Gemünden (rs). Es geht um einen erschlagenen Waschbären, Gewaltandrohung gegen eine Frau und das Anfertigen von Film- und Tonaufnahmen von Vorgängen auf Privatgrundstücken. Ob diese Sachen alle stattgefunden haben, ist offen, aber es soll zumindest darüber öffentlich geredet worden sein – sagt jedenfalls eine Seite, die andere bestreitet das. Ort des Geschehens ist Hainbach, von wo aus sich seit Jahren Nachbarschaftsstreitigkeiten immer wieder mal an das Alsfelder Amtsgericht verlagern. Kürzlich war es wieder der Fall.

Zu den angezeigten und strittigen Vorfällen gab es zunächst einen Gütetermin. Das sieht die Rechtsordnung vor, aber der Einzelrichter hatte in Kenntnis seitheriger Verfahren bereits durchblicken lassen, dass er das Konfliktpotenzial als enorm einordnet. Ein Landwirt hatte gegenüber einer Frau auf Unterlassung und Widerruf geklagt, dass er einen Waschbären mit einer Mistgabel erschlagen haben soll, zudem auch auf Unterlassung und Widerruf der Aussage, er habe der Frau Gewalt angedroht. Beide Aussagen ordnete der Richter als Tatsachenbehauptungen ein, wenn sie denn gefallen sein sollten. Zudem hatte der Landwirt geklagt, dass die Frau seine Nutzflächen nicht mehr betreten darf und Film- sowie Tonaufnahmen von ihm auf seinem Privatgrund unterlassen solle. Alle Punkte stellte die Beklagte in Abrede. Ein Schlichtungsversuch in der Sache war bereits gescheitert, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft im Vorjahr von der Behörde eingestellt und dem Kläger der Weg der Privatklage bedeutet worden. An dieser Stelle setzte man beim aktuellen Termin an.

»Die Hoffnung stirbt zuletzt«, leitete der Richter einen erneuten Vermittlungsversuch ein, aber er kam nicht weit. »Das geht nicht mehr«, sagte die Verteidigerin der Beklagten und verwies auf ihren Schriftsatz. Gegen einen weiteren Termin mit Zeugenvernehmung hatte auch die Klägerseite nichts einzuwenden, und der Richter formulierte zusammenfassend: »Es gibt keinen Ausweg. Ich muss es auch nicht mit Engelszungen versuchen.«

Aber indirekt unternahm er doch einen zweiten Anlauf, diesmal über die Kostenseite. Wenn man den Streitwert auf 2000 Euro taxiere und davon ausgehe, dass die in der ersten Instanz unterlegene Partei in die zweite Instanz gehe, dann werde es dort für die unterlegene Partei teuer. Zudem nahm der Richter an, dass dann auch noch ein Nachspiel auf der Vollstreckungsebene folgen könne. Konkret bezifferte der Richter die Kosten für die erste Instanz ohne Zeugengeld auf rund 1200 Euro, beim folgenden Landgerichtstermin auf mindestens weitere 2600 Euro. »Sie müssen überlegen, ob es Ihnen das wert ist«, appellierte der sehr bemühte Richter an die streitenden Parteien.

Im Gerichtssaal machten Kläger und Beklagte nicht den Eindruck, dass sie die Ausführungen des Richters zum Einlenken bewegen könnten. So konstatierte dieser die Erfolglosigkeit der Güteverhandlung, und jetzt im neuen Jahr wird man sich am Alsfelder Amtsgericht wiedersehen – mit Zeugen von beiden Seiten.

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