmidt. Einnahmen können aus Solaranlagen und Windkraft kommen, das braucht einen Bürgermeister, der sich einsetzt«.

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